In einem Flingerner Labor arbeiten Studenten und geistig Behinderte an IT-Lösungen.

Projekt
PIKSL-Laborleiter Benjamin Freese hilft Silke Dübbelder am Bildschirm. Dahinter Elisabeth Hermann.

PIKSL-Laborleiter Benjamin Freese hilft Silke Dübbelder am Bildschirm. Dahinter Elisabeth Hermann.

B. Nanninga

PIKSL-Laborleiter Benjamin Freese hilft Silke Dübbelder am Bildschirm. Dahinter Elisabeth Hermann.

Düsseldorf. Straßenbahnen, Geschäfte, Wohnungen, Ämter und Haltestellen – alles wird barrierefrei. Aber es lauern immer noch etliche Hindernisse im alltäglichen Leben. Zum Beispiel bei den Kommunikationsformen. Computer, Smartphone, Internet – die multimediale Welt legt einigen Menschen schier unüberwindliche Steine in den Weg. Senioren sind eine betroffene Gruppe, geistig Behinderte eine andere. Im PIKSL-Labor an der Erkrather Straße stehen Letztgenannte im Mittelpunkt.

PIKSL steht für „Personenzentrierte Interaktion und Kommunikation für mehr Selbstbestimmung im Leben“. Der Leiter des Projekts, Tobias Marczinzik, erklärt, was sich hinter dem sperrigen Namen verbirgt: „Wir wollen digitale Barrieren abbauen. Dabei geben wir aber nicht vor, wie das gemacht werden soll, sondern wir arbeiten mit geistig Behinderten zusammen. Sie sind unsere Entwickler.“

Das Hauptproblem sind unlogische Bedienstrukturen

Unter anderem entwickeln angehende Kommunikationsdesigner der Düsseldorfer Fachhochschule mit ihren geistig Behinderten Partnern eine Webseite, die die Online-Kommunikation – Meinungen posten, Chatten, Video-Telefonie – ermöglichen soll, auch wenn man nicht lesen und schreiben kann. FH-Lehrbeauftragter Dominik Mycielski weiß, welch großen Beitrag die geistig Behinderten in der Gruppenarbeit leisten: „Sie sind Meister im Umgehen von Barrieren. Oft führen ihre Ideen zur einfachsten und besten Lösung eines Problems.“ Oft sei die Bedienung von Computern oder Handys unlogisch strukturiert.

Elisabeth Hermann kann nicht Lesen und nicht Schreiben, aber mittlerweile weiß sie, wie man eine E-Mail mit einem Smiley verschickt. Silke Dübbelde hatte bis vor einigen Monaten noch nie Kontakt zu einem Computer. Jetzt sitzt sie im PIKSL-Labor vor dem Rechner und spielt wie selbstverständlich ein Online-Spiel. Projektteilnehmerin Jennifer Wiche sagt: „Die Studenten sind auch stolz darauf, mit uns zu arbeiten.“ Ihr Mann Christoph gibt mittlerweile sogar Computer-Unterricht für Senioren.

Die vier Laboranten und die Studenten arbeiten nicht nur an der Beseitigung von digitalen Barrieren für Behinderte – ihre Ideen könnten einmal Betriebssysteme intuitiv steuerbar machen. Also einfacher für alle. „Die Softwareindustrie hat dieses Thema viel zu lange vernachlässigt“, sagt Projektleiter Marczinzik.

Der Träger des Projektes ist die In der Gemeinde Leben gGmbH (IGL), die es seit Dezember 2001 gibt. Die Diakonie Düsseldorf und die v. Bodelschwingh’schen Stiftungen Bethel gründeten die IGL gemeinsam mit dem Ziel, Angebote für Menschen mit geistigen Behinderungen anzubieten. Mitfinanziert wird das PIKSL-Projekt von der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW.

Am 5. Mai, 10 bis 15 Uhr, an der Erkrather Straße 107.

www.piksl.net

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