Das designierte Prinzenpaar Carsten Gossmann und Yvonne Stegel erzählen, was sie sich für die Session vorgenommen haben.

Interview
Der Frankenheim Brauereiausschank an der Wielandstraße ist das Stammquartier des Prinzenpaares Carsten II. und Venetia Yvonne. Wirt Peter Michael Halcour stößt mit den beiden auf eine erfolgreiche Zeit an.

Der Frankenheim Brauereiausschank an der Wielandstraße ist das Stammquartier des Prinzenpaares Carsten II. und Venetia Yvonne. Wirt Peter Michael Halcour stößt mit den beiden auf eine erfolgreiche Zeit an.

Melanie Zanin

Der Frankenheim Brauereiausschank an der Wielandstraße ist das Stammquartier des Prinzenpaares Carsten II. und Venetia Yvonne. Wirt Peter Michael Halcour stößt mit den beiden auf eine erfolgreiche Zeit an.

Düsseldorf. Am Samstag geht es endlich los. Um 11.11 Uhr steigt der Hoppeditz aus seinem Senftöpfchen und eröffnet auf dem Marktplatz vor dem Rathaus die neue Session. Nächsten Freitag wird das Prinzenpaar gekürt. Dann wird aus Carsten Gossmann, der als Torwart die bisher letzte Deutsche Meisterschaft mit der DEG geholt hat, und Yvonne Stegel Prinz Carsten II. und Venetia Yvonne. Mit welchen Erwartungen gehen beide in ihre Session?

Wie sind Sie eigentlich zum Karneval gekommen?

Carsten Gossmann: Als Düsseldorfer ist man ja sowieso schon mit dem Karneval verbunden. Fast jedes Kind liebt den Karneval. Aber zum organisierten Karneval bin ich durch meinen Vater gekommen, als er in die ’KG Die Große’ eingetreten ist. Wir sind ein kleiner Verein mit nur 27 Mitgliedern. Das ist sehr schön. Man kennt jeden und begrüßt jeden mit Handschlag. Wegen meines Sports hab ich mich dann aber einige Jahre zurückgezogen. Seit 2009 bin ich wieder dabei.

Yvonne Stegel: Na klar, familiäre Vorbelastung, es wurde mir in die Wiege gelegt. Mein Opa war schon Zeremonienmeister und mein Vater Michael Laumen ist ja der Präsident vom Comitee Carneval. Als kleines Kind war ich schon bei den Büdericher Heinzelmännchen als Pagin.

Prinz und Venetia wird man ja nicht über Nacht. Wie wird man das und wie lässt sich der zeitliche und finanzielle Aufwand stemmen?

Gossmann: Ich habe mich schon vor zwei Jahren beworben, da stand Christian Erdmann aber schon fest. Die Bewerbung lief weiter und nun bin ich es in diesem Jahr geworden. Beruflich bin ich selbstständig mit einer Hausverwaltung und ab Januar bis zum Aschermittwoch übernimmt mein Vater dort das Kommando. Vor zwei Wochen erst bin ich zum dritten Mal Vater geworden und deshalb habe ich vorher schon meine Frau gefragt, sonst ginge das gar nicht. Finanziell: Man sucht sich halt Sponsoren, aber ich habe ich auch einen hohen Eigenanteil. Genaue Zahlen möchte ich aber nicht nennen.

Stegel: Ich bin Juristin beim Job-Center in Neuss und opfere meinen Jahresurlaub. Aber ich habe zum Glück sehr viele liebe Kollegen, die das mittragen werden. Sonst ginge das nicht. Mein Mann wird mich dann in der heißen Phase des Karnevals auch kaum noch zu Gesicht bekommen. Aber das wussten wir ja vorher.

Das Prinzenpaar bekommt für seine Auftritte Geld von den Vereinen, das aber immer gespendet wird. Wohin geht Ihr Geld?

Stegel: Wir haben drei Spendenzwecke. Pänz en de Bütt ist uns wichtig, denn wir wollen ja auch in Zukunft noch Karneval feiern. Dann haben wir uns die Bürgerstiftung ausgesucht, die viel für Düsseldorf macht, und die Polizei-Seelsorge. Dahin ging bisher noch keine Spende vom Prinzenpaar. Die Idee hatte Wolfgang Kral, Ex-Prinz und auch Polizist.

