Krise: Bundesweit gab es 2008 nur zwei Prozent mehr Pleiten als 2007 – hier waren es 26 Prozent mehr.

Düsseldorf. Wenn reihenweise Unternehmen pleite gehen, ist das ein -Indiz für die Krise. Daher sind die Zahlen, die der Politikwissenschaftler Rainer Bovelet für den Verein Creditreform zusammengetragen hat, auf den ersten Blick alarmierend: Im Jahr 2008 haben in Düsseldorf und dem Rhein-Kreis Neuss 765 Unternehmen Insolvenz angemeldet. Das sind rund 26 Prozent oder 160 mehr als im Jahr 2007 und liegt weit über dem Bundesschnitt von zwei Prozent.

Noch keine Krisenauswirkung - aber auch kein Grund zur Entwarnung

Auf den zweiten Blick allerdings zeige sich noch kein signifikantes Krisenmuster, sagt der Analytiker. Mehrere Faktoren sprechen gegen ein Krisenmuster. "Der Anstieg der Insolvenzen war im ersten Halbjahr ’08, also vor der Finanzkrise, größer als im zweiten Halbjahr", sagt Bovelet. Auch sei der Anstieg um 26Prozent gering im Vergleich zur letzten großen Krise: Nach dem Platzen der so genannten Dotcom-Blase im Frühjahr 2000 und nach den Anschlägen am 11.September 2001 war die Zahl der Insolvenzen in Düsseldorf und dem Rhein-Kreis Neuss um 49 Prozent, von 386 auf 574, hochgeschnellt. Die meisten Insolvenzen gab es 2008 in der Gastronomie, im Bereich elektronische Datenverarbeitung sowie im Bereich Kraftfahrzeughandel (u.a. Tankstellen und Reparaturbetriebe). Bovelet erklärt: "Das sind Branchen, in denen es traditionell viele Insolvenzen gibt." Das alles spreche eher gegen die Folgen einer Krise und für einen turnusmäßigen Abschwung der Konjunktur.

Grund zur Entwarnung sieht Bovelet aber keinesfalls: "Das ist wohl eher die Ruhe vor dem Sturm." Er rechnet damit, dass die Pleiten im laufenden Jahr noch zunehmen.

Ein anderer Krisen-Indikator ist die Zahl der Gewerbean- und -abmeldungen bei der Industrie- und Handelskammer (IHK). "Wir sind immer noch recht robust aufgestellt", sagt der IHK-Experte Dieter Wolf. Im Jahr 2007 standen den 6500 Gewerbeabmeldungen 7600 Anmeldungen gegenüber, ein Plus von 1100Gewerbebetrieben. Wolf schätzt, dass im Jahr 2008 rund 7500 Gewerbe abgemeldet und in etwa ebenso viele angemeldet wurden. Er sagt: "Was die Zahl der Neugründungen und Arbeitsplätze angeht, ist Düsseldorf noch immer vorbildlich."

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