Im WZ-Interview zieht Herbert Schenkelberg Bilanz.

Interview
Herbert Schenkelberg will sich immer gerne an die Liebenswürdigkeit der Düsseldorfer erinnern.

Herbert Schenkelberg will sich immer gerne an die Liebenswürdigkeit der Düsseldorfer erinnern.

David Young

Herbert Schenkelberg will sich immer gerne an die Liebenswürdigkeit der Düsseldorfer erinnern.

Herr Schenkelberg, Sie verlassen das Polizeipräsidium Düsseldorf nach fast acht Jahren. Wie fühlen Sie sich?

Herbert Schenkelberg: Ich habe mich emotional geordnet. Zuerst war ich sehr aufgewühlt, als es darum ging, ob ich wechseln soll. Das hat mich manche schlaflose Nacht gekostet. Aber ich habe es jetzt akzeptiert und freue mich auch.

Sie hatten eine spannende Amtszeit. Gleich an Ihrem Beginn stand die große Polizeireform von 2007.

Schenkelberg: Das war in der Tat eine spannende Zeit. Wir haben die Zahl der Inspektionen von fünf auf drei reduziert mit dem Ziel, mehr Beamte auf die Straße zu bringen. Das haben wir auch geschafft. Dann haben wir die Autobahnpolizei für den gesamten Regierungsbezirk in die Behörde integriert, dazu die Direktion Verkehr ins Leben gerufen. Auch die Reiterstaffel, die zuvor abgeschafft worden war, haben wir wieder aufgebaut.

Sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis der Veränderungen?

 Herbert Schenkelberg hat Rechtswissenschaften in Bonn studiert, war Richter am Verwaltungsgericht in Köln. Er hat auch bereits beim Justizministerium gearbeitet, in das er jetzt wieder wechselt – als Leiter der Abteilung Justizvollzug. Zudem war er Richter am Oberverwaltungsgericht, tätig im Innenministerium und – unmittelbar vor seiner Dienstzeit in Düsseldorf – Polizeipräsident in Essen.

Geboren wurde Schenkelberg 1952 im Westerwald. Er lebt allerdings schon lange mit seiner Familie in Köln. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder (21 und 25 Jahre alt).

Schenkelberg: Für unsere große Behörde ist das jetzt eine gute Struktur.

Welche guten Erinnerungen nehmen Sie aus Ihrer Zeit als Polizeipräsident mit?

Schenkelberg: Ich glaube, dass sich das Verhältnis zur Stadt sehr gut entwickelt hat. Das Bewusstsein für die Komplexität der Probleme ist gewachsen – dafür, dass nicht einer allein alles lösen kann.

Das war nicht immer so. Als Ende 2008 die Diskussion um die Sicherheit in der Altstadt entbrannte, hieß es oft, das sei eben Aufgabe der Polizei.

Schenkelberg: Es war ein Prozess. Aber ich denke, dass jetzt allen klar ist, dass man gemeinsame Lösungen braucht. Ein gutes Beispiel ist für mich immer die Jugendkriminalität, bei deren Bekämpfung wir vernetzt arbeiten – das klappt hervorragend und hat Erfolg.

Allerdings sind Sie mit Ihrem Vorschlag, nach Mitternacht den Alkoholkonsum in den Altstadtgassen zu verbieten, um Aggressivität abzubauen, nicht weitergekommen.

Schenkelberg: Inzwischen ist klar: Rechtlich wäre das möglich. Aber es gibt keine politische Mehrheit. Das habe ich akzeptiert. So funktioniert Demokratie.

Aber in der Altstadt gibt es immer noch viele Straftaten.

Schenkelberg: Diese Zahl wird sich auch nicht wirklich reduzieren lassen. Das ist utopisch. Die Altstadt wird immer ein Kriminalitätsschwerpunkt bleiben.

Glauben Sie denn, dass sich die Lage seit damals stabilisiert hat?

Schenkelberg: Die Lage ist stabil, jawohl. In dem Brandbrief eines Altstadtpolizisten, der die Debatte damals ausgelöst hat, stand ja, dass es keinen Respekt mehr vor den Polizisten gebe. Ich denke, diesen Respekt haben wir zurückgewonnen.

Gab es in Ihrer Amtszeit auch dunkle Stunden, an die Sie weniger gern denken?

Schenkelberg: Ja, die Randale in der Altstadt nach dem Aufstieg von Fortuna in die zweite Liga 2009. Damals waren alle der Meinung, die Polizei hat versagt. Das ist nicht schön. Mich hat schockiert, was da abgegangen ist. Ich hätte mir gewünscht, dass man sich mehr mit denen beschäftigt, die die Ausschreitungen verursacht haben.

Aber Sie haben damals ja auch Fehler beim Einsatz eingeräumt ...

Schenkelberg: Ich will auch nicht sagen, dass wir nicht hätten besser sein können. Wir haben ja Konsequenzen gezogen – auch personelle.

Inzwischen laufen die Fußballeinsätze deutlich besser, oder?

Schenkelberg: Wir hatten jetzt schwierige Spiele – zuletzt gegen Köln. Das haben wir gut über die Bühne gebracht. Die Vorbereitung auf die Spiele ist sehr professionell, der Kontakt zu Fortuna und zur Rheinbahn gut.

Ein anderes Thema: Nachbarstädte Düsseldorfs haben ein großes Problem mit Rockerkriminalität. Sehen Sie da eine Gefahr auch für unsere Stadt?

Schenkelberg: Wir nehmen zur Kenntnis, was rund um die Stadt passiert, und achten darauf, was sich hier tut. Wir reagieren schnell und konsequent nach dem Motto: „Wehret den Anfängen.“

Aus Ihrer eigenen Erfahrung: Was sind die besonderen Herausforderungen an einen Polizei-Chef in Düsseldorf?

Schenkelberg: Es sind natürlich die Aufgaben, die eine Landeshauptstadt mit sich bringt. Wir haben mindestens 400 Demos und Versammlungen im Jahr – also habe allein ich über 3000 bearbeitet. Einige davon hatten große Brisanz. Das haben wir immer sehr gut gehandelt. Im kommenden Jahr wird die Bekämpfung des Taschendiebstahls ein Schwerpunkt sein – nachdem wir die Zahl der Einbrüche und Kfz-Straftaten senken konnten.

Was halten Sie denn von Ihrem Nachfolger Norbert Wesseler?

Schenkelberg: Ich kenne ihn seit 20 Jahren, schon aus dem Innenministerium. Er hat in Dortmund erfolgreich gearbeitet und wird das auch hier tun.

Ihr Fazit zum Abschied?

Schenkelberg: Ich habe mich ausgesprochen wohlgefühlt. Als Chef der Düsseldorfer Polizei hatte ich sehr kompetente Mitarbeiter – und es hat Spaß gemacht, mit einer so professionellen Truppe zu arbeiten. Und an die Liebenswürdigkeit der Düsseldorfer Bürger werde ich mich immer gerne erinnern.

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