Eine ungewöhnliche Begegnung für Lothar und Ute mit den Kollegen aus dem Ferdinand-Heim.

Zwei Düsseldorfer Prinzenpaare: Lothar und Ute nehmen Antonietta und Rudolf in die Mitte.
Zwei Düsseldorfer Prinzenpaare: Lothar und Ute nehmen Antonietta und Rudolf in die Mitte.

Zwei Düsseldorfer Prinzenpaare: Lothar und Ute nehmen Antonietta und Rudolf in die Mitte.

Stefan Arend

Zwei Düsseldorfer Prinzenpaare: Lothar und Ute nehmen Antonietta und Rudolf in die Mitte.

Düsseldorf. Antonietta Branca ist ganz schön aufgeregt. "Zuerst wollte ich nicht. Aber dann habe ich mich doch überreden lassen. Ich singe und tanze so gerne", erzählt die 59-jährige Italienerin und ist fast außer Atem. Sie wurde in diesem Jahr zur Heim-Prinzessin des Gerresheimer Ferdinand-Hauses gewählt und wartet auf den großen Moment. Die Begegnung mit dem echten Prinzenpaar, das jeden Moment erwartet wird.

Rudolf Hellmuth wurde mit 86 Jahren noch zum Prinzen

Ihr Prinz ist da wesentlich gelassener und thront bei der Karnevalssitzung in der ersten Reihe. Rudolf Hellmuth ist ja auch schon ein bisschen älter als seine Venetia. Mit 86 Jahren sicherlich die älteste Majestät in der Stadt. Da muss sich seine Prinzessin in den Verschnaufpausen zwischen den Programmpunkten schon mal einen anderen Tanzpartner suchen.

Bereits seit 20 Jahren organisiert die Bürgerhilfe Gerresheim die Sitzung. Und jedes Jahr schaut das Prinzenpaar vorbei. Nicht die Ausnahme, sondern die Regel. "Wir haben rund 100 Auftritte in Altenheimen während der Session", hat Prinzenführer Marc Frankenhauser ausgerechnet.

So viel Gefühl: Warum Lothar und Ute gern in Altenheime gehen

Für Lothar und Ute keine Routine. Im Gegenteil. Denn sie wissen, dass ihr Besuch hier für viele Senioren der Höhepunkt des Jahres ist. "Da kommt so viel Gefühl rüber. Das geht einem schon nahe", ist Venetia Ute beeindruckt, "das ist schöner als in manchem großen Saal." Für Lothar ist wichtig, dass die Session eben nicht nur aus Feiern und Schunkeln besteht: "Karneval hat auch eine soziale Aufgabe. Darum machen mir solche Auftritte sehr viel Spaß."

Lothar staunt, als er in den Saal einzieht: Denn da sitzt ein Präsident, der gerade 15 Jahre alt ist. Kevin Küster heißt er und leitet sonst die Jugendsitzungen der Närrischen Schmetterlinge. Ankündigen kann er manchen Künstler, der auch auf großen Bühnen zu sehen ist. Flönz und Röggelchen zum Beispiel oder Thomas Mühlenbein von drei Köbessen. Selbstverständlich ist, dass alle Künstler ohne Gage auftreten.

Eigentlich sollen bei den Sitzungen des Venetienclubs die Damen unter sich bleiben. Doch in diesem Jahr hatten sich auch Herren unter die närrischen Weiber gemischt. Und das auch noch mit Unterstützung der Präsidentin Angela Erwin. Die hatte ihren Bruder Markus mit Schminke und blonden Zöpfen in ein Schwesterchen verwandelt. Als Pippi Langstrumpf feierte Simon Dornscheidt, Sohn des Messechefs, in der ausverkauften Rheinterrasse mit. Für vier Stunden Stimmung brachten die Swinging Fanfares das richtige Motto mit: "Bei uns ist der Teufel los".

Für andere ist die Sitzung ein willkommenes Training. "Ich bin schon seit vielen Jahren dabei. Man kann nicht oft genug auf der Bühne stehen, um Routine zu bekommen", sagt Dirk Puma Westmeier, Büttenredner und Sänger. "Ich werde immer besser", hat er festgestellt. Auch Klaus Heylen nutzt die Chance, seine neuen Lieder zu präsentieren. "Der Hahn kräht kikeriki" können alle sofort mitsingen. Da strahlt auch der Künstler.

Abräumer des Nachmittags ist aber ganz klar der zehn Jahre alte Markus. Als der mit seiner Riesentrommel einmarschiert und das Lied von "D’r dicker Zing" singt, hat er den Saal praktisch im Sturm erobert. Da klatscht auch Luzy Neumann begeistert Beifall. Die ist 102 Jahre und die Älteste im Heim. Auch das ist Karneval.

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