Kontroverse Debatte über das geplante Verbot des Kampfspiels: Manche halten es für menschenverachtend, die Spieler wehren sich.

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Paintball-Spieler Stefan Bolz (31) in voller Ausrüstung.

Paintball-Spieler Stefan Bolz (31) in voller Ausrüstung.

Bernd Schaller

Paintball-Spieler Stefan Bolz (31) in voller Ausrüstung.

Düsseldorf. Für die einen ist es ein Freizeitspaß, für die anderen sind Paintball-Spieler irregeleitete Freaks, die in ihrer Freizeit Krieg spielen und das Töten von Menschen am lebenden Objekt simulieren. Über kein anderes Spiel wird so heftig diskutiert wie über Paintball. Die Große Koalition hat in Berlin auf ein Verbot von Gotcha, wie es auch genannt wird, geeinigt. 5000 Euro Geldbuße sollen bei Verstößen fällig werden.

"Das ist blanker Aktionismus im Wahljahr", meint Emanuel Rehwald von Paintball.de. Der Düsseldorfer Groß- und Einzelhändler versorgt die Szene mit Spielgeräten. Eine von geschätzt 250 Firmen, die in Deutschland mit Paintball Geld verdienen. "Sollte das Verbot kommen, verlieren 1500 Menschen ihre Arbeit und 100.000 Spieler haben ein illegales Hobby."

Ein Hobby, bei dem zwei Teams zweimal 15 Minuten um Punkte kämpfen, indem sie versuchen, den gegnerischen Startpunkt zu erreichen. Dabei schießen sie mit Farbkugeln auf ihre Gegner, wer getroffen wird, muss das Spielfeld verlassen.

Für Rehwald ist klar, warum sich die Politik quasi auf die Paintballer eingeschossen hat. "An die mächtige Waffenlobby traut sich niemand ran, als Alibi muss ein Paintball-Verbot her."

Etwa 2500 Paintball-Spieler gibt es allein im Großraum Düsseldorf

Rund 2500 regelmäßige Paintball-Spieler gibt es im Großraum Düsseldorf, das Team der Düsseldorf Reckless spielt in der ersten Liga und war 2007 und 2008 Deutscher Meister. Stefan Bolz (31) ist ihr Trainer und Manager. "Wir spielen nicht Krieg, es geht auch nicht ums Töten", sagt er. Im Fall eines Verbots würde auch er seine Existenz verlieren.

"Es ist ein Spiel, bei dem es ums Punkte sammeln geht." Dass er und seine Teamkollegen durchaus martialisch aussehen, weiß er. "Aber wir sind ganz sicher keine Vorbilder für Amokläufer, wie es immer heißt."

Damit es keine Verwechslung mit Waffennarren gibt, nennen Paintballer ihr Spielgerät nicht Waffe, sondern Markierer. "Wir robben auch nicht im Tarnanzug durchs Gelände."

Auf den Spielflächen, die nächstgelegenen sind in Borken und Aachen, ist Tarnkleidung verpönt. Rote Farbkugeln werden gar nicht erst verschossen.

Düsseldorfs Politiker sehen den Krieg der Farben eher mit gemischten Gefühlen. Ein Verbot fordert zwar niemand direkt, SPD-Fraktionschef Günter Wurm findet Paintball aber "menschenverachtend", Grünenkollege Günter Karen-Jungen hält es für "grenzwertig". Die FDP ist strikt gegen ein Verbot: "Ich kann darin keine Gefahr erkennen", sagt Partei-Vize Manfred Neuenhaus.

© WhatsBroadcast

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