Interview: Annette Steller über ihren Abschied von Politik und Rathaus und den Rückweg zur Schule.

Düsseldorf. 20 Jahre lang war Annette Steller Ratsfrau für die SPD, elf Jahre Geschäftsführerin der Ratsfraktion. Jetzt sagt die Lehrerin der Politik ade und kehrt zurück in "ihre" Dieter-Forte-Gesamtschule, um dort noch ein paar Jahre Deutsch und Geschichte/Gesellschaftslehre zu unterrichten.

Frau Steller, am 1. Oktober stehen Sie nach elf Jahren Abwesenheit wieder vor Schülern: Haben Sie schon Unterricht vorbereitet?

Steller: Na ja, zumindest habe ich meine Schulbücher und Materialien durchgesehen. Leider kann ich davon fast nichts mehr benutzen, allein wegen der Rechtschreibreform. Ich habe aber einen relativ sanften Einstieg in der Schule, gehe erst ’mal einen Tag mit einer Kollegin in den Unterricht meiner Klassen und kann dann die Schüler bei einer Wanderfahrt kennen lernen.

Es ist ungewöhnlich, nach so langer Zeit in der Politik in die Schule zurückzukehren. Warum machen Sie das?

Steller: Das fragen mich viele, oft mit diesem Unterton: Wie kannst du dir das in dem Alter noch antun? Mancher rät mir sogar zum dauerhaften Krankfeiern, weil sich die Schüler angeblich so verändert haben in den letzten zehn Jahren. Zunächst einmal brauche ich noch ein paar Jahre Schuldienst für meine Pension. Aber dann freue ich mich sehr auf die alte, neue Aufgabe - vor allem auf die Schüler. Und darauf, weitgehend selbstbestimmt mit ihnen arbeiten zu können.

War das im Rathaus, in der Fraktion nicht so möglich?

Steller: Natürlich nicht. Als hauptamtliche Fraktionsgeschäftsführerin untersteht man ja direkt dem Fraktionsvorsitzenden. Und von den Ratspolitikern wird man hauptsächlich als Dienstleister gesehen, gar nicht zu Unrecht. Meine eigene Sicht der Dinge musste da zurückstehen. Als ich mich gleich zu Beginn mal vorgewagt habe, hat die damalige Oberbürgermeisterin Marlies Smeets gesagt: Die muss erst ’mal dienen lernen. Man hat viel Arbeit in der Politik und bekommt wenig Anerkennung. Ich glaube, dass sich das in der Schule ändert, wenn ich da einen guten Unterricht hinkriege.

Verlassen Sie die Politik zufrieden?

Steller: Von erfolgreicher Arbeit zu sprechen, fällt mir schwer, wenn man sieht, dass die SPD-Fraktion in den elf Jahren immer kleiner geworden ist. Was nicht heißt, dass wir alles falsch gemacht haben. Ich finde diese miserablen Wahlergebnisse für uns schon ungerecht. Wir haben sehr gute und engagierte Fachpolitiker im Rat, da brauchen wir uns vor der CDU absolut nicht zu verstecken. Leider gibt es im Rat keine echte Streitkultur. Die CDU hat meistens einfach keine Lust, sich mal richtig auseinanderzusetzen.

Viel Wehmut schwingt in Ihrem Abschied nicht gerade mit.

Annette Steller, 61, verheiratet, zwei erwachsene Kinder, wurde in Bad Rothenfelde bei Osnabrück geboren. Sie studierte Germanistik und Geschichte in Bonn, Münster und Hamburg. Nach mehreren Schulstationen in NRW kam sie 1984 zur Gesamtschule am Kikweg und unterrichtete dort bis 1998.

In die SPD trat sie 1972 ein, 1989 wurde sie Mitglied des Stadtrates (Wahlkreis Wersten Ost). 1998 wählte die SPD-Ratsfraktion sie zur Geschäftsführerin.

Steller: Och doch, ich bin schon etwas wehmütig. Ich hatte einen guten Draht zu vielen im Rathaus, etwa zu den Geschäftsführern der anderen Parteien. Das Gute an der Kommunalpolitik ist: Ich habe die Stadt richtig gut kennen gelernt, ich merke das immer, wenn ich Besuchern Düsseldorf zeige. Das will ich demnächst auch mit Schülern tun. Und man hat mit vielen sehr unterschiedlichen Leuten zu tun, da habe ich viel gelernt.

Was werden sie am Kikweg vermissen?

Steller: Bestimmt das schöne, große Büro hier am Rheinufer. Ich kenne ja das Lehrerzimmer - da hat man eine kleine Ecke an einem langen Tisch für sich.

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