VA Wölfls neues Stück im Schloss Benrath versteht kaum jemand.

VA Wölfls neues Stück im Schloss Benrath versteht kaum jemand.
Im Mikrofonen-Labyrinth bewegen sich die Darsteller von VA Wölfls

Im Mikrofonen-Labyrinth bewegen sich die Darsteller von VA Wölfls

Im Mikrofonen-Labyrinth bewegen sich die Darsteller von VA Wölfls

Im Marstall von Schloss Benrath steht ein Wald von Mikrophonen. Diagonal durch Raum reihen sich die Standmikros auf Stativen. Ausgerichtet wie eine Kompanie, exakt abgemessen stehen sie da, ähnlich wie junge Bäume in einer künstlich angelegten Schonung. Oder wie schwarze Striche auf weißem Grund. In die zunächst menschenleere Installation schreitet ein Mann mit Cello, kurz darauf sieht man eine junge Frau, die jodelt. Aus voller Kraft. In den höchsten Tönen, die per Lautsprecher ein grelles Echo erzeugen.

Die ersten Szenen von „RhEin Neuer Tanz“ irritieren, machen manche auch neugierig. Wie üblich bei VA Wölfl. Der 73jährge Choreograf, Aktions- und Videokünstler, Maler und Fotograf hat mal wieder zugeschlagen; denn mit seiner radikal reduzierten Ästhetik verblüffen der vielseitige Wölfl und sein Ensemble „Neuer Tanz“ seit über 30 Jahren die Zuschauer – in Deutschland aber auch in Frankreich und den USA. Seine Fangemeinde kommt weniger aus der Tanz- denn aus der Szene, die sich für Avantgarde der Bildenden Kunst begeistert. Und ist mit ihm älter geworden. Diesmal kamen sie, um etwas zu erfahren von Wölfls Forschungsergebnissen zur „Theorie des schwebenden Stillstands, der Generation schwarzer Löcher im weißen Kubus sowie dem Beben beim Löschen der Bewegung“. So theoretisch und verkopft diese Projekt-Beschreibung klingt, so auch das Stück, das kaum jemand versteht und sicherlich kein tanztheatralisches Stück im herkömmlichen Sinn ist.

Die Anhänger klatschen erst, wenn die Tänzer abmarschiert sind

Bestenfalls eine Performance mit ausgebildeten Tänzern, die, bis auf zwei Frauen, gar nicht tanzen, sondern sich durch das geometrisch geordnete Mikrofonen-Labyrinth einen Weg bahnen. Die Damen in Cocktailkleidern, die Herren in Anzug und Krawatte tragen mal Keyboards durch den weißen Kubus, dann wieder ein Cello oder ein Trompete. Elektronische Geräusche und metallisches Rauschen mischen sich mit dem Trittschall der einzelnen Figuren. Dann balancieren zwei Ballerinen in akademischen Posen im Zeitlupentempo. Langsamkeit dominiert auch ein anderes Bild: Ein Tänzer liegt bäuchlings auf einem Tischrahmen, sucht Gleichgewicht. Jeweils eine Pistole in beiden Händen. Ist das schwebender Stillstand? Warum das so arrangiert ist? Das fragt man bei einer VA Wölfl-Performance besser nicht. Die Austauschbarkeit seiner teilweise skurrilen Bilder, das geringe inhaltliche (meist verstiegene Konzept) gehören genauso zum Ritual wie ein unvermitteltes Ende. „Muss man jetzt klatschen?“ fragt jemand. Tut’s und guckt in erstaunte Gesichter. Bei „Neuer Tanz“ applaudieren Anhänger erst, wenn die Tänzer gerade abmarschiert sind. Es scheint, dass Wölfls schöpferische Kraft nachgelassen hat. Die Frage bleibt, warum Kulturamt, das Land NRW und Kulturstiftung Wölfls reine Insider-Veranstaltungen immer noch so hoch subventionieren.

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