René Küpper alias der „Hausfreund“ hat das T-Shirt mit dem Rheinturm erfunden – das beliebteste Abschiedsgeschenk in der Stadt.

Düsseldorf. Seit viereinhalb Jahren sind die T-Shirts von René Küpper Kult. Der Rheinturm neben dem Schriftzug "Zu Haus" war das erste Stadtmotiv. Mittlerweile gibt’s vier davon, auf dem neuesten Shirt steht "Heimat".

René, wie viel "ZuHaus"-Shirts hast du unters Volk gebracht?

René Küpper: Ehrlich, ich habe keine Ahnung, ich führe keine Statistik. Es werden im Laufe der Jahre aber schon ein paar tausend Stück gewesen sein.

Wie läuft’s mit der neuen Heimat?

Küpper: Das scheint ein Renner zu werden - das ist jetzt schon abzusehen. Bei dem Motiv hatte ich von Anfang an ein gutes Gefühl.

Wo ist der Unterschied zwischen "Heimat" und "Zu Haus"?

Küpper: Heimat ist ein traditionelleres Wort und hat eine viel stärkere, eine aufgeladenere Bedeutung. Heimat bekommt man gewissermaßen mit in die Wiege gelegt. Daran ändert sich auch nichts, wenn man woanders lebt.

Einmal Heimat immer Heimat?

Küpper: Für einige bestimmt, ich persönlich finde aber, dass man sich Heimat auch erarbeiten kann, wenn man lange genug irgendwo lebt. Ich habe mir vor 13Jahren, als ich hergezogen bin, Düsseldorf erarbeitet.

Was meint das genau?

In der Stadt gibt es mehr als 80 Heimatvereine. In der Arbeitsgemeinschaft Düsseldorfer Heimat- und Bürgervereine (AGD) haben sich 61 von ihnen zusammengeschlossen. Als ältester, heute noch existierender, Heimatverein Düsseldorfs gilt die Gesellschaft "Zur Ludwigsburg", aus dem Jahr 1833.

Wer auf der Homepage der Stadt "Heimat" eingibt, erhält 250 Treffer, beim ersten geht es um Insektenzucht im Aquazoo. Wer "Düsseldorf" und "Heimat" in die Internet-Suchmaschine Google eingibt, bekommt 736 000 Treffer - ohne Insekten.

Die einzige heimatkundliche Kneipe der Stadt heißt "Zur neuen Heimat" und liegt an der Volmerswerther Allee. Sie liegt in einer Siedlung, die in den 50er Jahren von der Wohnungsgesellschaft "Neue Heimat" errichtet wurde. Die Gesellschaft wurde 1986 für eine symbolische Mark verhökert.

Ein Secondhand-Laden mit Möbeln, Porzellan, Accessoires und Kleidung aus den 40er bis 70er Jahren an der Birkenstraße 40 heißt "Wilde Heimat". "Ich habe früher mit meiner Heimat Düsseldorf etwas Altes und Gewöhnliches verbunden und wollte immer woanders hin. Mittlerweile sehe ich das ganz anders und versuche stattdessen, meine Heimat wild zu gestalten", sagt Inhaberin Jutta Bowe.

Küpper: Ich bin zum Glück direkt nach Flingern gezogen und musste zunächst viele meiner Klischees über Bord werfen. Mittlerweile bin ich hier zu Hause, weil hier alles ist, was mir wichtig ist, meine Freunde, mein Laden. Aber eher in meinem Kiez in Flingern als in Düsseldorf. Man lebt ja doch immer in seinem Viertel. Ich wäre schon in Derendorf ohne Stadtplan verloren.

Wo ist deine Heimat?

Küpper: Obwohl ich in Eschweiler geboren bin, sage ich nicht, dass dort meine Heimat ist. Düsseldorf ist es aber auch nicht richtig. Dazu fehlt wohl der Urbezug. Zu mir passt das Wort heimatlos.

Dann ist Heimat nur ein Marketing-Gag für dich?

Küpper: Das habe ich mir schon öfter anhören müssen, weil ich das "ZuHaus"-Motiv auch für Köln oder Berlin herstelle. Aber ich habe nicht den Eindruck, dass ich mit Heimat-Gefühlen von anderen Menschen spiele.

Der Begriff Heimat klingt für viele piefig und scheint das Gegenteil dessen zu sein, für was "Hausfreund" steht: jung, kreativ, etwas gegen den Strich gebürstet...

Küpper: Ich spiele oft mit solchen scheinbaren Widersprüchen: Junge Leute mit einem Heimat-T-Shirt - das ist doch spannend.

Weißt du, dass du Abschiedsgeschenke produzierst? T-Shirt mit Rheinturm und ’ne Pulle Killepitsch bekommt jeder, der geht.

Küpper: Stimmt, meine Sachen sind aber auch Willkommensgeschenke für Neu-Düsseldorfer.

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