Gericht: Ex-Pfleger sagt aus, dass sein Chef Senioren misshandelt habe und greift die Pflegedienstleitung an.

Düsseldorf. Was für Zustände haben auf den Stationen 3 A und B des Seniorenzentrums Am Gallberg zwischen Dezember 2006 und Oktober 2007 geherrscht? Ein ehemaliger Altenpfleger (30) erhebt schwere Vorwürfe gegen Ex-Kollegen. Der ehemalige stellvertretende Wohnbereichsleiter (49) soll betagte Patienten gezielt gequält, eine 29-jährige Altenpflegerin ihren Chef dabei gefilmt haben. Gestern beschäftigte der Fall das Schwurgericht.

Als Beweismittel kamen kurze Handyfilme zum Einsatz. Einer zeigt, wie eine ältere Dame, die weint und klagt: "Ich wurde geschlagen. Vom Chef." Der Chef soll außerdem einer 79-jährigen Krebskranken absichtlich in eine offene Gesichtswunde gedrückt haben, was ein zweiter Film zeigen soll.

Die Enkelin der Frau sagte gestern, dass ihre inzwischen verstorbene Großmutter in den Wochen, bevor die Vorwürfe bekannt wurden, einen verängstigten Eindruck gemacht habe: "Sie schrak oft zusammen. Als ich sie in einem neuen Heim untergebracht hatte, gab es sich."

Der ehemalige Altenpfleger hatte die Übergriffe angezeigt

Der 30-jährige Ex-Pfleger, der inzwischen als Schlosser arbeitet, trat als Kronzeuge auf. Er hatte die Übergriffe bei der Heimleiterin angezeigt und ihr die Videos übergeben. In der Folge wurde nicht nur den beiden Angeklagten, sondern auch dem Zeugen fristlos gekündigt. Denn auch der Ex-Pfleger, der inzwischen als Schlosser arbeitet, hatte rechtswidrig Handy-Videos mit Patienten erstellt.

Es sei zu weiteren Übergriffen gekommen, sagte der Ex-Pfleger. So habe er den Chef im Verdacht, einem lauten Patienten eine Überdosis Beruhigungsmittel verabreicht zu haben. Außerdem habe ihm die mitangeklagte Pflegerin gestanden, dass sie mit dem Chef zusammen einen 76-jährigen Koma-Patienten aus Versehen den Arm gebrochen habe.

Der Ex-Pfleger erhob auch schwere Vorwürfe gegen seine ehemaligen Vorgesetzten: "Wir waren chronisch unterbesetzt. Die Pflegedienstleitung wusste davon." Die 28-jährige Heimleiterin widersprach: "Ich kann nicht bestätigen, dass auf den Stationen Personalmangel bestand." Zum nächsten Verhandlungstag, dem 5.Oktober, soll sie auf Wunsch des Staatsanwalts eine Aufstellung der Überlastungsanzeigen für den fraglichen Zeitraum einreichen.

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