Nach dem Tod eines 7-Jährigen in einer Notfallambulanz hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen eingeleitet. Die Mutter des Kindes erhebt schwere Vorwürfe.

Staatsanwältin hat Ermittlungen eingeleitet. Mutter des Kindes erhebt schwere Vorwürfe.
Symbolbild.

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Der Tod eines sieben Jahre alten Jungen am zweiten Weihnachtstag wird zum Fall für die Staatsanwaltschaft. Und nicht nur das. Auch der Ratsausschuss für Gesundheit wird sich am 10. Januar damit beschäftigen. „Ich werde das auf die Tagesordnung setzen“, kündigte der Vorsitzende Andreas-Paul Stieber gestern an. Die Mutter des Jungen hatte dem Evangelischen Krankenhaus und der Notfallambulanz schwere Vorwürfe gemacht. Das Kind war am 26. Dezember nach einer Notoperation in der Uni-Klinik gestorben.

An die Öffentlichkeit kam der Fall durch eine Facebook-Seite, auf der zahlreiche Fotos des Jungen, offenbar während der Behandlung entstanden, abgebildet sind. Als Wohnort wird dort „Alexandria“ angegeben. Es befinden sich etliche Videos auf der Seite, die offenbar aus der Salafistenszene stammen. Die Mutter des Jungen beschreibt in einem langen Eintrag, was sich in den Tagen vor dem Tod ihres Sohnes zugetragen haben soll.

Eine Blutuntersuchung ist angeblich abgelehnt worden

Staatsanwältin hat Ermittlungen eingeleitet. Mutter des Kindes erhebt schwere Vorwürfe.
Foto: LC

Andreas-Paul Stieber setzt den Fall auf die Tagesordnung des Gesundheitsausschusses. Archiv

Danach sei sie zweimal mit dem Jungen zur Ärztlichen Notfallpraxis an der Florastraße gefahren, weil es ihm schlecht ging. Sie habe darum gebeten, das Blut ihres Sohnes zu untersuchen, was aber von den Ärzten abgelehnt worden sein soll. Stattdessen habe man die Familie wieder nach Hause geschickt und ein Rezept für Paracetamol ausgestellt. Erst als sich der Zustand des Siebenjährigen am zweiten Weihnachtstag weiter verschlechterte, wurde festgestellt, dass er eine Lungenentzündung hatte. Auch da hatte die Mutter angeblich zuvor zwei Stunden warten müssen. Zunächst wurde versucht, das Leben des Jungen durch eine Notoperation zu retten. Später wurde er in die Uni-Klinik verlegt, wo er schließlich an einer Blutvergiftung starb.

Ob es einen Behandlungsfehler gegeben hat, untersucht nun Staatsanwältin Britta Zur: „Ich habe ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet.“ Das zuständige Kriminalkommissariat sei allerdings noch mitten in den Vernehmungen. Die Staatsanwältin rechnet damit, dass morgen erste Ergebnisse vorliegen.

Das Evangelische Krankenhaus nahm gestern erstmals offiziell zu den Vorwürfen Stellung. „Der Junge kam am Morgen des 26. Dezember als akuter Notfall in unser Krankenhaus. Bei uns wurde er von unserem interdisziplinären Team mit allen notwendigen ärztlichen Kompetenzen entsprechend medizinisch behandelt, dann in die Uniklinik verlegt, wo er am frühen Abend verstorben ist“, erklärte Sprecherin Mareike Dietzfelbinger. Informationen über den Krankheitsverlauf bei dem Jungen habe man von der Ärztlichen Notfallpraxis nicht bekommen. Die sei außerdem eine eigenständige Organisation und habe die Räume vom Krankenhaus nur gemietet. Die Notfallpraxis war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Andreas-Paul Stieber will den Vorfall auch im Ausschuss diskutieren: „Wir werden den Tod eines Siebenjährigen sicher nicht zum politischen Spielball machen.“ Ohne jede Vorverurteilung soll der Fall untersucht werden: „Es kann auch sein, dass wir am Ende keine Fehler im System erkennen.“

Allerdings war die Ärztliche Notfallpraxis vor zwei Jahren schon einmal in der Diskussion. Es gab Beschwerden wegen der langen Wartezeiten. Außerdem soll es Patienten geben, die überhaupt keine Notfälle sind.

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