Der Unfall mit einem ausschlagenden Pferd in Gerresheim hat keine Folgen für die Umzüge der Schützen. Die Lobby für die Tiere ist groß.

Der Unfall mit einem ausschlagenden Pferd in Gerresheim hat keine Folgen für die Umzüge der Schützen. Die Lobby für die Tiere ist groß.
Schützen und Pferde gehören beim Schützenfest (hier in Derendorf) einfach zusammen.

Schützen und Pferde gehören beim Schützenfest (hier in Derendorf) einfach zusammen.

Sergej Lepke

Schützen und Pferde gehören beim Schützenfest (hier in Derendorf) einfach zusammen.

Düsseldorf. War das ein Schrecken, als am Wochenende beim Schützenumzug in Gerresheim ein Pferd auf der Quadenhofstraße ausschlug und eine Begleiterin verletzte. Soll man die Tiere überhaupt bei Volksfesten durch die Straßen traben lassen? Wenn es nach der Pferdeschutz-Initiative aus Hennef geht, müssten die Vierbeiner tunlichst im Stall bleiben, aus Schutz für Mensch und Tier. „Pferde können beim geringsten Anlass erschrecken, steigen, scheuen, austreten, in Panik geraten, durchdrehen und unkontrolliert davonstürmen“, sagt die Sprecherin der bundesweit tätigen Initiative. Selbst gute und erfahrene Reiter oder Kutscher könnten in brenzligen Situationen Unfälle nicht verhindern. In Düsseldorf aber stößt sie damit auf Gegenwehr.

Schützenchef Rolf Binnebößel aus Gerresheim sieht in dem Vorfall vom Wochenende ein Zusammentreffen unglücklicher Umstände. Als erfahrene Tierpflegerin aus dem Gestüt Gut Neuhaus hätte die 21-Jährige wissen müssen, dass man ein Tier nicht von schräg hinten angehen darf. Sie wollte eine Bremse auf dem Bauch des Pferdes verscheuchen, denn der Bauch ist eine empfindliche Stelle. Das Pferd aber wollte die Bremse gleichfalls verscheuchen und schlug aus.

Reitpferde im Festzug ergeben ein wunderschönes Bild

Schützenchef Binnebößel ist stolz auf die 35 Tiere im Reiterkorps und die 14 Pferde vor den sieben Kutschen. Jeder Reiter müsse 25 Reitstunden absolviert haben, bevor er am Zug teilnehmen kann. Und ein starkes Reiterkorps ergebe ein „wunderschönes Bild“ auf den Straßen.

Derselben Meinung ist man bei den Schützen in Flingern, die am Sonntag ihre 40 Tiere über die Ackerstraße ziehen lassen. „Selbstverständlich sind die Tiere dabei. So ein Unfall wie in Gerresheim kann niemand voraussehen. Unsere Pferde sind handverlesen. Und die Reiter sind so erfahren wie diejenigen in Gerresheim“, sagt Pressesprecherin Karin Hamacher-Gockeln.

Wichtig ist natürlich die Meinung von Britta Damm, der obersten Chefin aller Schützen in Düsseldorf. Als Vorsitzende der Interessengemeinschaft Düsseldorfer Schützenvereine (IGDS) mit rund 15 000 Kameraden erklärt sie: „Die Reiter, die die Schützenzüge begleiten, haben viel Verantwortung. Sie kennen jede Bewegung des Tieres. Das gilt auch für die Verleihpferde. Sie gehen 90 Minuten im Schritt. Wer je auf einem Pferde gesessen hat, wird sich für den Zug gut vorbereiten. Das ist selbstverständlich. Andererseits gehören Pferde nun einmal zur Tradition eines Schützenzuges. Und so soll es auch bleiben.“ Auch sie spricht von einer „unglücklichen Verkettung von Umständen an der Quadenhofstraße.

Nun ist Britta Damm selbst Reiterin. Sie ist im letzten Jahr im Amazonenkorps geritten. Von ihr kann man also keine negative Stellungnahme zu den Pferden im Zug erwarten. Wie aber ist es im Tierschutzverein? Auch hier haben die Tiere ihre Lobby, wenn die Vorsitzende Monika Piasetzky ihre private Meinung kundtut: „Das war ein kleiner Unfall, mehr nicht. Ich habe grundsätzlich nichts gegen die Tradition der Schützen oder der Karnevalisten. Man darf eben kein nervöses Pferd auswählen. Aber das wissen die erfahrenen Reiter.“

Nach Meinung von Monika Piasetzky belaste ein ländliches Reitturnier die Pferde viel mehr als ein Umzug im Stadtgebiet. Piasetzky ist übrigens 20 Jahre lang selbst geritten.

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