Die Mitarbeiter von Thyssen-Krupp in Benrath fürchten, dass ein Verkauf am Ende ihre Jobs kosten wird.

Nirosta
Die Zukunft der Nirosta-Mitarbeiter in Benrath ist ungewiss.

Die Zukunft der Nirosta-Mitarbeiter in Benrath ist ungewiss.

Nanninga

Die Zukunft der Nirosta-Mitarbeiter in Benrath ist ungewiss.

Düsseldorf. Kaum jemand der Mitarbeiter des Nirosta-Werks in Benrath zögert noch, wenn er nach seiner Meinung gefragt wird – mit seinem Namen und Konterfei. Noch vor einem Jahr, während der Sparpläne von Thyssenkrupp, traute sich kaum jemand vor die Kamera. Aus Angst davor, zu denen zu gehören, die ihren Arbeitsplatz verlieren werden.

Jetzt kämpft jeder mit offenem Visier. Es geht um alle Jobs in Benrath – und wahrscheinlich nicht nur dort. Die Entscheidung, ob die Edelstahlsparte Inoxum (und darunter die Marke Nirosta) von Thyssen-Krupp an den finnischen Konkurrenten Outukumpu verkauft wird, soll am Dienstag fallen. Doch viele in der Belegschaft im Düsseldorfer Nirosta-Werk denken, dass die Pläne schon längst in trockenen Tüchern sind. „Ich glaube, dass die Gespräche schon viel früher gelaufen sind“, sagt Uwe Schutte. Er fürchtet um seinen Arbeitsplatz, obwohl er gut aus- und weitergebildet ist. Der gelernte Maschinenschlosser ist gleichzeitig Industrielokführer und im Werksschutz tätig. „Aber ich bin 47 Jahre alt. Da ist man auf dem Arbeitsmarkt kaum vermittelbar.“

Benrather glauben, dass sie die schwächsten Glieder der Kette sind

Dass gerade die zurzeit noch 530 Benrather zu denen gehören, die bald auf der Straße stehen könnten, glauben offenbar immer mehr Nirosta-Mitarbeiter. „Wenn ein Stahlwerk dicht gemacht wird, ist das wie ein gordischer Knoten, der nicht zu durchschlagen ist“, erklärt Betriebsrats-Vize Jörg Braun. Zwar gebe es Vereinbarungen mit Thyssen-Krupp, dass in den kommenden Jahren 180 Mitarbeiter der Benrather Belegschaft – und 200 weitere vorübergehend mit Altersteilzeitmodellen – im Kaltwalzwerk von Krefeld arbeiten. Dies soll im Gegensatz zum Stahlwerk erhalten bleiben. Cemal Cetin befürchtet aber, dass für diesen Fall erstmal die Krefelder Stahlarbeiter eine Chance bekommen. Das sei wie in einer Familie, sagt der 40-Jährige. „Die eigenen Kinder sind näher als die Stiefkinder.“

Doch die Benrather kämpfen weiter. 300 nahmen am Freitag an einer Großdemo mit 5000 Mitarbeitern des Konzerns in Bochum teil. Und Jörg Braun kündigt weitere Aktionen für Dienstag an. Und er warnt die Finnen davor, Werke zu schließen und Arbeitsplätze zu vernichten. „Auch sie müssen daran interessiert sein, dass der Standort weiter läuft.“

„Keiner weiß mehr so richtig, wie es hier weitergeht. Ich habe für mich Angst. Aber meine Familie lasse ich dabei momentan noch außen vor.“ Hans-Joachim Dammer (51)

„Die Stahlwerke in Krefeld und Bochum werden wohl geschlossen. Da bleibt kaum mehr ein Arbeitsplatz für die Düsseldorfer übrig.“ Cemal Cetin (40)

“Natürlich habe ich große Angst, meinen Arbeitsplatz zu verlieren. Wir haben uns noch vor kurzem Eigentum zugelegt.“ Uwe Schutte (47)

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