Vom DSC an die Spitze des DFB. Wolfgang Niersbach ist jetzt Ehrenmitglied „seines“ Düsseldorfer Clubs. Das Hobby hat er zum Beruf gemacht.

Erinnerung an gemeinsame Zeiten: Angelo Molderings DSC und Wolfgang Niersbach.
Erinnerung an gemeinsame Zeiten: Angelo Molderings DSC und Wolfgang Niersbach.

Erinnerung an gemeinsame Zeiten: Angelo Molderings DSC und Wolfgang Niersbach.

Horstmüller

Erinnerung an gemeinsame Zeiten: Angelo Molderings DSC und Wolfgang Niersbach.

Düsseldorf. Da hatte Vizepräsident Angelo Molderings die Rechnung aber ohne den Wirt gemacht. Als Molderings bei der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft des Düsseldorfer SC 99 an den Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) davon sprach, dass man „damals in der C-Jugend 1,50 Mark Monatsbeitrag“ ins Clubhaus an der Windscheidstraße überweisen musste, zog Wolfgang Niersbach seinen alten Mitgliedsausweis von 1959 aus dem maßgeschneiderten Anzug und sagte trocken: „Da liegst du falsch, lieber Angelo, ich habe nur eine Mark bezahlt.“ Acht Jahre war Niersbach alt, als er sich beim DSC anmeldete. Vater und Mutter Niersbach wussten davon nichts.

„In der ersten Saison haben wir kein einziges Tor geschossen“

Dieser Mann ist ein Geschenk für den größten Sportverband der Welt. Der Düsseldorfer zeigte sich auch beim DSC als großer Kommunikator und wurde in seiner Heimatstadt minutenlang beklatscht. „Ich fühle mich wirklich geehrt, und das ist nicht einfach nur ein Spruch.“ Alle alten Weggefährten waren ins Clubhaus gekommen, Gerd Zewe kam mit dem Fahrrad, Matthias Mauritz war da, die Eishockey-Olympiasieger von 1976, Otto Schneitberger und Walter Köberle, aber auch Fortuna-Vorstandssprecher Peter Frymuth („Du als Fortune dürftest hier doch eigentlich gar nicht rein“) und Niersbachs „bester Freund“ Werner Faßbender. Für jeden hatte Niersbach einen Satz, dieser Präsident hat einfach immer etwas zu erzählen. Und die DSC-Gemeinde hing förmlich an Niersbachs Lippen, als der 61-Jährige von alten Düsseldorfer Zeiten berichtete.

„In der ersten Saison haben wir damals kein einziges Tor geschossen, aber alle sind an Bord geblieben“, sagte Niersbach, der sich als „glücklicher Mensch“ schätzt, „weil ich mein Hobby zu meinem Beruf machen durfte“.

Als Sportjournalist hat er für den Sport-Informations-Dienst geschrieben, war jahrelang verantwortlich für die Vereinsmagazine der Fortuna und der DEG, wechselte 1988 nach der Europameisterschaft als Pressechef zum DFB, stieg zum Mediendirektor und Generalsekretär auf, ehe er im März 2012 Präsident wurde. „Seine“ Fortuna bedachte er auch mit Lob: „Ich finde es einfach bewundernswert, dass der Club in erster Linie auf seine finanzielle Gesundung geachtet hat.“

30. November 1950 in Nettesheim

Bis 1988 stellvertretender Chefredakteur beim Sport-Informations-Dienst (sid) in Neuss, ab Ende 1988 Pressesprecher und Mediendirektor beim Deutschen Fußball-Bund, geschäftsführender Vizepräsident und Pressechef des Organisationskomitees der Fußball-Weltmeisterschaft 2006, ab 2007 Generalsekretär, am 2. März 2012 auf dem Außerordentlichen Bundestag zum Präsidenten gewählt.

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