Beratung, Geschäft, Angebot – Dagmar K. prüft Apotheken für die Auszeichnung. Sechs Düsseldorfer haben sie schon erhalten.

Dagmar K. testet in Düsseldorf – natürlich inkognito – Apotheken für das Siegel-Verfahren.
Dagmar K. testet in Düsseldorf – natürlich inkognito – Apotheken für das Siegel-Verfahren.

Dagmar K. testet in Düsseldorf – natürlich inkognito – Apotheken für das Siegel-Verfahren.

Nach dem Testbesuch hält Dagmar K. die Ergebnisse auf einem Prüfbogen fest. Wie ist die Beratung, das Design der Apotheke, das Angebot . . .?

Judith Michaelis, Bild 1 von 2

Dagmar K. testet in Düsseldorf – natürlich inkognito – Apotheken für das Siegel-Verfahren.

Düsseldorf. „Ich bräuchte was für so ein Bläschen an der Lippe.“ Ohne weiter zu fragen packt die Apothekerin eine kleine Schachtel mit einem Mittel gegen Lippenherpes auf den Verkaufstresen. „Das tragen Sie auf – maximal fünf Mal am Tag.“

Für die Angestellte scheint das Gespräch damit beendet zu sein. Doch Dagmar K. hakt nach. Das Mittel sei nicht für sie, sondern für den 18-jährigen Sohn. Der habe das öfter. Erst als sie immer wieder nachfragt, will auch die Apothekerin plötzlich mehr wissen. Wie oft hat der Sohn das denn? War er gerade erkältet? Sie schlägt preisgünstige Alternativen vor und Vitamin-Zink-Präparate fürs Immunsystem.

„Das spiegelt Deutschlands Apothekenlandschaft wider“, sagt Dagmar K. kurze Zeit später vor der Tür des Geschäfts. „Es sind nur etwa zehn Prozent der Fachkräfte, die gleich sprudeln.“ Sie selbst ist Apothekerin und testet gerade in der gesamten Republik die Arbeit ihrer Kollegen für das Apothekensiegel, das die Firma Tesalys deutschlandweit vergibt, um Verbrauchern einen Anhaltspunkt zu geben, wo sie pharmazeutisch gut beraten sind. Wie die WZ berichtete, wurden alle Apotheken bereits vorgetestet, sie schnitten dabei überdurchschnittlich gut ab. Nun laufen die Hauptprüfungen.

Die Apothekerin fragt nicht, für wen das Medikament gedacht ist

Heute ist Dagmar K. deshalb in der Stadt unterwegs – natürlich inkognito. Im Gepäck hat sie einen Prüfbogen, um die Apotheke nachher zu bewerten. Und ein Szenario. Heute ist es der Lippenherpes – eines von sechs Szenarien, mit denen die Pharmazien konfrontiert werden, bevor sie im Bestfall das Siegel tragen dürfen.

In dieser ersten Apotheke allerdings gibt es einen dicken Minuspunkt für die Beratung gleich zu Anfang: Die Apothekerin hätte sofort fragen müssen, für wen das Produkt ist. Und ob es sich sicher um Herpes handelt. Zumal offensichtlich ist, dass Dagmar K. Lippen vollkommen unversehrt sind.

„Ich hätte mir auch gewünscht, dass sie mir das empfohlene Vitaminpräparat zeigt“, erklärt die Testerin. Dennoch lautet ihr Urteil: „Ich habe mich pharmazeutisch souverän beraten gefühlt.“ Letztlich bekommt die schicke City-Apotheke mit dem riesigen Kosmetikangebot und vier Kassen von Dagmar K. ein Kreuzchen im Kasten „Siegelkandidat – ja“.

Den Prüfbogen füllt sie gleich im Anschluss in einem Café um die Ecke aus. „Man muss sich sehr konzentrieren“, erklärt Karl. Vom Namensschild der Angestellten mit Berufsbezeichnung über die Barrierefreiheit, bis hin zu Diskretzone oder separaten Beratungsräumen muss sie alle Erinnerungen sofort detailliert zu Papier bringen.

Diskretion ist eines der wichtigen Kriterien beim Apothekentest. Ein Szenario ist nämlich – neben dem Kauf eines Geschenks für eine 75-Jährige mit zahlreichen Krankheiten, die diverse andere Medikamente einnimmt, oder dem Anrühren einer speziellen Hautcreme – der Wunsch nach einem Mittel für einen Vaginalpilz. Dabei hat sich Dagmar K. schon oft in dicht gedrängten Schlangen unbehaglich gefühlt. Nicht das Schlimmste, was sie erleben musste. „Eine Angestellte hat mir mal Calcium als Vitamin verkaufen wollen!“

Die ersten sechs Apotheken erhalten das Siegel Anfang des Jahres

So etwas passiert ihr auch in der zweiten Düsseldorfer Apotheke – einem vergleichsweise kleinen, älteren Laden im Oberbilker Wohngebiet nicht. „Das ist eher Basis“, raunt Dagmar K. – keine teuren Cremes, keine Homöopathie-Regale. Dafür fragt die Apothekerin sofort interessiert nach dem generellen Befinden des Sohns, den Dagmar K. übrigens wirklich hat. Neben einer Herpes-Creme empfiehlt sie viel Entspannung, gesunde Ernährung – hilfreiche Tipps, die nichts kosten. Dagmar K. ist zufrieden. „Sie war aufgeschlossener als die erste Apothekerin“, sagt sie. „Ich kreuze ,Siegelkandidat’ an.“

Ein erfolgreicher Tag in Düsseldorf für die Testerin. Und sicher nicht der letzte. Indes haben sechs Apotheken das Verfahren bereits abgeschlossen: Die Pelikan-Apotheke an der Martinstraße, die Kloser-Apotheke an der Oststraße, die Storchen-Apotheke an der Gladbacher Straße, die Prinzenpark-Apotheke an der Hansaallee, die Rhein-Apotheke an der Wickrather Straße und die Malteser-Apotheke an der Bockumer Straße schnitten jeweils mit 90 bis 94 Punkten ab – und somit nahe am möglichen Bestergebnis von 100 Punkten.

Laut Heike Gäbler von Tesalys wieder ein überdurchschnittliches Ergebnis für Düsseldorf. Die Siegel sollen Anfang des Jahres verliehen werden.

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