Prozess um die Razzia in Rath. Schrotthändler hatten 25,5 Tonnen Metall gestohlen.

Gericht
Auch dieser Container wurde im Februar bei der Razzia im Rather Schausteller-Lager sichergestellt.

Auch dieser Container wurde im Februar bei der Razzia im Rather Schausteller-Lager sichergestellt.

Polizei

Auch dieser Container wurde im Februar bei der Razzia im Rather Schausteller-Lager sichergestellt.

Düsseldorf. Es dürfte wohl die schwerste Beute aller Zeiten gewesen sein, die von der Polizei bei der Razzia auf dem Rather Schaustellergelände sichergestellt worden ist.

Wie die Staatsanwaltschaft am Donnerstag beim Prozess um den gigantischen „Schrott-Diebstahl“ bekanntgab, wurden im Februar zwei Lkw-Ladungen mit rund 25,5 Tonnen Altmetall beschlagnahmt, offenbar die Beute aus nur einer Nacht.

Für insgesamt 23 Fälle müssen sich die beiden Schausteller Paul M. (47) und Günther S. (48), der ehemalige Mannesmann-Vorarbeiter Michael K. und ein 39-jähriger Schrotthändler aus Neuss verantworten. Wie es in der Anklageschrift heißt, spielten sich die Diebstähle immer nach dem gleichen Muster ab.

Mehrfach in der Woche ging nachts das Rolltor hoch

Michael K. hatte regelmäßig Spät– und Nachtdienst bei Vallourec & Mannesmann. Wenn die Waggons mit Altmetall auf den Gleisen standen und unbewacht waren, soll er seine Komplizen angerufen haben. Kurz danach öffnete er das Rolltor, Paul M. und Günther S. fuhren mit einem Laster vor, auf dem sich ein Kran befand.

Mehrfach in der Woche sollen auf die Weise zehn Tonnen Metall und mehr verschwunden sein. Die Beute wurde angeblich gleich am nächsten Tag abtransportiert. Vallourec & Mannesmann hatte den Diebstahl nie bemerkt, weil der Schrott vor dem Wiegen der Waggons gestohlen wurde.

Vallourec & Mannesmann darf in dem Prozess als Nebenkläger auftreten. Das entschied das Landgericht am Donnerstag.

Mit Spannung erwartet wird die Aussage des Mannes, der die Ermittlungen ins Rollen brachte und angeblich als Kronzeuge behandelt werden soll. Er wird von der Polizei abgeschirmt.

Zur Sache sagte der 39-Jährige am Donnerstag aus, der seit 2012 einen eigenen Schrottplatz betreibt. Zu dem Zeitpunkt sei er auch mit den Schaustellern ins Geschäft gekommen.

Denn die waren mit einer Monster-Truck-Show unterwegs, bei der jede Menge Autos zu Schrott gefahren wurden: „Später kamen sie dann auch mit anderem Altmetall.“ Man habe nicht unterscheiden können, woher das stammte. Immerhin machte der 39-Jährige nach seinen Angaben einen Jahresumsatz von 3,65 Millionen Euro.

Paul M. schilderte am Donnerstag die Familien-Geschichte. So lasse sich die Schausteller-Tradition bis zur berühmten Althoff-Dynastie zurückverfolgen: „Mein Vater war Hochseilartist und machte sich später mit einer Hell-Driver-Show selbstständig.“

Vor zehn Jahren sei man dann auf die Idee mit den Monster-Trucks gekommen. Nach einem schwierigen Anfang sei man jetzt auf einem guten Weg gewesen: „Wir hatten sogar Anfragen aus dem Ausland.“ Und dann kam die Razzia. . .

© WhatsBroadcast

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