An der Uni können talentierte Schüler schon vor dem Abitur nebenbei studieren. Die WZ sprach mit einer Frühstudentin über ihre Erfahrungen.

Studium
Luzie Deubel auf dem Campus der Heinrich-Heine-Universität.

Luzie Deubel auf dem Campus der Heinrich-Heine-Universität.

Bernd Schaller

Luzie Deubel auf dem Campus der Heinrich-Heine-Universität.

Düsseldorf. In der siebten Klasse hatte Luzie Deubel noch eine Vier in Deutsch. Mit ihrem Wechsel an das Marie-Curie-Gymnasium nach der achten Klasse änderte sich das. Aus der Vier wurde eine Zwei, aus der Zwei eine Eins und jetzt besucht die Schülerin bereits einmal die Woche eine Germanistik-Vorlesung an der Heine-Uni – obwohl sie erst im nächsten Jahr ihr Abitur macht. „Mit der neuen Schule kamen auch neue Themen auf mich zu“, erzählt die 18-Jährige, „und vor allem bei den literarischen Texten habe ich gemerkt, dass sie mir gut liegen.“

Zur Eignung zählt nicht nur Leistung, sondern auch Persönlichkeit

Dominique Clemens, ihr Lehrer aus dem Deutsch-Leistungskurs war es, der Luzie auf das Angebot „Studieren vor dem Abitur“ der Universität aufmerksam machte.

„Ich hatte das Gefühl, dass Luzie im Unterricht unterfordert ist“, sagt er. „Und das, obwohl der Leistungskurs ein erstaunlich hohes Niveau hat.“ Nach Absprache mit ihren anderen Fachlehrern hat er sich dann dafür entschieden, sie für das Programm zu empfehlen. „Normalerweise machen wir das nicht so kurz vor dem Abitur. Aber bei Luzie scheint es sich zu bewähren.“

Auch die Schülerin selbst hat nur wenig überlegen müssen. „Ich wollte zwar etwas darüber nachdenken, da ich im Sommer mein Abitur mache – war mir dann aber doch recht schnell sicher, dass ich so eine Chance nutzen muss“, sagt Luzie.

Für die Bewerbung benötigen die Schüler neben einem Empfehlungsschreiben ihres Fachlehrers die Zustimmung der Schulleitung. „Seitdem es das Programm gibt, haben sieben oder acht Schüler des Marie-Curie-Gymnasiums teilgenommen“, sagt Schulleiter Norbert Münnix. Im letzten Semester waren es zwei Schüler, die Jura-Vorlesungen besuchten. Sorgen, dass ein Besuch der Universität kurz vor dem Abitur für einzelne Schüler eine zu große Belastung sein könnte, macht er sich nicht. „Wir suchen die Schüler sehr sorgfältig aus – auch auf ihre Persönlichkeit bezogen, ob sie gut selbstständig arbeiten können“, sagt er. Bisher habe es nie Probleme gegeben.

Am Anfang stand die Sorge: Falle ich unter den älteren Studenten auf?

Etwa zwei Wochen vor der ersten Vorlesung kam dann die Zusage für Luzie. Jeden Freitag besucht sie seit diesem Semester die Vorlesung „Theorie und Praxis mündlicher und schriftlicher Kommunikation“. Von der Schule wird sie dafür drei Stunden freigestellt, verpasst eine Stunde Deutsch und zwei Stunden Englisch. Die Texte bekommt sie von ihren Mitschülern nachgereicht und arbeitet den Stoff dann selbstständig nach.

Der erste Studientag verlief für Luzie allerdings noch etwas unrund. „Bevor ich das erste Mal in die Vorlesung kam, habe ich mich direkt auf dem Campus verlaufen und dann noch befürchtet, dass ich zwischen den ganzen älteren Studenten auffallen würde“, sagt sie. „Das war dann aber gar nicht der Fall. Schüler werden in der großen Masse der Studenten auch nicht anders behandelt.“

Und trotz der Doppelbelastung hat Luzie auch Zeit für weitere Freizeitaktivitäten. Sie spielt Theater im jungen Schauspielhaus, zuletzt hat sie eine Skulptur im „Düsseldorf-ist-Artig“-Festival ausgestellt. Im nächsten Semester will sie aber auf das Studium verzichten, um sich auf das Abitur konzentrieren zu können.

Und ob sie dann nach dem Abitur auch Germanistik studieren will, weiß sie noch nicht. „Der Studiengang spricht für Düsseldorf. Aber ich würde auch gern erst mal etwas anderes sehen.“

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