Viele Binnenschiffe verpesten die Düsseldorfer Luft. Doch bis jetzt gibt es noch kein Rezept, sie zu stoppen.

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„Sogar Altöle dürfen verbrannt werden“: Iris Bellstedt (Grüne).

„Sogar Altöle dürfen verbrannt werden“: Iris Bellstedt (Grüne).

Rund 100 000 Frachter sind jährlich auf dem Rhein unterwegs, die meisten tuckern auch an Düsseldorf vorbei.

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„Sogar Altöle dürfen verbrannt werden“: Iris Bellstedt (Grüne).

Düsseldorf. Fast sind sie ja sogar ein bisschen romantisch: die vielen Frachtschiffe, die täglich den Rhein auf und ab tuckern. Was aber kaum jemandem bewusst ist: Sie pusten extrem viel Dreck in die Luft. Laut Bezirksregierung verursachen sie rund ein Drittel aller Stickstoff-Emissionen in Düsseldorf. Beim Feinstaub ist es fast ein Viertel (siehe Grafik).

Zwar liegen den Daten nicht dieselben Bezugsjahre zugrunde - die Schiffs-Emissionen beziehen sich etwa auf das Jahr 2000, weil aktuellere Zahlen nicht verfügbar sind -, dennoch "können zumindest die Größenordnungen verglichen werden", so schreibt es die Behörde im Luftreinhalteplan. Darin sind viele Aktionen gebündelt, die die Luft sauberer machen sollen - allen voran die vor kurzem in Kraft getretene Umweltzone.

Doch was die schwimmenden Dreckschleudern angeht, ist den Fachleuten nicht viel eingefallen. Von 33 Einzel-Maßnahmen bezieht sich nur eine auf den Schiffsverkehr: An den Liegeplätzen soll die Stromversorgung ausgebaut werden, damit die Schiffer nicht ständig ihre Generatoren laufen lassen müssen.

Bis Ende des Jahres muss ein Konzept erarbeitet werden

Die Stadt und die Neuss-Düsseldorfer Häfen sind verpflichtet, bis Ende des Jahres ein entsprechendes Konzept zu erarbeiten. Doch bislang sind noch nicht einmal die wichtigsten Fragen geklärt: Muss es eine flächendeckende Stromversorgung geben? Wird eine Nutzungspflicht für die Schiffer eingeführt - und was passiert, wenn die sich nicht dran halten?

Und vor allem: Wer bezahlt die Investitionskosten? "An diesen Fragen wird zurzeit gearbeitet", sagt Inge Bantz vom Umweltamt. Schnelle Ergebnisse sind aber nicht zu erwarten: "Wir werden bis Ende des Jahres noch keine vollständige Lösung haben."

Ein Grund könnte sein, dass die Neuss-Düsseldorfer Häfen der Aktion skeptisch gegenüberstehen. "Bei den Hotelschiffen ist eine externe Stromversorgung sicher sinnvoll", erklärt Sprecher Thomas Düttchen. Bei den Frachtschiffen liege der Fall aber anders: "Eine flächendeckende Lösung wäre womöglich zu viel des Guten."

Unklar sei, ob ein solches Angebot von den Schiffern akzeptiert werde. Er verweist auf den Test im Hafenbecken C: Dort ist voriges Jahr erstmals ein externer Stromanschluss installiert worden. "Wir müssen schauen, ob dieses Angebot akzeptiert wird."

Zudem würden die Liegezeiten der Schiffe immer kürzer: "Die meisten sind nach einem Tag wieder weg", sagt Düttchen. Knapp 10000 Schiffe legen jedes Jahr in Neuss bzw. Düsseldorf an.

Zudem ist unklar, wie groß der Anteil der liegenden Schiffe an den Emissionen überhaupt ist. Denn auch der Durchgangsverkehr (rund 100000 Frachter jährlich) bringt viel Dreck. "Das Problem ist, dass es keine Auflagen gibt, was die Schiffe überhaupt verbrennen dürfen", sagt Iris Bellstedt von den Grünen, die auch Vorsitzende des Umweltausschusses ist.

"Sogar schwefelhaltige Altöle dürfen verbrannt werden." Problem: Stadt und Bezirksregierung können daran allein nichts ändern. Bellstedt fordert: "Aber wir können an die EU appellieren, beispielsweise Filter vorzuschreiben. Am Ende könnte auch so etwas wie eine Plakettenpflicht stehen." Also eine Art Umweltzone auf dem Rhein.

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