Auseinandersetzung zwischen Hells Angels und Bandidos am Neujahrsmorgen endet mit Verletzten.

Mordprozess gegen Mitglieder einer Rockerbande
Die Rocker-Szene in Düsseldorf wird von den Hells Angels dominiert.

Die Rocker-Szene in Düsseldorf wird von den Hells Angels dominiert.

Ronald Wittek

Die Rocker-Szene in Düsseldorf wird von den Hells Angels dominiert.

Düsseldorf. Am Wochenende hat die Polizei wie berichtet die Düsseldorfer Altstadt mit einem Großaufgebot abgeriegelt, um Rockergewalt zu verhindern. Jetzt sind weitere - dramatische - Hintergründe für die Aktion bekannt geworden: Am Neujahrsmorgen gab es offenbar eine gewaltsame Auseinandersetzung zwischen Hells Angels und Bandidos an einer Clubtür in der Bolkerstraße. Dabei wurde ein unbeteiligter Passant angeschossen, der 24-Jährige hatte riesiges Glück. Wahrscheinlich erlitt zudem ein Hells Angel einen Oberschenkeldurchschuss.

Die Geschichte spielt am Neujahrsmorgen um 6.20 Uhr. Drei Hells Angels wurden an der Tür des Lion Club auf der Bolkerstraße vom Türsteher abgewiesen. Der wiederum ist ein 38-Jähriger, der mit einem Bandido befreundet ist, der vor einem Jahr in eine Messerstecherei mit Hells Angels verwickelt war. Die Abweisung am Lion Club ließen die Hells Angels sich nicht bieten, nach wenigen Minuten kamen sie mit Verstärkung zurück, versuchten die Tür einzuschlagen. Dafür griffen sie zu Heizpilzen, Verkehrsschildern und Absperrgittern.

Dabei fielen offenbar von innen zwei Schüsse, was aber die Polizei, die nach wenigen Minuten eintraf, erst später bemerkte. Denn der 24 Jahre alte Passant - er hatte wohl auch einiges getrunken - bemerkte zunächst nur einen stechenden Schmerz in der Brust. Als er mit einem Freund kurz darauf in einem nahe gelegenen Restaurant seine Jacke auszog, sah er Blut. Ein Rettungswagen war zufällig vor der Tür, der den Mann kurz darauf in eine Klinik brachte. Wahrscheinlich war er von einem Querschläger getroffen worden, der dann durch den Reißverschluss seiner Jacke abgelenkt wurde, seinen Brustkorb seitlich durchschlug und in der Jacke steckenblieb. Nach ambulanter Behandlung konnte der Mann wieder nach Hause gehen.

Düsseldorf galt bisher als ruhiges Pflaster

Der vermutlich zweite Getroffene, ein Hells Angel, fiel am Samstagabend bei der Polizeikontrolle auf. Verdächtig, die Schüsse abgegeben zu haben, ist der Türsteher, ein 40 Jahre alter Mann aus Haan. Sein Anwalt hat sich bereits bei der Polizei gemeldet, doch bei einer Wohnungsdurchsuchung am Samstag fand die Polizei weder den Mann noch seine Waffe.

Unklar ist nun die Einstufung der Tat: Während in anderen Stadten es in Rheinland und Ruhrgebiet es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Rockerbanden kommt, gilt Düsseldorf in dieser Hinsicht bislang als ruhiges Pflaster, weil die Hells Angels keine ernsthafte Konkurrenz haben. Versuchen die Bandidos nun, Clubs in der Altstadt zu übernehmen und den Hells Angels einen Teil ihres Geschäftsfeldes abzugraben?

Von einem Rockerkrieg will die Polizei keinesfalls sprechen, dazu seien die Machtstrukturen in Düsseldorf und Umland zu verfestigt. Aber um weitere Gewalt wie in der Silvesternacht zu verhindern, zeigt man nun verstärkt Präsenz wie am vergangenen Wochenende: "Wir haben die Szene genau im Blick und kennen die Beteiligten", so der Leiter des Kommissariats 2, Roland Wolf, am Dienstag vor Journalisten.

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