Gossmann: Ich war überwältigt, dass über 500 Jugendliche beim Ausflug des Comitee Carnevals dabei waren. Von daher braucht der Nachwuchs viel Unterstützung.

Was haben Sie sich vorgenommen für die Session? Wollen Sie das schönste, lustige oder beste Prinzenpaar sein?

Gossmann: Nein, so hohe Ziele haben wir nicht. Wir wollen den Menschen vermitteln, dass wir Spaß am Karneval haben. Vielleicht können wir auch die überzeugen, die bisher noch nicht im Karneval aktiv sind. Es gibt wenig, was so offen ist wie der Karneval. Hauptsache, am Ende steht da nicht: Sie waren stets bemüht.

 

Stegel: Eigentlich ist es ganz einfach. Der Karneval verbindet die Menschen, und dazu wollen wir beitragen.

Köln - Düsseldorf! Eine gelebte Feindschaft oder Freundschaft?

Gossmann: Wir feiern alle gerne, auch zusammen. Und wir sollten stolz sein, dass die Kölner auch zu uns kommen.

Stegel: Auch das ist einfach zu beantworten. Uns verbindet alle die Liebe zum Karneval.

Steht die Venetia im Karneval zu sehr hinten an? Ist das okay, oder möchten Sie Ihre Rolle neu definieren?

Stegel: Das ist gut so, wie es ist. Da hat sich aber auch schon viel getan. Inzwischen heißt es ja auch Prinzenpaarkürung und nicht mehr nur Prinzenkürung.

Gossmann: Es kommt auch darauf an, wie das Prinzenpaar die Session gestaltet. Tradition muss sein, das gehört dazu. Ich versuche aber so viel wie möglich, Yvonne bei allem mit einzubeziehen, denn ich sehe mich nicht als Alleinunterhalter. Wir sind schließlich ein Prinzenpaar. Wir haben auch das Glück, dass unsere Ehepartner sich gut verstehen. Zumal ich in den nächsten Wochen mehr Zeit mit Yvonne als mit meiner Frau verbringen werde.

„Es ist ganz einfach: Karneval verbindet die Menschen, und dazu wollen wir beitragen.“

Yvonne Stegel, bald Venetia

Was kann man von Ihnen auf der Bühne erwarten? Wollen Sie singen oder tanzen?

Gossmann: Das will ich niemandem antun. Ich möchte nicht, dass sich Yvonne neue Schuhe kaufen muss, nur weil ich ständig drauf getreten bin. Viele haben zwar gesungen, obwohl sie es besser nicht gemacht hätten. Wir machen es klassisch. Wir reden auf der Bühne und versuchen, die Leute zu unterhalten.

Stegel: Wir wollen das Rad auch nicht neu erfinden. Werden in dieser Hinsicht eher konservativ sein.

Die Session ist sehr kurz. Eher ein Vorteil oder ein Nachteil?

Gossmann: So bleibt man immer im Fluss. Bei einer langen Session hast du viele Tage mit nur einem Termin oder zwei Terminen. Dafür muss man sich aber immer fertigmachen, obwohl man vielleicht lieber bei der Familie geblieben wäre.

Stegel: Man bleibt viel besser konzentriert, wenn man viele Termine am Stück hat.

Die ersten Auftritte haben Sie hinter sich: Fühlen Sie sich auf der Bühne schon wie zu Hause oder fremdeln Sie noch ein wenig? Wie bereiten Sie sich vor?

Gossmann: Am Morgen vor der Inobhutnahme bei Rot-Weiss saß ich in der Küche und mir ging ziemlich die Muffe. Aber das geht bestimmt jedem so. Jetzt ist es noch einen bisschen holprig, aber das geht vorbei. Bei der Kürung wird es sicherlich extrem werden. Zumal wir auch nicht wissen, was dort passiert. Das Programm ist ja geheim, aber es wird sicherlich sehr emotional.

