Luxusbau soll Haus aus den 60er Jahren ersetzen. Bewohner sagen, sie hätten das zufällig im Internet erfahren.

Wohnen
Astrid Wiesendorf (Bündnis 90/Grüne) setzt sich für die Mieter an der Niederkasseler Straße ein. Das Elf-Parteien-Wohnhaus aus den 60er Jahren soll abgerissen werden. Stattdessen will Primag dort einen Luxusbau hinsetzen, ...

Astrid Wiesendorf (Bündnis 90/Grüne) setzt sich für die Mieter an der Niederkasseler Straße ein. Das Elf-Parteien-Wohnhaus aus den 60er Jahren soll abgerissen werden. Stattdessen will Primag dort einen Luxusbau hinsetzen, ...

... wie aus der Projektbeschreibung im Internet (unten) deutlich wird.

Sergej Lepke, Bild 1 von 2

Astrid Wiesendorf (Bündnis 90/Grüne) setzt sich für die Mieter an der Niederkasseler Straße ein. Das Elf-Parteien-Wohnhaus aus den 60er Jahren soll abgerissen werden. Stattdessen will Primag dort einen Luxusbau hinsetzen, ...

Düsseldorf. Seinen Namen möchte der 75-Jährige lieber nicht nennen. Denn er fürchtet um sein Zuhause. Fast schon ein wenig resigniert erzählt der Senior, dass sein Vermieter plant, das Haus an der Niederkasseler Straße, in dem er seit über 30 Jahren lebt, abzureißen. Am meisten verletze ihn, dass er und die anderen Mieter von diesem Plan nur durch Zufall über das Internet erfahren hätten.

Dort hatte der Hauseigentümer, die Immobiliengesellschaft Primag, Pläne für einen Neubau mit schicken Eigentumswohnungen veröffentlicht. Das Elf-Parteien-Wohnhaus aus den 1960er Jahren soll dafür abgerissen werden. Laut Homepage könnte mit dem Bau der neuen Luxuswohnungen bereits im kommenden Jahr begonnen werden. „Das ist bitter“, sagt der Senior. „Ich glaube nicht, dass wir im Umfeld einen bezahlbaren Ersatz finden.“

Bislang gibt es nur eine Bauvoranfrage

Primag-Vorstand Gerd Esser widerspricht den Vorwürfen, die Mieter zu lange im Dunkeln gelassen zu haben. „Die Mieter sind sauber informiert worden“, sagt er. Zwar hat Primag bereits im vergangenen Jahr eine Bauvoranfrage gestellt, aber nur „um auszuloten, was geht.“ Dieser Vorgang sei üblich.

Mehr Verantwortung von Eigentümerseite fordert dagegen Astrid Wiesendorf (Bündnis 90/Grüne) ein. „Man sieht, wie schnell man sein Zuhause verliert“, sagt sie. Ihre Fraktion fragte die Stadtverwaltung, wie den Mietern beim Erhalt ihrer Wohnungen zu helfen sei.

Da sei wohl wenig drin, lautete die Antwort in der Bezirksvertretung: Für das genannte Grundstück gebe es weder eine Denkmalbereichs- noch eine Erhaltungssatzung. Sobald der Eigentümer eine Abbruchgenehmigung beantrage, prüfe die Bauaufsicht, ob das Haus geschützt werden sollte. Nach dem ersten Eindruck treffe das auf den schlichten, verklinkerten Bau nicht zu.

Ist eine Kündigung wirksam, muss der Mieter dennoch nicht vor Ablauf der meist mehrmonatigen Kündigungsfrist ausziehen. Die Länge richtet sich nach der Mietdauer. Mehr Infos zum Thema unter www.mieterverein-duesseldorf.info

„Die Mieter sind zu Recht beunruhigt“, sagt der Geschäftsführer des Mietervereins Düsseldorf, Rechtsanwalt Michaelo Damerow. Zwar müsse der Eigentümer bei der Kündigung von Mietverträgen ein berechtigtes Interesse nachweisen; das könne aber gegeben sein, wenn das Gebäude nicht mehr wirtschaftlich zu nutzen wäre – etwa wegen Sanierungsrückstands. Damerow: „Ich weiß von einem ähnlichen Fall in der Innenstadt.“ Er rät den Mietern, sich rechtlich beraten zu lassen. So könne bei Krankheit oder langer Wohndauer Einspruch eingelegt werden und der Gang vor Gericht Erfolg haben.

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