Ein Spiel mit der Liebe: Das Heine-Institut zeigt eine Ausstellung rund um schreibende Paare, Liebe und Literatur.

Ein Spiel mit der Liebe: Das Heine-Institut zeigt eine Ausstellung rund um schreibende Paare, Liebe und Literatur.
Die Autorin Tania Schlie hat in ihrem neuen Buch „Schreibende Paare – Liebe und Literatur“ Beispiele zusammengetragen. Das Bild im Hintergrund zeigt zwei Handabdrücke von Claire und Iwan Goll um 1947.

Die Autorin Tania Schlie hat in ihrem neuen Buch „Schreibende Paare – Liebe und Literatur“ Beispiele zusammengetragen. Das Bild im Hintergrund zeigt zwei Handabdrücke von Claire und Iwan Goll um 1947.

George Sand schrieb an ihren Partner Alfred de Musset: „Gott wird dir vergeben, dass du nicht lieben konntest.“

Bettine von Arnim hingegen konnte ihrem Mann Achim nie auf gleicher Augenhöhe begegnen – zumindest literatisch.

Und Rainer Maria Rilke wurde seiner Partnerin zunehmend unheimlich, denn er schrieb ihr einst: „Lösche mir die Augen aus, ich kann dich sehen.“

Sergej Lepke, Bild 1 von 4

Die Autorin Tania Schlie hat in ihrem neuen Buch „Schreibende Paare – Liebe und Literatur“ Beispiele zusammengetragen. Das Bild im Hintergrund zeigt zwei Handabdrücke von Claire und Iwan Goll um 1947.

Düsseldorf. Zwischen konstruktiver Partnerschaft, Konkurrenz und Konflikten reicht das Spektrum der Liebesbeziehungen zwischen Literaten. Fungierten Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre gegenseitig als Berater, Kritiker und aufmerksame Erst-Leser, verliefen manche Ehen und Liaisons wie etwa die zwischen Bettine und Achim von Arnim desaströs. Die Autorin Tania Schlie hat in ihrem neuen Buch „Schreibende Paare – Liebe und Literatur“ Beispiele zusammengetragen. Dazu gibt es nun im Heinrich-Heine-Institut eine Ausstellung. Liebesbriefe, aber auch mancher Schlagabtausch geben Auskunft über den Haussegen in berühmten und manchmal berüchtigten Beziehungen. Und manchmal muss man schmunzeln, dass ein als durchaus modern und aufgeklärt geltender Erzähler wie der Schweizer Max Frisch von einer Intellektuellen par excellence, Ingeborg Bachmann, regelmäßig ein warmes Mittagessen erwartete.

„Gott wird dir vergeben, dass du nicht lieben konntest.“
George Sand über Alfred de Musset

„Arbeits- und Lebensraum sind bei schreibenden Paaren nur selten voneinander getrennt“, sagt Tania Schlie bei der Ausstellungseröffnung. Man wolle zusammen sein, brauche aber die Distanz um kreativ zu sein. Und so geht die Autorin unter anderem der Frage nach, wie es sich anfühlt, wenn man den anderen unermüdlich auf seiner Schreibmaschine klappern hört, während man selbst in Panik vor der leeren Seite sitzt.

Die Kuratoren der Ausstellung, die Institutsleiterin Sabine Brenner-Wilczek und der wissenschaftliche Mitarbeiter Jan-Birger von Holtum, haben Liebesbeweise wie die Handabdrücke der Pazifisten und Dadaisten des frühen 20. Jahrhunderts, Claire und Iwan Goll, überdimensional groß reproduziert. Aber auch kleine Zitate, die Bände sprechen, wurden aus Briefen entnommen und auf Hocker gut lesbar appliziert. Manche Sätze zeugen davon, dass der Mann Egomanie und Dominanz gegenüber der Frau gar nicht wahrnimmt. Zum Beispiel schrieb Alfred de Musset romantisch erregt an seine Partnerin George Sand: „Die Nachwelt wird unsere Namen wiederholen wie die jener unsterblichen Liebespaare“ – und George Sand wiederum schreibt resigniert: „Gott wird dir vergeben, dass du nicht lieben konntest.“

Durch Gemälde, Fotos und Originale ist die Schau anschaulich

Irritierende Sätze sind vielfach zu lesen. Eine große Vitrine im zweiten Ausstellungsraum präsentiert das Kapitel „Ungleichgewichte“. Neben Bettine und Achim von Arnim, die sich nie ganz auf der gleichen literarischen Augenhöhe begegnen konnten, werden in dem Schaukasten auch Rainer Maria Rilke und die 15 Jahre ältere Schriftstellerin Lou Andreas-Salomé zitiert. Der hoch sensible Rilke wurde seiner Partnerin zunehmend unheimlich. Sie vermutete, dass er nur mit unglücklicher Liebe kreativ sein könne. Ein wenig verstörend muss sie einen Brief gefunden haben, in dem ihr der junge Dichter schrieb: „Lösche mir die Augen aus, ich kann dich sehen.“

Durch viele Gemälde, Fotos, Originale, Repros und eine Fülle von Zitaten ist die Ausstellung sehr anschaulich. Es gibt allerhand zu entdecken beim Streifzug durch das Privatleben der Schriftsteller-Paare. Neben äußerlichem Voyeurismus gibt es auch literarischen Erkenntnisgewinn, da manche Werke durch den Blick aufs intime Privatleben noch besser zu verstehen sind.

Die Ausstellung „Schreibende Paare“ ist noch bis zum 30. April im Heinrich-Heine-Institut an der Bilker Straße 12 bis 14 zu sehen. Weitere Informationen gibt es unter der Telefonnummer 899 55 71 oder alternativ im Netz: duesseldorf.de/heineinstitut

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