Jeden Sonntag demonstriert die Initiative Pulse of Europe in Düsseldorf für ein gemeinsames Europa.

Mehrere hundert Menschen demonstrieren am Sonntag auf dem Burgplatz für Europa.
Mehrere hundert Menschen demonstrieren am Sonntag auf dem Burgplatz für Europa.

Mehrere hundert Menschen demonstrieren am Sonntag auf dem Burgplatz für Europa.

„Wir wollen ein Zeichen für das Friedensprojekt setzten“: Michael Wiecek und Natalia Bakowska.

„Wir sind für unseren Sohn Ben hier“, erklären Verena und Hubert Austermann.

Melanie Zanin, Bild 1 von 3

Mehrere hundert Menschen demonstrieren am Sonntag auf dem Burgplatz für Europa.

Düsseldorf. Als die Sonne ein wenig rauskommt, wird das von den Teilnehmern mit Applaus honoriert. Denn es ist stürmisch auf dem Düsseldorfer Burgplatz. Die zahlreichen Europa-Flaggen und die blauen Ballons flattern im Wind. Immer wieder löst sich ein Ballon und steigt in den Himmel auf.

Die Stimmung unter den Demonstranten ist gut und friedlich. Fast 700 sind laut den Veranstaltern zur Pulse of Europe-Demonstration gekommen. Rund 500 schätzt die Polizei. Familien mit Kindern, Menschen aller Altersgruppen und zahlreiche Demoneulinge gehen für Europa auf die Straße. Zum dritten Mal in Düsseldorf, doch nicht nur hier: In mehr als 60 Städten Europas treffen sich seit Wochen Sonntagmittag die Pro-Europäer.

Heute möchten sie von Düsseldorf aus die steigende Anzahl der teilnehmenden Städte grüßen. Vom irischen Galway bis zum portugiesischen Lissabon: Das ehrenamtliche Organisationsteam hat die Namen der Städte auf Schildern geschrieben, die dann von den Teilnehmern in die Höhe gehalten werden.

Inmitten der Menge steht Markus Groß-Bölting. Er hat eine Europafahne an einem Schirm befestigt. „Ich möchte Europa nicht denen überlassen, die aus der Geschichte nichts gelernt haben.“ Er ist mit seiner Frau und einem Flüchtling, den das Ehepaar unterstützt, gekommen. „Das ist meine erste Demo“, erzählt er.

Viele sind zum ersten Mal auf einer Demonstration

Damit ist er nicht der einzige. Anmelder Bernd Fröhlich selbst ist nicht der klassische Demogänger. „Ich war in Frankfurt zum ersten Mal auf einer Demonstration.“ Hier wurde im November 2016 Pulse of Europe gegründet. „Ich dachte mir, die sprechen mir aus dem Seele. Das brauchen wir in Düsseldorf auch“, erzählt der Unternehmer. Er trägt EU-Kappe und findet, dass Demonstrationen oftmals negativ bewertet seien. „Viele denken an Wasserwerfer.“ Anfangs habe er deshalb nur von einer Veranstaltung statt einer Demonstration gesprochen. Pulse of Europe hingegen solle den „Normalo“ ansprechen.

Ein Wagen mit Lautsprecher ist für die Teilnehmer reserviert. Jeder darf sprechen, nur Parteipolitik hört man hier nicht so gerne. Pulse of Europe sieht sich als europäische Bürgerinitiative. Viele Redner stellen die positiven Errungenschaften der Europäischen Union heraus und berichten von ihrer persönlichen Verbundenheit. „Thanks to EU: War-free since 1957“, heißt es auf einem Schild.

Glücklich ist man über den Ausgang der Wahl in den Niederlanden vergangene Woche. Auf holländisch danken die Teilnehmer.

„Ist alles gut in der EU? Bestimmt nicht, aber das können wir ändern“, ruft Mitorganisatorin Vanessa Kriele vom Wagen. Der Friede, das Zusammenleben der Nationen, viele Teilnehmer sind sich einig: Sie sind froh, dass hier für etwas gekämpft wird statt nur gegen etwas. „Das freie Reisen und der gemeinsame Handel finden wir gut an der EU“, erklärt Verena Austermann. Sie ist mit ihrem Mann und Sohn Ben gekommen. Politisch aktiv seien normalerweise nicht, doch für Bens Zukunft gingen sie heute auf die Straße.

Pulse of Europe bringt unterschiedliche Menschen zusammen. Am Ende halten sie sich an den Händen. Aus den Boxen ertönt die Europahymne „Ode an die Freude.“ Mindestens bis zur Wahl in Frankreich wollen die Veranstalter jeden Sonntag ein Zeichen für Europa setzten.

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