Stegel: Wir sind keine Profis und die ersten Auftritte waren schon ungewohnt. Ich bin schon noch sehr aufgeregt. Das nennt man wohl Lampenfieber, aber das gehört auch dazu. Wir besuchen seit August Rhetorik- und Coachingkurse. Dort lernt man auch, wie man seine Hände halten soll. Immer offen und nicht vor der Brust verschränken. Aber die Leute sollen auch nicht vergessen, dass wir keine Profis sind und wir das alles nur aus Liebe zum Karneval machen.

Im Karneval gibt es auch schon mal Streit. Versucht man, das Prinzenpaar auf seine Seite zu ziehen?

Gossmann: Die Erfahrung haben wir noch nicht gemacht.

Stegel: Verschiedene Meinungen gibt es immer wieder. Aber man hat bisher noch nicht versucht, uns auf irgendeine Seite zu ziehen.

Ist der Karneval zu traditionell, muss er moderner werden?

Gossmann: Ich glaube, da hat sich schon viel getan. Früher gab es mehr Büttenreden, heute überwiegend Musik. Karneval ändert sich ständig, sonst gewinnt man keine jungen Leute. Karneval muss auch bezahlbar sein. Junge Leute denken zu oft nur an den Lackschuhkarneval. Da gibt es aber noch ganz viele andere Sachen. Eine gute Idee ist der Hoppeditz-Ball, den es ja auch noch nicht so lange gibt und der viele junge Leute anspricht und die Eintrittspreise günstig sind. Aber ich muss mich schon noch daran gewöhnen, dass ich voraus gehe und der Venetia nicht den Vortritt lasse. Das ist halt die Tradition, aber davon lebt der Karneval auch.

Stegel: Gerade wenn der Hoppeditz wie jetzt an einem Samstag erwacht, muss man versuchen, mehr Menschen in die Stadt zu locken. Es ist aber nicht verkehrt, Traditionen zu bewahren. Dazu gehört auch, mit den Älteren gemeinsam zu feiern und den richtigen Mix zu finden.

Ist der Karneval zu kommerziell geworden?

Gossmann: Die Kosten sind so enorm hoch geworden, das muss finanziert werden. Werbung gehört sicherlich nicht zum traditionellen Karneval, aber wer soll es denn sonst bezahlen? Leider ist das in den Stadtteilen ein großes Problem. Dort gibt es nicht so viele Sponsoren und es fällt immer schwerer, den Veedels-Zoch zu organisieren.

Stegel: Sonst müssten die Kosten auf die Vereine umgelegt werden. Das könnten die gar nicht bezahlen. Die Beiträge wären dann viel zu hoch. Auch die Sitzungsprogramme sind heutzutage nicht mehr nur über den Kartenverkauf zu stemmen.

Wird im Karneval genug in der Jugendförderung getan?

Gossmann: Man sieht ja bei Pänz en de Bütt und beim Jugendausflug, wie viele da mitmachen. Ich war erstaunt und erfreut, dass so viele aktiv sein wollen. Das zeigt, dass der Karneval doch einen hohen Stellenwert hat. Auch dass der Kinder- und Jugendumzug am Karnevalssamstag inzwischen solche Dimensionen angenommen hat, zeigt, dass die Kinder Karneval wollen. Ich war schon sehr oft mit meinen Kindern da. Das ist total entspannt und es auch wird kaum Alkohol getrunken.

Stegel: Meistens kommt man ja über Freunde und Familie zum organisierten Karneval. Wenn man neu in einer Stadt ist, bekommt man seine sozialen Kontakte meist über den Sport- oder Karnevalsverein.

Was machen Sie am 13. Februar nach dem närrischen Zapfenstreich?

Gossmann: Bitterlich heulen. Aschermittwoch ist zum Glück noch nicht alles ganz vorbei. Es geht ja noch nach Teneriffa und so fällt man nicht komplett von 100 auf Null. Das wird ein sanfter Ausstieg.

Stegel: Da möchte ich heute noch gar nicht dran denken. Obwohl, das geht schneller als man denkt. Aber danach hat man erst die Zeit, alles was man erlebt hat zu verarbeiten. Dann kann man auch mal die Bilder schauen.

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