Männerbande aus Rath verkaufte 17 Kilo Amphetamin – neun Festnahmen.

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Ermittler Michael Brusdeilins zeigt die Beweisstücke: Sieben Kilo Amphetamin, Waage, Totschläger.

Ermittler Michael Brusdeilins zeigt die Beweisstücke: Sieben Kilo Amphetamin, Waage, Totschläger.

Melanie Zanin

Ermittler Michael Brusdeilins zeigt die Beweisstücke: Sieben Kilo Amphetamin, Waage, Totschläger.

Düsseldorf. Sie sind über 50, leben ein kleines bescheidenes Leben, sind zum Teil auf staatliche Unterstützung angewiesen – und plötzlich stehen die Männer im Fokus einer großen Drogen-Ermittlung der Düsseldorfer Polizei. Denn die 51- bis 63-Jährigen waren bislang zwar relativ unbescholten, aber offensichtlich schlummerte in ihnen eine beträchtliche kriminelle Energie. Allein in den vergangenen drei Monaten sollen sie 17 Kilo Amphetamin unters Volk gebracht haben.

Der entscheidende Tipp kam Ende September von einem Informanten, seit Oktober überwachte die Ermittlungskommission die Handys der Männer, observierte ihre Wohnungen in Rath. „Wir konnten den Verdacht schnell erhärten“, erklärt Kriminaloberkommissar Michael Brusdeilins. Doch die gewiefte Masche der Bande vollends zu durchschauen, kostete die Drogenfahnder etliche Wochen.

Geschäfte liefen über Drogenlager und mehrere Lieferanten

Jetzt glauben sie, dass die Geschäfte so abliefen: Der mutmaßliche Haupttäter (56) verkaufte die Drogen – im Volksmund oft „Pep“ genannt – aus seiner Wohnung am Rather Broich. Mal nur ein Gramm, mal gleich mehrere hundert. Doch die Dealer waren vorsichtig: In der Wohnung waren nie größere Mengen der heißen Ware. Sie kam auf telefonische Bestellung aus einem Appartement gegenüber, in dem ein 63-Jähriger wohnte.

Diesen „Bunker“ wiederum, wie die Polizei reine Lagerstätten für Drogen nennt, belieferte alle paar Tage ein 51 Jahre alter Hildener. Und er besorgte sich stets nach zwei bis drei Wochen Nachschub von einem 33-Jährigen an der Kiefernstraße. Bei ihm schlugen die Ermittler zu, als sich telefonisch im November ein Niederländer „mit sechs Freunden“ zum Besuch ankündigte – offenkundig ein Synonym für eine Drogenlieferung von sechs Kilogramm. Mit dieser Menge wurde der 33-Jährige am 28. November festgenommen. Der Kurier aus Holland entkam.

Bande belieferte alle Schichten der Gesellschaft mit dem Rauschgift

Die Drogenbande von Rath hielt das allerdings nicht auf. Innerhalb weniger Tage hatten die Herren einen neuen Lieferanten und verkauften weiter. 30 bis 40 Personen umfasste ihr Kundenkreis. „Etwa ein Drittel davon haben wir identifiziert“, sagt Brusdeilins. Alle Gesellschaftsschichten seien darunter, etwa Menschen, die sich für ihren anstrengenden Schichtdienst aufputschten. Aber auch zwei Frauen (39 und 41 Jahre), die das Pep wenige Meter weiter an der Eggerscheidter Straße weiterverkauften. Insgesamt neun Verdächtige hat die Polizei im Laufe des Verfahrens festgenommen. Seit Ende vergangener Woche sitzen neben dem 33-Jährigen jetzt auch der Hildener und der 56-jährige Hauptverdächtige in U-Haft. In dessen Wohnung fand die Polizei auch einen Totschläger. Er muss mit einer Haftstrafe von über fünf Jahren rechnen.

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