Erste Gaststätten berechnen einen Aufschlag, wenn Gäste viel Essen zurückgehen lassen.

Im Restaurant Okinii können Gäste einen Blick in die Küche werfen. (Archivfoto)
Im Restaurant Okinii können Gäste einen Blick in die Küche werfen. (Archivfoto)

Im Restaurant Okinii können Gäste einen Blick in die Küche werfen. (Archivfoto)

Sergej Lepke

Im Restaurant Okinii können Gäste einen Blick in die Küche werfen. (Archivfoto)

Düsseldorf. Jeder kennt es: Man fühlt sich völlig ausgehungert und bekommt endlich etwas zu essen. Da hat man das Gefühl, ein halbes Pferd verschlingen zu können und im Hinterkopf vielleicht noch die Angst, nicht satt zu werden. Eine halbe Stunde später platzt einem fast der Magen – und auf dem Teller sind größere Mengen Essen übrig. „Da waren die Augen wohl wieder größer als der Mund“, sagen zum Beispiel Eltern in solchen Situationen zu ihren Kindern.

Auch Kellner bemerken, wenn sie halb volle Teller abräumen. Mehr als den üblichen Satz: „Hat’s geschmeckt?“ hört man aber von ihnen nicht. Man kann ja die Gäste nicht vergrätzen. Außerdem haben sie es bezahlt. So war es immer in der Gastronomie, aber einige Restaurants haben sich von dieser Tradition verabschiedet.

„Es wird zu viel Essen verschwendet“

Okinii-Gast Stefano Marchi

Im „Okinii“ an der Immermannstraße können die Gäste gegen eine Pauschale zweieinhalb Stunden immer nachbestellen. Wenn sie aber Essen zurückgehen lassen, wird ein Aufpreis berechnet: bei Sushi und Salat ein, bei warmen Gerichten zwei Euro. Das Konzept überrascht die Gäste, aber es scheint auch zu überzeugen. Stefano Marchi ist zum ersten Mal hier und erfährt bei der Bestellung von Restaurant-Leiter Mehdi Ayou, wie die Regelung funktioniert.

Gegen diese Regelung hat Stefano Marchi nichts einzuwenden: „Es wird zu viel Essen verschwendet“, sagt der Italiener, der beruflich in Düsseldorf ist. Die Regel gelte aber sicher nicht, wenn einem etwas nicht schmeckt.

Manuel Kaufmann hat sich mit Freunden zum Essen verabredet, er sieht das ähnlich. In Deutschland hat er die Unsitte beobachtet, sich den Teller vollzupacken und Essen nach der Menge zu beurteilen: „Ich finde es auf jeden Fall richtig, da gegenzusteuern. Man weiß ja, wie viele Lebensmittel weggeschmissen werden.“

Im Lu Fung haben viele Gäste erst mal gegen die Regelung protestiert

So begründet auch Restaurantleiter Ayou die Regelung. „Wir sind seit 2010 hier und machen das von Anfang an.“ Der Aufpreis werde auch tatsächlich in einzelnen Fällen verlangt. Er funktioniere aber schon dadurch, dass die Gäste beim Bestellen überlegen, wie groß der Hunger ist. Die große Mehrheit der Gäste akzeptiere die Auflage.

Das ist im Restaurant Lu Fung im B8-Center inzwischen auch so, aber zunächst war es anders: „Viele Gäste haben sich am Anfang beschwert“, sagt Mitinhaberin Xiaoqiong Ye und lächelt. Hier steht am Büffet ein Hinweis mit der Überschrift „Verschwendung wird nicht geschätzt“ – in roten Buchstaben. Die Abrechnung funktioniert, wie im Okinii.

Lu Fung und Okinii sind bislang Ausnahmen. Reiner Spenke vom Dehoga kennt keine weiteren Beispiele in der Stadt, nur eines in Neuss. Aber auch er findet den Gedanken richtig, auf diesem Weg gegen Verschwendung vorzugehen.

Das Mongo’s im Düsseldorfer Medienhafen bietet ebenfalls ein Buffet mit Pauschalpreis, allerdings hat man dort schon von der Praxis der Kollegen gehört, erzählt Mitarbeiter Jens Förster: „Wir haben aber noch nichts geplant.“

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