Die Angst geht unter Wirten um. Einige wollen schließen, andere werden kreativ.

Gesetz
Alessandra Strassner und Philipp Ehle genießen ihre Zeit auf der neuen und vor allem beheizten Raucherbank der „Zille“.

Alessandra Strassner und Philipp Ehle genießen ihre Zeit auf der neuen und vor allem beheizten Raucherbank der „Zille“.

Milena Knoppan steht täglich selbst im „Monopoly“ am Tresen – und hat Zukunftsangst.

David Young, Bild 1 von 2

Alessandra Strassner und Philipp Ehle genießen ihre Zeit auf der neuen und vor allem beheizten Raucherbank der „Zille“.

Düsseldorf. Michael Tsiakos hat ein Herz für Raucher. Als 2007 das erste Nichtraucherschutzgesetz kam, ließ der Inhaber der Zille an der Luegallee extra eine 2000 Euro teure Tür einbauen, um den Rauchern einen eigenen Bereich in seinem Restaurant abzutrennen. Und nun, da ab Mai generelles Rauchverbot in Gaststätten herrscht, hat er wieder etwas für seine qualmenden Gäste anfertigen lassen: eine beheizte und überdachte Bank.

Die steht seit Dienstag nun draußen neben dem Eingang und garantiert den Rauchern, die laut Tsiakos „immer mehr benachteiligt werden“, auch in der kalten Jahreszeit ein gemütliches und vor allem warmes Plätzchen. 3500 Euro lässt er sich das kleine Stück Klientelpolitik kosten.

Während man in der Zille also bereits einen Schritt weiter ist, ärgert sich Bastian Minx, kaufmännischer Leiter der Fuchsjagd an der Gumbertstraße, allein schon über das rechtliche Hin und Her: 2007 investierte er eine fünfstellige Summe in einen Raucherraum mit Lüftungsanlage. Den wird er ab dem 1. Mai nicht mehr brauchen können. „Ich mache mir trotzdem keine Sorgen“, sagt Minx. Denn: Wenn überall Rauchverbot herrsche und es keinerlei Wettbewerbsverzerrung gebe, kämen die Gäste trotzdem.

Speiserestaurants überleben, kleine Kneipen trifft es hart

Um die Speiserestaurants macht sich auch Thorsten Hellwig, Sprecher des Dehoga NRW, wenig Sorgen. Erfahrungen in anderen Ländern und Bundesländern hätten gezeigt, dass Rauchverbote nicht zum Restaurantsterben führten. „Aber die Kleinen wird es knüppelhart treffen“, prognostiziert er. Und meint damit die typische rheinische Eckkneipe, die es in Düsseldorf 500 bis 600 Mal gibt.

Wie das Monopoly an der Kreuzstraße. Dort steht Wirtin Milena Knoppan stets höchstselbst hinter dem Tresen, 14 Stunden jeden Tag. Seit 20 Jahren. „Gestern Abend waren hier 22 Raucher und zwei Nichtraucher“, sagt sie. Selbst die lehnen das Gesetz zum Teil ab. „Das ist eine Bevormundung“, sagt Michael Postmeyer (65), der höchstens mal eine Zigarre raucht. Auch ein weiterer Nichtraucher (42) an seinem Tisch findet: „Zur Eckkneipe gehört einfach ein bisschen Qualm.“

Wirtin Knoppan wird in diesem Jahr 65, sie überlegt, in den Ruhestand zu gehen, wenn der Umsatz ab Mai zu stark sinkt. „Aber von irgendwas muss ich leben.“ Bisher konnte sie noch nicht genug ansparen. Sie zuckt mit den Schultern: „Immer auf die Kleinen – so war es immer.“

Kein Einzelfall, sagt Thorsten Hellwig. Nach einer Beispielrechnung des Dehoga bleiben Eckkneipen-Wirten oftmals 1500 bis 1600 Euro im Monat Gewinn – vor Abzug der Steuern, vor Abzug der Altersvorsorge. Er glaubt: „Kneipenschließungen wird es schon vor Mai geben – weil Wirte die Mietverträge gar nicht erst verlängern.“ Bis zu 200 Kneipen in Düsseldorf stehen nach Schätzungen des Verbandes vor dem Aus.

© WhatsBroadcast

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