Rainer Bergner ist Stammgast im Parkhotel. Von dort aus fotografiert er die Libeskind-Bauten.

doku
Rainer Bergner fotografiert seit rund zwei Jahren die Bauarbeiten am Kö-Bogen.

Rainer Bergner fotografiert seit rund zwei Jahren die Bauarbeiten am Kö-Bogen.

3.März 2011: Das erste Bild, die Decke des ersten Tunnels ist gegossen.

29. September 2011: Der West-Nord-Kurve des ersten Tunnels ist fertig gegossen – er wird nächste Woche eröffnet.

30. April 2012 – dank einer tollen Wolkenformation mit das schönste Bild Rainer Bergners. Die Libeskind-Bauten beginnen, in die Höhe zu wachsen.

14. Juni 2012: Der Hochbau ist fortgeschritten, drei Ebenen sind teils im Rohbau fertig.

14. August 2012: In der Fassade sind die „Cuts“, also Einschnitte, für Sträucher und Bäume gut zu erkennen.

13. Dezember 2012: Das letzte Bild des Jahres, die Gebäude haben ihre volle Höhe erreicht.

Sergej Lepke, Bild 1 von 7

Rainer Bergner fotografiert seit rund zwei Jahren die Bauarbeiten am Kö-Bogen.

Düsseldorf. Aus 100 Fotos mach eins: Rainer Bergner gibt sich nicht mit Schnappschüssen zufrieden, wenn er fotografiert. Aus mindestens 100 Einzelaufnahmen setzen sich seine Fotos vom Kö-Bogen zusammen. Der Neubau im Herzen der Stadt interessiert ihn, seit die ersten Pläne auf dem Tisch lagen. Ungewöhnlich ist nun die Position, von dem aus er seit knapp zwei Jahren den Fortgang des 300-Millionen-Projekts ablichtet: Bergner baut Stativ und Kamera im Parkhotel auf dem Balkon des Zimmers 318 auf. „Von hier aus habe ich in mittlerer Höhe eine perfekte Position, um das Gebäude mit seiner langgestreckten Hofgartenkante, aber auch mit der Front zum Hotel aufzunehmen. Und was mir besonders wichtig ist: Bei meinen 160-Grad-Aufnahmen bekomme ich auch das Umfeld mit drauf, also Hofgarten und Kö.“

Michael Kain, der Direktor des Parkhotels, stimmte der Anfrage von Rainer Bergner gleich zu. „Wir fanden seine Arbeiten interessant und wollten ihm gerne helfen.“ Außerdem, so der Manager weiter, stelle er Bergners Fotos auf die Facebook-Seite des Hotels und maile sie ab und an zur Steigenberger-Zentrale nach Frankfurt. Dann wüsste man dort gleich, was vor der Tür in Düsseldorf los ist – und woher gewisse Beeinträchtigungen des Geschäfts rührten.

Bilder können auf 4,50 Meter Breite abgezogen werden

Der Investor der Libeskind-Bauten, Stefan Mühling, gab ebenfalls sein Okay – die so genannte Panoramafreiheit erlaubt nur Fotos vom Erdboden aus. Erhöhte Positionen wie diejenige Bergners muss der Eigentümer absegnen.

Mittlerweile existieren neun großformatige Arbeiten, mit 250 Millionen Pixeln sind die Fotos hochauflösend – Bergner hat schon einen Abzug herstellen lassen, der das Gardemaß von 4,50 mal einen Meter hat und der im Stadtmuseum ausgestellt wurde, wo er freier Mitarbeiter ist. Zusammengesetzt am Computer aus sich überlappenden Einzelbildern, hat Bergner teils in der jeweils bis zu 40-stündigen Fertigstellung auch Menschen hinzugefügt, wenn ihm auf der Straße zu wenig los war. „Da können Sie jeden Gesichtsausdruck genau erkennen.“

Der 71-Jährige war in seinem Berufsleben als Maschinenbau-Ingenieur bei Henkel beschäftigt und leitete Produktionsstätten wie die Flaschenblasanlage – in der etwa die Pril-Flaschen hergestellt wurden.

Rainer Bergner hat sein Berufsleben bei Henkel verbracht und fotografiert seit seiner Jugend. Ausbildung u.a. in der Schule für künstlerische Fotografie bei den Becher-Schülerinnen Katharina Mayer und Birgitta Thaysen.

Neben dem Kö-Bogen hat sich Bergner zuletzt bundesweit mit Gerichtsgebäuden befasst. Vor allem die Prachtbauten aus der Zeit um 1900 mit ihren raumgreifenden Foyers und Treppenhäusern hat er fotografiert.

Die Gerichtsfotos werden im Oberlandesgericht an der Cecilienallee ausgestellt. Vernissage ist am 30. Januar um 17 Uhr. Es spricht unter anderem Präsidentin Anne-José Paulsen.

Aus dem Hobby Fotografie, das ihn seit seiner Kindheit fesselt, ist längst eine Profession geworden – unter anderem mit Ausbildung bei den Becher-Schülerinnen Katharina Mayer und Birgitta Thaysen. Seine beeindruckenden Fotoserien zu Umbrüchen in Kirche und Industrie wurden unter anderem in den Stadtmuseen Düsseldorf und Goch sowie dem Dommuseum Frankfurt gezeigt. Die Kö-Bogen-Serie bietet sich natürlich auch für eine Ausstellung an.

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