Namen wie Neujahr und Sylvester sind Fluch und Segen zugleich – und ein guter Grund zum Feiern.

Silvester
Janot und Mutter Ulli Sylvester wollen Silvester mit der Familie in Flingern feiern – vor allem mit einem großen Feuerwerk.

Janot und Mutter Ulli Sylvester wollen Silvester mit der Familie in Flingern feiern – vor allem mit einem großen Feuerwerk.

Elke Neujahr hat gleich doppelten Grund anzustoßen. Die nun 71-Jährige hat heute Geburtstag.

Brigitte Sylvester hat noch keine Pläne für heute. Zu stressig war die Weihnachtszeit für die Chorsängerin der Lutherkirche.

Bernd Schaller, Bild 1 von 3

Janot und Mutter Ulli Sylvester wollen Silvester mit der Familie in Flingern feiern – vor allem mit einem großen Feuerwerk.

Düsseldorf. Mit Silvester kann Frau Sylvester wenig anfangen. Und ihren Vornamen möchte sie lieber auch nicht in der Zeitung lesen. Viel zu gezwungen findet sie dieses Fest – und stressig: „Diese Knallerei! Und ein Taxi bekommt man auch nicht. Da bleibe ich lieber mit meinem Mann zu Hause.“

Von wegen „Nomen est omen“. Auch ein echter Silvestermuffel verbirgt sich also hinter den neun Einträgen im Düsseldorfer Telefonbuch unter „Sylvester“. Und das sicher nicht, weil wir uns hier ein „y“ für ein „i“ vormachen wollen, da in Düsseldorf leider keine Silvesters ausfindig zu machen waren. Denn die meisten Sylvesters wollen trotz dieser kleinen Abweichung ihrem Namen alle Ehre machen und es am Jahresende krachen lassen.

Zum Teil wollten Lehrer den Namen nicht mehr aufrufen

Das gilt übrigens auch für die drei eingetragenen Neujahrs. Für eine von ihnen gibt es sogar doppelten Grund zu feiern. „Ich habe am 31.12. Geburtstag“, sagt Elke Neujahr. Doch mit ihren nun 71 Jahren wolle sie es ruhiger angehen lassen. „Früher habe ich aber gerne gefeiert.“ Oft habe sie da aufgrund ihres Namens im Mittelpunkt gestanden.

Das kennt auch Ulli Sylvester, die ein Catering-Unternehmen führt. „In der Schule riefen die Lehrer meinen Namen gar nicht mehr auf, weil meine Mitschüler immer die Geräusche eines Feuerwerks nachgemacht haben.“ Ausgemacht hat ihr das aber nichts, im Gegenteil: „Ich bin sehr stolz auf meinen Namen.“ Deshalb hat sie ihn auch nach ihrer Heirat behalten. „Oft fragen mich sogar Leute, ob das ein Künstlername ist.“

Feiern wird die 52-Jährige mit ihrer Familie. „Mein 17-jähriger Sohn wird bei uns in Flingern für ein kräftiges Feuerwerk sorgen. Auch für mich war Silvester immer etwas Besonderes.“

Mit „i“ geschrieben ist der Begriff nicht nur ein Name, sondern bezeichnet in vielen europäischen Ländern auch den letzten Tag des Jahres, benannt nach Papst Silvester I., gestorben am 31. Dezember 335. Silvester ist nach dem römisch-katholischen Heiligenkalender der Tagesheilige.

 

Mit „y“ geschrieben wird der Begriff ausschließlich als Nach- und auch Vorname verwendet. Als letzterer ist er besonders in den USA beliebt. Bekannt sind zum Beispiel Sylvester Stallone oder die Zeichentrickfigur Kater Sylvester. In den USA heißt der 31.12. allerdings „New Year’s Eve“.

Der Name verpflichtet. So sieht es zumindest auch ihr Bruder Robert, der mit der gemeinsamen Schwester Barbara zu einer Party im Keller der Kirche St. Mariä Empfängnis gehen wird. „Wir gratulieren uns in der Familie sogar alle zum Namenstag“, sagt der 41-jährige Fahrlehrer.

Der Name sorgt immer wieder für Missverständnisse

Doch manchmal macht der Name die Dinge auch kompliziert. Missverständnisse sind die Regel. „Im Sommer habe ich mal Blumen für Sylvester bestellt. Da hieß es dann, dass das doch erst in einem halben Jahr wäre.“

Vorfälle wie diese kennt auch Brigitte Sylvester aus dem Effeff. Sogar an einen Running Gag kann sich die 69-jährige Sängerin in den Chören von Lutherkirche und Petruskirche erinnern: „Ich habe früher oft alleine den Weihnachtsbaum ausgesucht und mein Mann holte ihn dann später ab. Dem Verkäufer habe ich dann gesagt, dass er den Baum für Sylvester zurücklegen soll. Das Gesicht hätten Sie sehen sollen.“

Unter einem Dach mit „Neujahr“, „Sylvester“, „Sommer“, „Winter“

Doch nicht nur wegen Missverständnissen ist der Name auch schon mal mehr Fluch als Segen. Monika Sylvester fällt gleich eine ganze Latte von Gründen ein: Der Name würde permanent falsch geschrieben, manchmal sogar mit „w“. „Und man muss sich ständig schlechte Witze anhören“, sagt die 56-Jährige, die den 31.12. mit Ehemann Mark und Sohn Alexander in einer Kneipe verbringen wird.

Wesentlich origineller als solche abgedroschenen Sprüche ist da die Geschichte von den Bewohnern des Hauses, in dem die Sylvesters früher an der Ellerstraße wohnten. Die weiteren Namen auf den Klingelschildern lauteten: „Neujahr“, „Sommer“ und „Winter“.

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