Die Hauseigentümer an der Siegburger Straße fordern Schadensersatz von Projektentwickler Vivacon, weil ihr Finanzierungskonzept geplatzt ist.

Düsseldorf. Peter Gillrath ist sauer. 2006 kaufte er sein schönes Eigenheim im ehemaligen Straßenbahndepot an der Siegburger Straße, vom Projektentwickler Vivacon poetisch "Wilde 13" genannt. Seitdem reißt der Ärger für ihn und seine Nachbarn nicht mehr ab. Eigentlich hätte alles so schön sein können. Ein günstiges Finanzierungsmodell vom Projektentwickler, dazu eine hochwertige Ausstattung der Wohnung nebst teurer Holzterrasse.

Weil die exklusiven Neubauten in ein bestehendes Industriedenkmal hinein gebaut wurden, lockten ausserdem hohe Abschreibungssummen durch die Denkmalnutzung (Denkmal-AfA) potenzielle Käufer.

Der Projektentwickler bummelt, den Käufern platzen die Kredite

Bei Peter Gillraths 135 Quadratmeter großen Wohnung sollten das eigentlich zwischen 90 000 und 100 000 Euro sein, die er in den nächsten 10 Jahren von der Einkommenssteuer hätte absetzen können. Ohne die hohen Abschreibungssummen im Finanzierungsmodell der Vivacon hätte er sich die teure Eigentumswohnung gar nicht leisten können, sagt Gillrath.

Der Haken an der Sache: Um beim Finanzamt die Abschreibungen geltend machen zu können, muss der Projektentwickler erst einmal die Unterlagen für die Sanierung an die Denkmalbehörde weiterleiten. Und das machte Projektentwickler Vivacon erst vor zwei Wochen, satte drei Jahre, nachdem Gillrath seine Wohnung gekauft hat. Bis die Behörde jetzt alle Rechnungen geprüft hat, wird wohl noch einige Zeit ins Land gehen.

Zu spät für zwei Nachbarn von Peter Gillrath. Wegen den ausgebliebenen Steuerersparnissen ist ihnen sogar die Finanzierung geplatzt. Ihnen blieb keine Wahl, sie mussten einen neuen Kredit zu deutlich schlechteren Konditionen abschließen.

"Nur wer am lautesten schreit, bekommt sein Recht"

Planungsdezernent Gregor Bonin sieht im aktuellen Streitfall bei der Stadt keine Steuerungsmöglichkeiten. Nur der freie Markt könne auf die Qualität der Anbieter reagieren, sagte Bonin gegenüber der WZ.

Zu den Vivacon Projekten "Wilde 13" und den "Neuen Gärten" kommt demnächst noch ein weiteres hinzu: der Umbau des ehemaligen Theresienhospitals in der Altstadt.

Der nächste Ärger stand ins Haus, als es statt der versprochenen Terrasse aus Bangkirai-Holz nur die Sparversion mit Betonplatten gab. Erst auf Druck reagierte Vivacon und besserte nach. "Obwohl die Vivacon weiß, dass sie vertragsbrüchig geworden ist, schließlich besteht Prospekthaftung", ärgert sich Peter Gillrath.

Auch Nachbarin Susanne Metz ist empört: "Die Vivacon hat einen miserablen Service für ihre Kunden nach Vertragsabschluss. Nur wer am lautesten schreit, bekommt sein Recht." Der Kundenkontakt sei nach Vertragsunterzeichnung einseitig beendet worden.

Bei der Vivacon bezog gestern niemand zu den Vorwürfen Stellung. Die Betroffenen Käufer wehren sich jetzt gemeinsam. 28 Eigentümer der "Wilden 13" haben sich schon zusammengeschlossen, ihr Anwalt fordert von der Vivacon insgesamt 26 000 Euro Schadensersatz.

Zu den Käufern des anderen Düsseldorfer Vivacon-Projekts "Neuer Garten" in Derendorf haben sie Kontakt aufgenommen. Die kämpfen mit ähnlichen Problemen, wie ihr Sprecher Dietmar Sopart bestätigte. Projektübergreifend wollen sie nun gegen die Vivacon vorgehen.

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