Philipp Kohlen-Priebe kündigt eine Heinz-Erhardt-Revue für die neue Saison im Theater Flin an.

Philipp Kohlen-Priebe (links) kündigt eine Heinz-Erhardt-Revue für die neue Saison im Theater Flin an.
Philipp Kohlen-Priebe (links) kündigt eine Heinz-Erhardt-Revue für die neue Saison im Theater Flin an.

Philipp Kohlen-Priebe (links) kündigt eine Heinz-Erhardt-Revue für die neue Saison im Theater Flin an.

Schaller, Bernd (bes)

Philipp Kohlen-Priebe (links) kündigt eine Heinz-Erhardt-Revue für die neue Saison im Theater Flin an.

Düsseldorf. 2004 haben Philipp Kohlen-Priebe (56) und Oliver Priebe (49) in Flingern ein Zimmertheater übernommen, das sich nach einem Umbau erfolgreich in der Freien Theaterszene behauptet. Gerade sind sie mit einem Programm aus Kabarett, eigenen Theaterstücken und Revuen in die neue Spielzeit gestartet.

Herr Kohlen-Priebe, das Überleben in der freien Theaterlandschaft ist nicht leicht. Worauf kommt es dabei besonders an?

Kohlen-Priebe: Man muss sich in einer Event-Stadt wie Düsseldorf eine Nische suchen. Hier findet man alles an kultureller Unterhaltung, was die bunte Palette hergibt. Deshalb produziere ich heute keine Stücke mehr, von denen ich weiß, das ist ganz wichtig für die Gesellschaft, aber es kommt keiner.

Was ist Ihre Nische?

Kohlen-Priebe: Unsere Nische ist der Gemischtwarenladen: Comedy, Kabarett, Theater, Kindertheater, musikalische Revuen. Das bietet in dieser Vielfalt kein anderes Theater in Düsseldorf. Und natürlich die Nähe zum Publikum, die sich allein schon aus der Größe des Hauses ergibt.

Johanna Ey, geboren 1867 in Wickrath, war Mutter von zwölf Kindern, von denen acht schon früh starben. Nach der Trennung von ihrem Mann eröffnete sie 1910 in der Nähe der Kunstakademie eine Kaffeestube, in der junge Künstler für ein Porträt der Ey oder ein Gemälde ein Essen bekamen, wenn sie kein Geld hatten. Für die Künstler wurde sie zur „Mutter Ey“ und nach und nach auch zu einer Persönlichkeit des Kunstbetriebs. Noch während des Ersten Weltkriegs eröffnete sie eine Galerie. Am 27. August 1947 starb Johanna Ey.

Vor dem Umbau 2004 hatte das Theater Flin einen Zuschauerraum für 40 Gäste. Seit dem Umbau finden 90 Zuschauer im Theater Platz. Die „Heinz-Erhardt-Revue“ hat am 26. Oktober Premiere.

Wie zufrieden sind Sie mit der vergangenen Spielzeit?

Kohlen-Priebe. Ich bin super zufrieden. Besonders gut kam unsere neue Hausproduktion, die Kriminal-Comedy „Die 39 Stufen“ an, eine Hitchcock-Adaption im Monty-Python-Stil. Beibehalten werden wir auch „Fast Faust oder des Pudels Kern.“ Das Stück ist mittlerweile Kult und seit fünf Jahren ausverkauft. Wobei unser Faust natürlich eine Flingeraner Form hat.

 

Welche Überraschungen gibt es in der neuen Spielzeit?

Kohlen-Priebe: Das Kölner Kult-Duo Volk und Knecht kommt mit zwei Programmen. Das ist sehr schräger Humor, in Köln sprengen sie bei ihren Auftritten das Atelier-Theater. Ich bin sehr gespannt, wie das Düsseldorfer Publikum auf sie reagiert.

Worauf freuen Sie sich denn selbst am meisten?

Kohlen-Priebe: Auf die „Heinz-Erhardt-Revue“, unsere Hauspremiere. Das ist immer so etwas wie eine Geburt, da liegen sie Wochen und Monate mit in den Wehen und dann kommt der Premierentag und es entscheidet sich: Ist es ein süßes Kind oder wollen die Leute es nicht haben.

Vor 65 Jahren starb Johanna Ey. Mit „Bühne frei für Mutter Ey“ bringen sie ein Stück Düsseldorfer Geschichte auf die Bühne. Wie kam es dazu?

Kohlen-Priebe: Johanna Ey ist eine Frau gewesen, die ein großes Spektrum Düsseldorfer Zeitgeschichte abdeckt. Es ist ja ein dokumentarisches Kammerspiel, in dem sich immer wieder Bezüge wie das Dritte Reich, die Währungsumstellung und all diese Dinge finden. Der Humor kann bei so einer Lebensgeschichte natürlich nicht im Vordergrund stehen, aber diese Frau war so lebensbejahend, dass es noch jede Menge Situationskomik gibt.

Wer hat Ihnen bei der Recherche geholfen?

Kohlen-Priebe: Geholfen hat uns Barbara Ey, die Urenkelin von Johanna Ey. Sie hat für uns ihre privaten Fotoalben geöffnet. Das war für uns natürlich ein unglaublicher Schatz, in dem wir wühlen durften. Wir hatten Bilder in der Hand, die noch nicht mal das Stadtmuseum kennt und durften Briefe von ihr lesen – das waren schon sehr berührende und bleibende Eindrücke.

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