Im Stahlwerk feiert die Düsseldorfer Band ihr erfolgreichstes Jahr – die Fans sind lautstark begeistert.

Massendefekt haben eine erfolgreiche Tour beendet, hier bei einem länger zurückliegenden Auftritt.
Massendefekt haben eine erfolgreiche Tour beendet, hier bei einem länger zurückliegenden Auftritt.

Massendefekt haben eine erfolgreiche Tour beendet, hier bei einem länger zurückliegenden Auftritt.

Stephan Raithel

Massendefekt haben eine erfolgreiche Tour beendet, hier bei einem länger zurückliegenden Auftritt.

Düsseldorf. Das Konzert beginnt. Und sie flunkern gleich einmal. „Lieber singend durch die Hölle. Lieber König der Verlierer“, singt Sebastian „Sebi“ Beyer, Frontmann der Düsseldorfer Band Massendefekt. Er könnte in diesem Moment nicht weiter entfernt sein von der Hölle oder der Krönung zum König der Verlierer. Massendefekt stehen nämlich auf der Bühne des Stahlwerks und feiern ein Heimspiel, das sich gewaschen hat. Eines, bei dem schon vorher feststeht, dass es gewonnen ist, weil die Band so, wie sie da vorne zwei Stunden lang agiert, vor lauter Energie platzen könnte und das dann niemanden wundern dürfte. Und eines, bei dem die Fans genau jene Transformation durchlaufen, die man als Fan durchlaufen muss, um sich in den Orbit der Glückseligkeit zu schießen: Mit trockenem Shirt und putzmunter kommen – nassgeschwitzt und erschöpft und mit wohlig schmerzenden Gliedmaßen wieder gehen.

Die Zugabe ist dem verstorbenen Wölli gewidmet

Gleichwohl: Dieses Jahr musste für Massendefekt genauso enden. Weil es so verrückt war. Es ist das Jahr eins nach Lemmy Kilmister. Bowie, Prince, Cohen gingen auch. Wölli von den Toten Hosen, der Massendefekt erst auf Kurs gebracht hatte als Mentor und Labelchef, erlag dem verdammten Krebs und wird am Ende der Zugabe mit dem Song „Wir trinken immer noch auf Dich“ schreiend und krachend gefeiert. Überhaupt ist alles irgendwie anders geworden auf dieser verrückten Welt der toten Helden und Trumpräsidenten.

Aber eben auch positiv anders: Während die einen nämlich starben, stiegen Massendefekt mit ihrem Album „Echos“ erstmals in die Charts ein. Sie spielten plötzlich in ausverkauften Hallen und bei den größeren Festivals. Und am Ende ziehen sie auch noch 2000 Leute zur Jahresabschlusssause an die Ronsdorfer Straße. Wer bei diesem Überfluss an Ereignissen, an Tragödien und Siegen, an Trauer- und Feierstunden, schlussendlich nicht durchdreht und sich nicht mit einem dröhnenden „Yippie, Yippie, Yeah! Yippie, Yeah! Krawall und Remmidemmi!“ – entliehen bei den Rappern von Deichkind – in die Weihnachts- und „Lass’ mal runterkommen“-Pause verabschiedet, der muss für seine Ruhe und Gelassenheit beneidet werden. Und der darf bedauert werden.

Denn er würde diese famose Party verpassen oder nicht zu goutieren wissen, bei der Song-Schätzchen ausgegraben werden und bei dem Musiker die Aufpeitscher und Einheizer geben, die technisch längst ein paar Gänge raufgeschaltet haben seit den Mini-Club-Zeiten, während sie ihre Garagenband-Wüterei konservierten.

Beyer, der Aufgedrehte oben, animiert die massendefekte Meute. Und zwar zur ganzen Palette der Emotionsentladungsmöglichkeiten: zum Händewellenritt. Zu Klatschspielchen. Zum gegenseitigen Anrempeln. Und zum Mitgröhlen natürlich. Vor allem das. Denn darum geht es doch im Geschäft mit dem Rock und dem Roll: Um das Sich-Erheben und das Herausschreien von Parolen, die diese Welt nicht immer erklären und das auch gar nicht sollen, die dieser Welt aber allemal Spaß schenken und sie dadurch besser und schöner machen. Bei allem Respekt für den Bandnamen: Ein Massendefekt sieht anders aus.

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