In den Heimen fehlt es an Fachpersonal. In der Stadt droht ein Pflegenotstand.

Immer mehr Menschen werden pflegebedürftig, doch es gibt immer weniger Pflege-Fachkräfte.
Immer mehr Menschen werden pflegebedürftig, doch es gibt immer weniger Pflege-Fachkräfte.

Immer mehr Menschen werden pflegebedürftig, doch es gibt immer weniger Pflege-Fachkräfte.

dpa

Immer mehr Menschen werden pflegebedürftig, doch es gibt immer weniger Pflege-Fachkräfte.

Düsseldorf. In Düsseldorf gibt es Vollbeschäftigung. Zumindest in der Pflegebranche. Mehr noch: Aktuell werden in der Landeshauptstadt 180 Krankenpfleger, 183 Altenpfleger und etwa 130 Pflegehelfer und Altenpflege-Hilfskräfte gesucht. Das gaben die Arbeitsagentur und das Pflegeseminar am Mittwoch der Diakonie bekannt.

Peter Jäger, Chef der Düsseldorfer Agentur für Arbeit, prognostiziert, dass in unserer alternden Gesellschaft bald "jeder vierte Jugendliche in der Altenpflege benötigt" werde, um den Fachkräftemangel zu mildern. Denn ganz verhindern ließe er sich schon jetzt nicht mehr.

Zweimal in diesem Jahr haben sich Arbeitsagentur, Pflegeschulen und Altenheim-Betreiber an einen Tisch gesetzt und beratschlagt, wie der Krise des Pflegerberufs beizukommen ist. Jüngstes Resultat ist die Finanzierung von zusätzlich 75 Seminarplätzen durch die Heimträger, zusätzlich zu den 400 bestehenden im Fachseminar für Alten- und Familienpflege der Diakonie.

Ein "Pflege-Markt" bei der Arbeitsagentur soll helfen

Ein Marktplatz für Pflege und soziale Berufe in der Agentur für Arbeit am Samstag soll Interesse bei möglichen Auszubildenden wecken. Marianne Dierks, Leiterin des Bereichs Bildung und Erziehung bei der Diakonie, will mit einigen Pfleger-Vorurteilen aufräumen: "Pflegen ist kein Frauenberuf, 25 Prozent der Azubis sind Männer. Es ist auch kein Niedriglohnberuf. Das Einstiegsgehalt liegt bei 2200 Euro brutto."

Außerdem könne man sich nicht nur als Junger Mensch zum Pfleger ausbilden, die Diakonie nehme Menschen bis 53 Jahre in die Ausbildung auf. Zu guter Letzt sei der Pflegerjob auch keine Sackgasse. "Man kann zum Heimleiter, Pflegelehrer, Experte für bestimmte Krankheiten und ins Qualitätsmanagement aufsteigen", sagt Dierks.

Der Marktplatz für Pflege und soziale Berufe findet am kommenden Samstag in der Arbeitsagentur an der Grafenberger Allee 300 statt. Von 10 bis 13 Uhr können Interessierte mit Vertretern von Heimbetreibern und Pflegeschulen ins Gespräch kommen und ihre Bewerbungen abgeben.

In Düsseldorf gibt es zwei Schulen für Altenpflege: Die der Diakonie und die des Deutschen Roten Kreuzes.

Marion Schmitz-Schümer (39) hat es gewagt und eine neue Ausbildung zur Altenpflegerin angefangen. Nach Jahren in einem Call-Center wollte sie endlich wieder mit Menschen zu tun haben: "Es ist ein stressiger Job, aber die Heimbewohner geben einem soviel zurück." Im nächsten Jahr wird sie ihre Ausbildung beenden und ihren Traumberuf ausüben. Aber: Über zehn Prozent der Pflegeschul-Absolventen steigen in den ersten fünf Berufsjahren aus dem Job aus.

Dass es in der Altenpflege bisweilen an die Grenze der Belastbarkeit geht, bestätigt auch die Heimleiterin der Diakonie Kaiserswerth, wo sich 70 Pflegekräfte um 148 Senioren kümmern. "Gerade durch die Dokumentationspflicht jeder Pflegemaßnahme bleibt immer weniger Zeit beispielsweise für ein Gespräch zwischendurch."

Aber was nicht dokumentiert ist, können Kontrollinstanzen wie die Heimaufsicht auch nicht nachvollziehen. "Deswegen muss Pflege heute viel aufwändiger geplant werden", sagt Bracht. Und das wird bei dem drohenden Pflegenotstand nicht einfacher.

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