Viele Düsseldorfer wünschen sich Warnungen vor Schmuddel-Küchen. Stadt und Wirte winken ab.

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In Berlin bekommen gute Restaurants einen Smiley, schlechte werden im Internet veröffentlicht.

In Berlin bekommen gute Restaurants einen Smiley, schlechte werden im Internet veröffentlicht.

dpa

In Berlin bekommen gute Restaurants einen Smiley, schlechte werden im Internet veröffentlicht.

Düsseldorf. Nichts für zarte Seelen ist der jährliche Bericht des Amtes für Verbraucherschutz. Schimmel, Kakerlaken und schleimiger Belag in der Spülmaschine - so etwas bekommen die 17 Lebensmittelprüfer der Stadt immer wieder in hiesigen Restaurants zu sehen.

Regelmäßig werden die mehr als 2000 Gastro-Betriebe in Düsseldorf überprüft. Die meisten sind tiptop, manche aber nicht. Die Fakten: 2007 (neuere Zahlen liegen noch nicht vor) gab es 4156 Kontrollen in den Lebensmittelbetrieben, dazu gehören allerdings auch Erzeuger- und Verkaufsbetriebe. Dabei gab es 2351 Beanstandungen, 487 Verwarnungen, 118 Bußgelder, 44 Strafverfahren und 77 Betriebsschließungen.

Nicht eben wenig. Viele Düsseldorfer wünschen sich deshalb, dass es Warnungen nach Berliner Vorbild gibt (siehe rechts). Im Bezirk Pankow läuft ein Modellversuch, dort können Verbraucher im Internet sehen, welches Restaurant beanstandet wurde.

Doch die Stadt winkt ab. "Wir haben genügend Werkzeuge, um Problemfälle in Ordnung zu bringen", sagt Amts-Vize Klaus Meyer. Im Schnitt bekommt jeder Betrieb einmal im Jahr Besuch von einem Kontrolleur. Dabei machen die Prüfer auch eine Risikoabwägung: Ist der Betrieb einwandfrei, folgt die nächste Kontrolle in einem längeren Abstand. Gibt es Beanstandungen, kommen die Kontrolleure öfter.

Der Güte-Smiley kommt nicht an: Erst fünf Betriebe machen mit

Und: Mängel müssen sofort beseitigt werden - auch das wird kontrolliert. Auf Kosten der Wirte: 80 bis 120 Euro werden bei einer Nachkontrolle fällig. Ein Internet-Pranger für Ekel-Gastro sei gar nicht nötig, meint Meyer: "Schlimme Fälle tauchten dort erst gar nicht auf - weil wir den Laden sofort schließen würden."

Auch Rainer Spenke vom Hotel- und Gaststättenverband hält nichts vom Berliner Modell: "Vieles ist ja Interpretationssache. Wenn es etwa heißt, ein Waschbecken solle in erreichbarer Distanz sein: Sind das dann drei oder fünf Meter? Das ist doch alles relativ." Eine Klageflut der Wirte könne die Folge sein.

Stadt und Dehoga verweisen zudem auf ein Pilotprojekt des Landes: Seit 2007 können Wirte einen Smiley beantragen. Erfüllen sie bestimmte Hygiene-Voraussetzungen, erhalten sie dieses Gütesiegel. Aber: Erst fünf Betriebe in Düsseldorf machen mit. Von Gastronomen war kritisiert worden, dass es sich nur um eine Momentaufnahme handele. Zudem sei die Auszeichnung zu unbekannt.

Die Grünen geben sich damit nicht zufrieden. Sie stellen eine Anfrage im nächsten Umweltausschuss. Fraktionssprecherin Iris Bellstedt: "Es sollte eine Möglichkeit geben, dass Gäste die hygienische Qualität eines Restaurants erkennen können."

Beschwerden über Restaurants nimmt die Stadt unter Tel. 899-3242 entgegen.

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