Heute sprechen die Betriebe mit der Politik, schon morgen soll über Wohnen an der Kesselstraße entschieden werden.

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Die Stadt will im Hafen mehr Wohnraum schaffen – womöglich auch im Bürohaus „Colorium“ (li.).

Die Stadt will im Hafen mehr Wohnraum schaffen – womöglich auch im Bürohaus „Colorium“ (li.).

Bernd Schaller

Die Stadt will im Hafen mehr Wohnraum schaffen – womöglich auch im Bürohaus „Colorium“ (li.).

Düsseldorf. Im seit Jahren schwelenden Streit zwischen Stadt und Industrie um Wohnen im Hafen wird jetzt eine neue Runde eingeläutet. Heute sind die Chefs der Ratsfraktionen zu Gast beim Verein der Hafenbetriebe, morgen wird der Planungsausschuss Tatsachen schaffen: dort steht eine Flächennutzungsplanänderung an, die auch an der östlichen Seite der Kesselstraße 230 neue Wohnungen ermöglichen soll.

Zwar rudert Planungsdezernent Bonin gegenüber der Vorlage in der Bezirksvertretung ein kleines Stück zurück, indem er nun eine neue „Klärung der Immissionssituation“ an Kessel-/Weizenmühlenstraße verspricht. Dennoch ist hier nicht nur neuer Streit programmiert, es riecht nach einer Klage der Hafenbetriebe.

Auch wenn Ernst Lamers, der Vorsitzende des Hafenvereins, keine Vorab-Drohungen ausstoßen will: „Wir wollen endlich mal mit der Politik direkt reden, denn die Stadtspitze betont ja ständig, die Fraktionen wollten unbedingt mehr Wohnen im Hafen“, sagt Lamers. Zugleich werden die Betriebe ihren Gästen jedoch unmissverständlich klar machen, was sie vom neuen Wohn-Vorstoß halten: nichts.

Von den Parteien steht nur die SPD voll an der Seite der Hafenbetriebe

Zum Hintergrund: 2003 plante die Stadt 700 Wohnungen an Spedition- und Kesselstraße. Doch die Bezirksregierung sagte Nein. Die Häuser rückten zu nah an die Hafenbetriebe, die Belastung durch Lärm und Gestank sei zu groß.

Dagegen wiederum klagte die Stadt, im April 2010 gab es einen Vergleich: danach konzentrieren die Stadtplaner Wohnungen allein auf die Speditionstraße. Doch noch am gleichen Tag verkündeten OB Elbers und Planungsdezernent Bonin, man halte auf Sicht auch an den Wohnplänen für die Kesselstraße fest.

Und darum geht es jetzt: Auf der östlichen Seite der Kesselstraße wird Wohnen im „Mischgebiet“ möglich, westlich soll Gewerbe als Puffer zu den Mühlenbetrieben her. Die SPD sieht darin einen „glatten Bruch des Vergleichs“, sagt Fraktionsgeschäftsführer Jochen Wirtz: „Da ist kein Puffer möglich, es kommt zum Konflikt, das kann man gerade im Kölner Hafen studieren“, sagt er und folgert: „Luxuswohnungen gefährden dort Arbeitsplätze.“

Doch die Ratsmehrheit lässt sich nicht beirren. „Die Planung bewegt sich im Rahmen des Vergleichs“, sagt FDP-Fraktionschef Manfred Neuenhaus, und: „Beides ist und bleibt möglich, Gewerbe und Wohnen.“ Wer dort hinziehe, dürfe sich nicht über Geruchsbelästigungen beschweren, betont Neuenhaus und verlangt Entgegenkommen auch von den Hafenbetrieben.

Für die Wohnpläne sind auch die Grünen: „Erst werden ja die Belastungen geprüft. Fallen sie positiv aus, sind Wohnungen auf einem Teil der Kesselstraße okay“, sagt Norbert Czerwinski.

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