Fortschrittliche Technologie soll den Kauf von Tickets erleichtern – und ist deutlich schneller.

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Unkomplizierte Anmeldung: Handy an einen Kontaktpunkt halten und einsteigen.

Unkomplizierte Anmeldung: Handy an einen Kontaktpunkt halten und einsteigen.

Bernd Nanninga

Unkomplizierte Anmeldung: Handy an einen Kontaktpunkt halten und einsteigen.

Düsseldorf. Mancher Düsseldorfer hat sich bereits über die "komischen blauen Kästen" gewundert, die seit einigen Wochen an über 80 Haltestellen der Deutschen Bahn in Düsseldorf aushängen. Diese Kästen sind Kontaktpunkte für das Mobiltelefon, so genannte "Touchpoints". Sie sollen bei der Bahn das gewohnte Ticketsystem ablösen.

Das Prinzip des Projekts "Touch&Travel" der Deutschen Bahn ist recht einfach: Vor jeder Fahrt hält man sein Mobiltelefon kurz an einen dieser "Touch-Points". Anschließend tritt man seine Reise an. Sobald man ausgestiegen ist, geht man nochmals an einen solchen Kontaktpunkt und bestätigt so den Ausstieg. Automatisch ermittelt das Rechenzentrum der Deutschen Bahn, welche Strecke man gefahren ist.

Erstmals in der Geschichte des öffentlichen Verkehrs ist es möglich, sein Entgelt auch nach Beendigung Fahrt zu entrichten - getreu dem Motto: "Erst die Ware, dann das Geld".

Ein Hintergrundsystem der Deutschen Bahn ermittelt aus den gesammelten Daten wie beispielsweise Start- und Zielhaltestellen, Kontrolldaten im Zug oder der Fahrzeit die gefahrene Strecke. Diese wird anschließend mit dem entsprechenden Preis hinterlegt. Der Kunde kann so turnusmäßig eine Mobilitätsrechnung erhalten, auf der die gefahrenen Strecken sowie die dazugehörigen Preise aufgeführt sind. Durch diese neue Technologie soll man sich lästiges Suchen nach Kleingeld und langwieriges Geklicke an Ticketautomaten ersparen. Auch das Studieren der Tarifpläne ist dann überflüssig.

Für die Kunden sind die Datennutzung für das An- und Abmelden über das Mobilfunknetz sowie die Anrufe bei der Kundenbetreuung kostenfrei. Die Kosten für die Fahrten muss der Kunde natürlich selbst zahlen.

Das Touch&Travel-Projekt ist noch in der Probephase

Die Rheinbahn bietet sie schon seit April 2006 an. Nach einer Anmeldung im Internet braucht der Fahrgast lediglich eine kostenfreie Nummer zu wählen und bekommt das Ticket sofort per SMS. Als zweite Möglichkeit kann man sich auf seinem Mobiltelefon ein Programm installieren lassen - und kommt so mit einigen Klicks zum gewünschten Ticket. Auch Monatstickets gibt es als Handyticket.

Über 13 Verkehrsverbände, darunter der VRR, bieten das Handyticket in Deutschland an.

Das Projekt wurde 2008 gestartet und in Berlin getestet. Im Zusammenhang mit der Ruhr2010 kommt das Pilotprojekt auch nach NRW. Bevor das System offiziell in Betrieb geht (der Starttermin steht noch nicht fest), kann man sich auf der Internetseite der Deutschen Bahn für eine Teilnahme als "Tester" anmelden und bekommt ein geeignetes Handy zugeschickt. Wer bereits ein systemkompatibles Handy besitzt, kann die neue Technik natürlich ebenfalls ausprobieren. In beiden Fällen gilt für die Nutzung von Nahverkehrszügen, dass zwar der Preis einer Fahrt auf dem Handy angezeigt wird - nicht jedoch als gültiger Fahrschein gilt. Sprich: Touch&Travel-Tester müssen weiterhin ein "normales" Ticket erwerben. Amüsant ist jedenfalls die Reaktion einiger Kontrolleure: Beim Vorweisen des Handydisplays sind sie selbst überrascht.

Die Technik Near Field Communication (kurz NFC) ermöglicht eine schnelle, kontaktlose und sichere Datenübertragung zwischen einem NFC-Handy und einem Kontaktpunkt, beispielsweise zu einem solchen von Touch&Travel. Dabei werden die gleichen Mechanismen angewendet wie bei kontaktlosen Chipkarten, die man etwa von Gebäudezugangssystemen kennt.

Das Handy kann dabei eine "aktive" Rolle einnehmen und Daten austauschen, beispielsweise eine Identifikationsnummer aus einem Touchpoint auslesen.

In Japan und Korea ist die Nutzung von NFC längst Realität.

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