„Projekt Casablanca“ erfasst Verdächtige aus Nordafrika.

Polizei Syb NRW
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Jochen Tack

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Düsseldorf. Die Gruppe, die durch die Vorfälle in Köln ins Licht der Öffentlichkeit gerückt ist, hat die Polizei Düsseldorf bereits seit zwei Jahren im Fokus: junge nordafrikanische Männer. In ihrem Projekt „Casablanca“ haben die Ermittler seit Anfang 2014 mehr als 2000 Verdächtige ermittelt, die in kleinen Gruppen mit wechselnder Besetzung weit mehr als 4000 Straftaten begangen haben sollen. Offenbar ist eine Überschneidung dieser Großbande mit den Tätern von Köln nicht auszuschließen.

„Es gibt das Projekt Casablanca“, sagt Polizeisprecher Markus Niesczery am Mittwoch auf Anfrage und bestätigt damit einen Bericht der Bild-Zeitung. Den Anstoß habe eine „deutliche Zunahme von Taschen- und Gepäckdiebstählen sowie Raubdelikten“ in Düsseldorf gegeben.

„Wir werden die Kölner Kollegen umfangreich unterstützen“

Bei den Tatverdächtigen hätten sich immer wieder Herkunftsland, Rückzugsräume, aber auch Namen überschnitten. In der Folge sei eine „hohe, hohe Zahl von Personen“ identifiziert worden – nämlich 2244, fast nur Männer, meist unter 30 Jahre alt.

Natürlich zeichnen nicht jeder dieser Verdächtigen für alle 4392 Delikte verantwortlich, welche die Casablanca-Ermittler registriert haben. „Aber Fakt ist schon, dass sich aus dieser Gruppe immer wieder Einzelne zusammenfinden, um Straftaten zu begehen“, erklärt Niesczery. Einer Gruppe, die alles andere als homogen ist: Darunter seien junge Männer, die in zweiter Generation in Deutschland lebten, ebenso wie gerade erst angekommene Asylbewerber. Viele von ihnen lebten in Düsseldorf, andere kämen aus dem Umland.

Ein Schlaglicht auf die Vernetzung in diesem Milieu warf im Januar 2015 eine Großrazzia der Polizei im Düsseldorfer Bahnhofsviertel, bei der 200 Fahnder Cafés, Casinos und Shisha-Bars umstellten, 213 Menschen – meist Männer nordafrikanischer Herkunft – kontrollierten. 15 von ihnen wurden vorläufig festgenommen, zumeist wegen des Verdachts auf illegalen Aufenthalt in Deutschland. Aus dem Präsidium hieß es seinerzeit, man habe im Vorfeld dieses Viertel als ein „soziales, kulturelles und wirtschaftliches Zentrum“ erkannt, das Straftätern als Rückzugsraum diene.

Wie viele der 2244 ermittelten Verdächtigen inzwischen in Haft sitzen oder abgeschoben wurden, kann Markus Niesczery nicht sagen: „Das Projekt ist nicht abgeschlossen.“ Ob ein Teil dieser Gruppe an den Übergriffen in Köln beteiligt gewesen sein könnte, will er nicht kommentieren. Nur so viel: „Wir werden die Kölner Kollegen umfangreich mit unseren Erkenntnissen unterstützen.“

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