Der 76-Jährige rettete einst Vietnamesen mit der Cap Anamur. Beim Besuch im Kolping-Haus wagte er einen Blick in die Zukunft.

Rupert Neudeck rettete einst Vietnamesen mit der Cap Anamur. Beim Besuch im Kolping-Haus wagte er einen Blick in die Zukunft.
„Wir schaffen das“ reicht nicht. So jedenfalls sieht das Rupert Neudeck, einst Pionier der Flüchtlingshilfe.

„Wir schaffen das“ reicht nicht. So jedenfalls sieht das Rupert Neudeck, einst Pionier der Flüchtlingshilfe.

dpa/ Oliver Berg

„Wir schaffen das“ reicht nicht. So jedenfalls sieht das Rupert Neudeck, einst Pionier der Flüchtlingshilfe.

Düsseldorf. Es gibt so viele Fragen zu den Flüchtlingen. Deshalb hätte man sich noch mehr Zuspruch gewünscht beim im Kolping-Saal in der Carlstadt. Wann hat man schon mal Gelegenheit, einen, wenn nicht den Pionier der Flüchtlingshilfe zu erleben: Rupert Neudeck, Journalist und Gründer der „Cap Anamur“, mit der er 1979 tausende vietnamesischer Flüchtlinge, die so genannten Boat-People aus dem chinesischen Meer gerettet hat.

Für Neudeck gibt es fünf verschiedene Gruppen

Dieser Mann der Tat sagt nicht einfach „Das schaffen wir schon“, sondern die Wahrheit: „Das Thema ist gewaltig groß“ und: „Man muss sich trauen zuzugeben, dass man sich geirrt hat“. Niemand habe voraussehen können, was in diesem Jahr auf uns zukommt: „Die Wucht einer Weltbewegung.“ Man müsse sich auch fragen, wann die zu groß sei. Neudeck: „Ich möchte in dieser Zeit nicht Politiker sein.“

Neudeck spricht von fünf verschiedenen Flüchtlingsgruppen. Die Syrer seien noch eine „leichte Gruppe“, die Afghanen sind es nicht, „Balkan-Menschen“ sieht er nicht als Flüchtlinge, Asiaten kämen oft, um sich ausbilden zu lassen. Der Mann mit dem wahrscheinlich besten Rückblick riskiert auch den Weitblick: Es würden noch neue Flüchtlingsgruppen dazukommen, das sei eine „Geschichtsnotwendigkeit“. Anderenorts würden schon Szenarien durchgespielt, wohin mit den Menschen von den Malediven, wenn diese überspült werden – womit zu rechnen sei.

Neudeck zeigt aber auch Lösungsvorschläge auf. So baut seine Bewegung der „Grünhelme“ gemeinsam mit Flüchtlingen Häuser, in denen sie später leben können. Drei Fliegen mit einer Klappe: Die Menschen lernen einen Beruf, dabei lernen sie Deutsch und sind raus aus der elenden Warteschleife. Neudecks Theorie solcher Praxis: „Man darf nicht nur über Ursachen quatschen.“

Einlader war das gemeinnützige Institut für Internationale Kommunikation (IKK). 1989 aus der Heinrich-Heine-Universität herausgegründet, sieht es sich als Schnittstelle zwischen Hochschule und Wirtschaft. Schwerpunkt sind Kurse „Deutsch als Fremdsprache“. Darüber hinaus werden immer wieder auch aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen aufgegriffen.

Mit Rupert Neudeck eröffnete die Abendakademie des IKK ihre Reihe. Weitere Termine: 3. Dezember, „Integration fängt mit der Sprache an“, Impulsvortrag von Hermann Funk; 9. Dezember: „Willkommenskultur – zwischen Staat, Verbänden und Zivilgesellschaft“ mit Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland, beide im Stadtmuseum. Anmeldung unter verein@iik-duesseldorf.de www.ikk-deutschland.de

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