Spontan stellte die Stadt ein Zelt am Rheinufer auf – ein Beispiel für den neuen Umgang der Stadtspitze mit Außenseitern.

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Oberbürgermeister Dirk Elbers sucht am Sonntag beim Jubiläumsfest der Malteser im St.-Ursula-Gymnasium das Gespräch mit Obdachlosen.

Oberbürgermeister Dirk Elbers sucht am Sonntag beim Jubiläumsfest der Malteser im St.-Ursula-Gymnasium das Gespräch mit Obdachlosen.

Oberbürgermeister Dirk Elbers sucht am Sonntag beim Jubiläumsfest der Malteser im St.-Ursula-Gymnasium das Gespräch mit Obdachlosen.

Düsseldorf. Der Anruf aus dem Oberbürgermeister-Büro erreichte das Deutsche Rote Kreuz am Dienstagabend. Der Wetterbericht sagte für die kommenden Nächte arktische Kälte voraus - für Menschen ohne Obdach eine lebensbedrohliche Situation. Kurzentschlossen initiierte Oberbürgermeister Dirk Elbers eine Hilfsaktion, und so stand bereits am 7. Januar ein winterfestes Zelt am Unteren Rheinwerft. Unter den Wohnungslosen sprach sich das unbürokratische Angebot rasch herum, daher wurde nur wenige Tage später ein zweites Zelt aufgebaut. 26 Plätze stehen seither Tag und Nacht zur Verfügung.

In Düsseldorf ist diese Aktion einmalig. "Mit dem Zelt wollen wir Hilfsbedürftigen eine Brücke bauen und sie an eine der festen Einrichtungen für Obdachlose vermitteln", sagt Oberbürgermeister Dirk Elbers. "Viele trauen sich nämlich nicht dorthin. Bei uns soll aber deswegen keiner erfrieren." Solche verständnisvollen Töne ist Hubert Ostendorf, Herausgeber der Obdachlosenzeitung "fiftyfifty", sonst nicht gewöhnt und deswegen voll des Lobes. "Herr Elbers hat seine Verantwortung als Stadtvater wahrgenommen. Sein Vorstoß hat Vorbildcharakter für andere Städte." Bislang gibt es NRW-weit nur in Düsseldorf und in Duisburg ein solches Notfallzelt, so zumindest die Information des DRK.

"Der Vorstoß hat Vorbildcharakter für andere Städte."

"Ein Gespür für Menschen" bescheinigt Ostendorf dem Oberbürgermeister, der bereits zugesagt hat, sich mit dem "fiftyfifty"-Chef und dessen Mitstreiter, dem Ordensmann Bruder Matthäus, zu einem Gespräch zu treffen. Es scheint fast, als hätten die früheren Spannungen zwischen der Obdachlosenhilfe und der Stadtspitze ein Ende.

Das bekommen die Menschen auf der Straße auch konkret zu spüren. "Seit Ende Mai hat es keinen einzigen Verweis mehr gegen unsere Leute gegeben", bestätigt Ostendorf. Jahrelang haben er sowie die Wohlfahrtsverbände und Kirchenvertreter die soziale Kälte in Düsseldorf beklagt, nun jedoch stehen stehen die Zeichen offenbar auf Erwärmung.

Oberbürgermeister Dirk Elbers unterstützt seine Frau in ihrem Engagement für das Kinderhospiz Regenbogenland und weicht auch der direkte Begegnung mit Obdachlosen nicht aus. Am Sonntag beim 50. Bestehen des Wohlfühlmorgens für Arme, den die Malteser seit 2000 organisieren, geht Elbers offen auf die Gäste zu. "Mit dem Mann kann man sich ganz vernünftig unterhalten", meint einer der Obdachlosen anerkennend.

Dirk Elbers hat keine Berührungsängste

Anders als sein Vorgänger hat Elbers keine Berührungsängste, er informiert sich gern im persönlichen Gespräch. Als er bei einer Veranstaltung in der Arena Semra Idic trifft, die an diesem Abend in der Vip-Lounge jobbt, spricht er die junge Frau, die gerade ein Buch über die verhinderte Abschiebung ihrer Familie geschrieben hat, an. Die Beiden unterhalten sich angeregt.

Über die Arbeit in den zwei Zelten für Obdachlose am Unteren Rheinwerft hat sich der Oberbürgermeister täglich durch seine Mitarbeiter informieren lassen. Zuspruch für die Aktion gibt es auch aus der Bevölkerung. "Wir hören viel Lob", sagt DRK-Einsatzleiter Mirco Nevermann. Das Deutsche Rote Kreuz koordiniert das Notfall-Angebot. Nachbarn, aber auch andere spenden Lebensmittel und warme Kleidung. "Wir haben einigen Obdachlosen Zimmer in Unterkünften vermitteln können", sagt Nevermann. Die Zelte werden erst abgebaut, wenn es wieder wärmer ist.

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