Der 85-jährige Düsseldorfer Künstler Otto Piene gründete 1957 Zero.
Der 85-jährige Düsseldorfer Künstler Otto Piene gründete 1957 Zero.

Der 85-jährige Düsseldorfer Künstler Otto Piene gründete 1957 Zero.

Auf dem Place de la Catalogne in Paris wehte 2008 während der Nuit Blanche (Weiße Nacht) die Installation "Floatables" von Otto Piene im Wind.

Die 30 Meter große Grubenlampe von Otto Piene leuchtete 2007 erstmalig von der Halde Rheinpreußen in Moers. Rund 20 Tonnen Stahl und 90 Kubikmeter Beton wurden für die rotbeleuchtete Grubenlampe verbaut.

Eine Lichtinstallation von Otto Piene. Foto: Archiv

Helga Meister, Bild 1 von 4

Der 85-jährige Düsseldorfer Künstler Otto Piene gründete 1957 Zero.

Herr Piene, Sie waren 17 Jahre alt, als Sie 1945 als Kriegsheimkehrer die Elbe-Mündung sahen und von der Sonne auf der Wasseroberfläche fast geblendet wurden. Was bedeutet Ihnen dieses Erlebnis?

Otto Piene: Das Gegenbild der gerade erst durchlebten Kriegserfahrungen. Es war ein unglaublich direktes Erlebnis, das mich ein Leben lang begleitet hat.

Was ist für Sie Licht?

Piene: Licht ist Leben. Ohne Licht kann man nicht existieren. Man kann es sicherlich noch besser ernten. Es wird sehr viel geschehen, um mit dem Sonnenlicht sozusagen Berge zu versetzen.

Stecken ihrer Meinung nach im Licht mehr Chancen als im Wind?

Otto Piene (85) erhält Sonntag in Celle den mit 10 000 Euro dotierten ersten deutschen Lichtkunstpreis.

Piene wurde 1928 in Laasphe geboren. Kaum zurück aus dem Krieg, heiratete er 1947 erstmals, studierte in München, zog 1950 nach Düsseldorf und besuchte mit Heinz Mack die Kunstakademie. In der Nachbarklasse saßen Beuys, Heerich und Günter Grass. Zeitgleich legte er in Köln das Staatsexamen in Philosophie ab. Noch als Student wurde er 1951 Dozent, später stellvertretender Leiter der Modeschule Düsseldorf.

1957 gründete er mit Mack Zero, 1961 kam Günter Uecker hinzu. Die Idee von Zero (Null) war der Neubeginn in der Kunst unter Einbeziehung von Licht (und Schatten) sowie Feuer.

Seit 1959 erzeugt Piene mit Hilfe rotierender Scheinwerfer, perforierter Würfel und eingestanzter Lichtcodes lebendig wirkende Licht- und Schattenbilder.

1964 nahm er eine Gastprofessur in Philadelphia an, 1965 übersiedelte er nach New York, 1972 wurde er in Boston Professor für Umweltkunst am MIT, 1974-1994 war er Direktor des Zentrums für fortgeschrittene Visuelle Künste. 1988 heiratete er die Amerikanerin Elizabeth Goldring. Seine Wohnung in Düsseldorf behielt er.

Piene:. Ich weiß nicht, ob Windenergie wirklich etwas bringt, was zum Weltenergiehaushalt beiträgt. Die Sonne ist viel größer, stärker, flächendeckender. Sie lässt sich in Spiegeln auffangen. Man lernt sie erst jetzt kennen.

Warum arbeiten Sie seit Ihrer Jugend mit Licht?

Piene: Es teilt sich reibungslos mit, und es ist in vieler Hinsicht billig. Man braucht nur das Fenster aufzumachen, und es kommt ins Haus. Mit der Lichtkunst ist es ähnlich. Sie teilt sich gern mit und geht überall hin, ohne Widerstand. Licht ist Atmen. Ohne Licht sind wir alle schnell kaputt. Ich habe 1959 mit einer Handlampe das Licht einfach durch perforierte Raster gelenkt. So entstand mein erstes Lichtballett. 1960 habe ich die ersten Maschinen gebaut und 1961 erschienen sie in den verdunkelten Ausstellungsräumen.

Damals waren drei Ihrer Kinder klein. War die Lichtkunst ein Kinderspiel?

Piene: Nein, die Kinder haben beim Lichtballett selbst mit Lampen mitgemacht. Aber das Instrumentarium, das ich in der Gladbacher Straße entwickelte, für Licht im Theater und in der Kunstwelt, geht aus ein paar durchlöcherten Scheiben und Kugeln hervor.

Was war Ihre letzte Großskulptur?

Piene: „Geleucht“, der Lichtturm am Ort der Zeche Rhein-Preußen in Moers. Ein Lichtturm für Bergleute und Bergbau.

In Düsseldorf wird heftig gestritten, ob das warme Licht der alten Leuchten nicht viel besser als das eher kühle LED-Licht sei. Wie sehen Sie das?

Piene: Diese Diskussion zieht sich durch die Jahrhunderte und begann mit der Petroleumlampe. Wenn etwas Neues ansteht, gibt es große Debatten, dass ein Teufelswerk auf die Menschen losgelassen werde. Das ist halt so.

„Der Graf-Adolf-Platz wäre ein guter Ort für eine Lichtplastik.“
Otto Piene

Ist LED-Licht selbstverständlich?

Piene: Es ist praktischer, stärker und umweltfreundlicher.

Wie verläuft die Forschung?

Piene: Es gibt Licht, das in das Weltall getragen wird und aus dem Weltall kommt. Die Luftfahrt ist nur möglich, weil es die Energie gibt.

In der Stadt wird über Kunst im öffentlichen Raum heftig debattiert. Können Sie sich eine Lichtskulptur im Ehrenhof vorstellen?

Piene: Nein, das glaube ich nicht. Der ist zu idyllisch und zu historisch.

Welcher Platz wäre besser?

Piene: Der Graf-Adolf-Platz wäre schon gut, oder der Bahnhofsvorplatz. Dort könnte ich mir Lichtplastik, Lichtspiel, Lichttheater und Lichtperformance vorstellen.

Was planen Sie für die kommende Zero-Schau in New York?

Piene: Ein steuerbares Lichtballett. Es ist schon mitsamt Fernlenkung im Bau.

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