Am Montag begann der neue Prozess vor dem Landgericht. Zeugen widersprechen sich erheblich.

Raucher Friedhelm Adolfs
Raucher Friedhelm Adolfs zieht am Montag vor dem Düsseldorfer Landgericht an seiner Zigarette. Im Streit um die Düsseldorfer Mietwohnung von Raucher Adolfs hat das Gericht für diesen Tag zwölf Zeugen geladen.

Raucher Friedhelm Adolfs zieht am Montag vor dem Düsseldorfer Landgericht an seiner Zigarette. Im Streit um die Düsseldorfer Mietwohnung von Raucher Adolfs hat das Gericht für diesen Tag zwölf Zeugen geladen.

Marius Becker

Raucher Friedhelm Adolfs zieht am Montag vor dem Düsseldorfer Landgericht an seiner Zigarette. Im Streit um die Düsseldorfer Mietwohnung von Raucher Adolfs hat das Gericht für diesen Tag zwölf Zeugen geladen.

Düsseldorf. Seit zweieinhalb Jahren kämpft der rauchende Rentner Friedhelm Adolfs um sein Zuhause. Der 77-Jährige soll nach mehr als 30 Jahren seine Wohnung in der Düsseldorfer Kühlwetterstraße verlieren. Am Montag begann vor dem Landgericht der entscheidende Prozess, in dem geklärt werden soll, ob sich andere Mieter durch den Zigarettenqualm tatsächlich belästigt fühlten. Dazu wurden am Montag erstmals Zeugen befragt.

Nach dem langen Rechtsstreit sind die Fronten verhärtet, eine friedliche Einigung scheint ausgeschlossen. Das wurde auch am Montag deutlich. Beide Parteien schickten ihre Zeugen ins Rennen – mit völlig unterschiedlichem Tenor. Übereinstimmend war lediglich die Feststellung, dass sich die Situation in dem Haus seit Beginn der Prozesse verbessert hat.

Ein Immobilienmakler, der sein Büro in der vierten Etage hat, sprach von „ekelhaftem Gestank“, über den sich auch mehrere Kunden beschwert hatten. „Das war Körperverletzung“, so der 63-Jährige. Allerdings sei die Situation schon von Anfang an so gewesen. Das könnte eine große Rolle bei der Frage spielen, warum eine fristlose Kündigung erst nach mehr als 30 Jahren ausgesprochen wurde.

Ganz anders der Hausmeister, der die Nachfolge von Friedhelm Adolfs angetreten hatte. Der 49-Jährige betonte, dass der Rentner keineswegs allein für den Zigaretten qualm in dem Gebäude verantwortlich sei. Auch andere hätten in dem Haus geraucht: „Zum Beispiel die Besucher der zwei Rechtsanwaltskanzleien. Die haben bei Regen im Hauseingang gestanden und geraucht.“ Außerdem habe es im Keller einen Partyraum gegeben.

Ex-Hausverwalter verwickelte sich in Widersprüche

Der ehemalige Hausverwalter, der Adolfs vor der Kündigung mündlich abgemahnt haben will, verwickelte sich schnell in Widersprüche. Zunächst gab er an, selbst in der Kühlwetterstraße gemeldet zu sein. Wenige Minuten später musste er einräumen, dass er seit Jahren zusammen mit der Hausbesitzerin unter einem Dach lebt – angeblich in getrennten Wohnungen. Gegen den 73-Jährigen hat Adolfs Rechtsanwalt Martin Lauppe-Assmann inzwischen Strafanzeige wegen Falschaussage gestellt.

Insgesamt elf Zeugen hörte das Gericht am Montag an. Eine weitere Nachbarin ist schwer erkrankt und konnte am Montag nicht zum Prozess erscheinen. Ob ihre Vernehmung noch notwendig ist, will das Gericht später entscheiden.

Der Fall hatte überregional für Aufsehen gesorgt, weil das Düsseldorfer Amtsgericht den Rentner die fristlose Kündigung der Zwei-Zimmer-Wohnung bestätigt hatte – ohne zu prüfen, ob es tatsächlich eine Belästigung der Nachbarn gegeben hatte. Adolfs hatte bis zum Bundesgerichtshof geklagt und dort gewonnen. Im März vergangenen Jahres wurde die geplante Räumung gestoppt. Darum muste sich das Landgericht erneut mit dem Streit befassen.

Für Martin Lauppe-Assmann ist klar, dass es der Vermieterin überhaupt nicht um das Rauchen geht: „Sie will die Wohnung neu vermieten.“ Als ehemaliger Hausmeister wohnt der 77-Jährige sehr günstig. „Mit seiner geringen Rente ist es für meinen Mandanten praktisch unmöglich, eine neue Wohnung zu finden“, sagt der Rechtsanwalt.

Adolfs, der inzwischen für viele Raucher zur Kultfigur geworden ist, erschien im schicken grauen Anzug zum Prozess und wirkte sehr entspannt. Seinen leichten Schlaganfall hat er inzwischen überwunden: „Ich habe nur noch ein bisschen Kribbeln in den Beinen.“ Seine Leidenschaft will er auf keinen Fall aufgeben: „Ich rauche seit ich 15 Jahre alt. Wozu soll das jetzt noch gut sein?“

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