„Unsere Türen stehen offen“, sagt Professor Matthias Franz vom Institut für Psychosomatische Medizin an der Heine-Uni. Er organisiert einen Männerkongress im Februar – zu dem auch Frauen kommen dürfen.
„Unsere Türen stehen offen“, sagt Professor Matthias Franz vom Institut für Psychosomatische Medizin an der Heine-Uni. Er organisiert einen Männerkongress im Februar – zu dem auch Frauen kommen dürfen.

„Unsere Türen stehen offen“, sagt Professor Matthias Franz vom Institut für Psychosomatische Medizin an der Heine-Uni. Er organisiert einen Männerkongress im Februar – zu dem auch Frauen kommen dürfen.

Stefan Arend

„Unsere Türen stehen offen“, sagt Professor Matthias Franz vom Institut für Psychosomatische Medizin an der Heine-Uni. Er organisiert einen Männerkongress im Februar – zu dem auch Frauen kommen dürfen.

Düsseldorf. "Neue Männer - muss das sein?" Unter dieser Überschrift steht der Männerkongress 2010 zu dem sich am 19./20. Februar, namhafte Wissenschaftler im Hörsaal 3D der Heine-Uni treffen. Verhaltensforscher, Soziologen, Psychosomatiker, Psychotherapeuten und Philosophen beschäftigen sich in Vorträgen und Arbeitsgruppen mit dem Wandel des Männerbilds in der Gesellschaft. Organisiert wird der Kongress von Prof. Dr. Matthias Franz vom Institut für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Heine-Universität.

Herr Professor Franz, Sie organisieren einen Männerkongress, warum machen Sie das?

Matthias Franz: Wir merken als Ärzte und Psychotherapeuten schon seit vielen Jahren, wie schwer es Männern fällt, Hilfe zu suchen. Das liegt allerdings nicht daran, dass sie gesünder sind, sondern daran, dass es mit der männlichen Rolle offensichtlich schwerer vereinbar ist als mit der weiblichen, sich rechtzeitig darum zu bemühen. Das betrifft die körperlichen Krankheiten, die richtig Lebenszeit kosten, aber durchaus auch einige psychische Störungen. Hinzu kommt eine dreifach erhöhte Suizidrate bei Männern. Neben den gesundheitlichen Aspekten geht es uns beim Kongress aber auch um die zunehmende Bildungsnot. Wir sehen durchaus schwierige Bildungs- und Ausbildungsverläufe bei Jungen und jungen Männern. Hier zeichnen sich auffällige Defizite ab. Der dritte Schwerpunkt ist die Frage nach der Identität: Wann ist der Mann ein Mann?

Wie hat man als Mann zu sein?

Franz: Das Spektrum und die Verunsicherung sind riesig. Sie haben einerseits das Ideal des liebevollen, neuen Vaters oder das des kameradschaftlichen und partnerschaftlichen Mannes in der Beziehung, mit hoher sozialer Kompetenz. Auf der anderen Seite haben sie immer noch den Kämpfer - etwa einem Soldaten in Afghanistan, der mit eisernem Herzen Feinde tötet oder auch stirbt. Und Sie haben die Entwertung des Männlichen in öffentlichen Räumen. Viele Jungen und auch viele junge Männer sind mit diesem Spektrum stark überfordert. Außerdem ist die männliche Identitätsfindung wegen der komplizierteren frühkindlichen Entwicklung oft schwieriger als beim Mädchen.

Prof. Dr. Matthias Franz (54, verheiratet, zwei Söhne) ist stellvertretender Leiter des Instituts für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Heine-Uni. Studium und Promotion an der Uni Heidelberg. 1993 Habilitation, 1995 Ernennung zum Professor an der Heine-Uni. Er entwickelte unter anderem Präventionsprogramme für psychisch belastete alleinerziehende Mütter und ihre Kinder.

Der Kongress läuft in der Heine-Uni am Wochenende 19./20.Februar, Universitätsstraße1, Hörsaal 3D. An beiden Tagen gibt es Vorträge und Arbeitsgruppen - auch Frauen sind willkommen.

Ich bin ein Mann - Sie machen mir Angst.

Franz: Im Prinzip ist Ihre Angst gut - sie ist ein ganz wichtiges Überlebensgefühl. Sie müssen Ihre Angst Ernst nehmen und sich rechtzeitig um Hilfe bemühen, wenn Sie körperliche oder seelische Beschwerden verspüren. Viele Männer machen genau das aber nicht - aus Furcht vor Abhängigkeiten beispielsweise. Sie können und sollten sich auch Gedanken über Ihre soziale Einbindung machen. Versuchen Sie auf Ihre Gefühle zu achten. Sie haben schließlich eine Frühwarnfunktion. Leider sind wir Männer da - das muss man leider sagen - etwas fehlsozialisiert.