Nach langem Hin und Her sind Verbotsschilder beschlossen. Sie sollen in zehn Tagen hängen. Grüne fordern mehr Hilfskräfte.

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Chie Katsuyama benutzt die Rolltreppen der Rheinbahn. Die streitet um die Aufstellung von Verbotsschildern für Kinderwagen.

Chie Katsuyama benutzt die Rolltreppen der Rheinbahn. Die streitet um die Aufstellung von Verbotsschildern für Kinderwagen.

Judith Michaelis

Chie Katsuyama benutzt die Rolltreppen der Rheinbahn. Die streitet um die Aufstellung von Verbotsschildern für Kinderwagen.

Düsseldorf. Nach dem tagelangen Hin und Her des Unternehmens bei der Umsetzung der EU-Norm zum Verbot von Kinderwagen auf Rolltreppen und der Forderung von Aufsichtsratschef Andreas Hartnigk, diese zu realisieren ("Wir müssen uns gegen Schadensersatzansprüche bei Unfällen auf Rolltreppen absichern"), hat Vorstandschef Peter Ackermann gestern das Trauerspiel im Eilverfahren beendet. "Er hat das Problem zur Chefsache erklärt und mit Juristen und Technikern kurzfristig entschieden", sagte Rheinbahnsprecher Eckhard Lander.

Streit beendet - Vier neue Warnschilder auf einen Streich

Innerhalb der nächsten zehn Tage sollen die Warnaufkleber und Piktogramme an allen 95 Rolltreppen der Rheinbahn hängen. Dabei werden gleich vier Symbole angebracht: Neben dem durchgestrichenen Kinderwagen kommt auch das Tragegebot für Hunde, das An-die-Hand-Nehmen von Kindern und das Verbot des Fahrens auf den Rolltreppengeländern an die Haltestellen.

Seit 1. Januar gilt die EU-Norm - und seitdem herrschte Uneinigkeit darüber im Unternehmen. Die Techniker befürchteten Behinderungen für die Kunden, die Rechtsabteilung Klagen bei Unfällen wegen Nichteinhaltung der Norm. Dabei ist sie weder ein verbindliches Gesetz noch gilt sie für bereits bestehende Rolltreppen. Die Rheinbahn setzt sie nun freiwillig um.

Noch am Silvestertag 2009 ließ Rheinbahnsprecher Georg Schumacher in der WZ verlauten, dass es keine "objektive Notwendigkeit" für die Umsetzung der Norm gebe und dies eine "Zumutung" sei, weil an den Haltestellen Nord- und Kleverstraße noch keine Aufzüge als Ausweichmöglichkeit bestünden.

Es folgte ein Zick-Zack-Kurs. Schumachers Stellvertreter Eckhard Lander musste am Montag nach Rücksprache mit den Unternehmensjuristen verkünden: "Es ist unausweichlich, dass wir Verbotsschilder an unseren Haltestellen aufhängen." Nach "internen Verständigungsproblemen" erklärte er tags darauf: "Bis zur Fertigstellung der Wehrhahn-Linie bleiben unsere Rolltreppen für Kinderwagen offen." Hartnigks Vorstoß gab nun offenbar den Anstoß für das Verbot.

Sie schreibt ein Verbot von Kinderwagen auf Rolltreppen vor, die nach dem 1. Januar 2010 in Betrieb gehen. Dadurch soll die Einrichtung von Aufzügen in Neubauten gefördert werden.
Dass die Norm nicht für ältere Rolltreppen gilt, ist unter Fachleuten wegen der Uneinheitlichkeit umstritten.

Norbert Czerwinski (Grüne) fordert jetzt Konsequenzen für Haltestellen ohne Lift. "Die Rheinbahn muss extra Hilfspersonal zur Verfügung stellen, bis die Aufzüge fertig sind." Manfred Neuenhaus (FDP) geht noch einen Schritt weiter: "Es sollte generell Personal eingesetzt werden, das nicht nur Eltern mit Kinderwagen, sondern auch Älteren und Behinderten hilft."

Das lehnt Hartnigk ab. "Wer mit Kinderwagen in ein Haus kommt, in dem der Lift kaputt ist, muss sich auch Hilfe suchen", sagt der Aufsichtsratschef. Auch Martin Volkenrath (SPD) findet diese Forderung "unrealistisch". Für den Rheinbahn-Vorstand ist das Thema noch nicht vom Tisch. "Die Gespräche mit der Stadt laufen jetzt an", sagt Lander.

Wenn kein Aufzug da ist, nutzen Betroffene die Rolltreppen

Betroffene wollen die Rolltreppen im Zweifelsfall weiternutzen. "Ich habe keine Angst, mein Baby im Kinderwagen die Rolltreppe nach oben zu befördern", sagt Chie Katsuyama. "Nach unten halte ich den Wagen besser fest." Johanna Stammer setzt zwar auf Sicherheit für ihre zweijährige Tochter Elisa: "Wenn ein Aufzug vorhanden ist, benutze ich ihn, weil er sicherer ist." Allerdings gebe es diese ja nicht immer: "Dann geht es ja nicht anders, als die Rolltreppe zu benutzen." Daran könne auch kein Hinweisschild etwas ändern.

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