Sebastian Brück veröffentlicht im Internet Geschichten eines Ich-Erzählers und seines besten Freundes, die die Düssel von der Mündung bis zur Quelle entlanglaufen. Für unsere Redaktion schreibt er nun Kolumnen, in denen die beiden Figuren in der ganzen Stadt unterwegs sind – und auch mal nach Köln schauen.

Interview
Sebastian Brück ist der Autor von „Düssel-Flaneur“.

Sebastian Brück ist der Autor von „Düssel-Flaneur“.

Markus Luigs

Sebastian Brück ist der Autor von „Düssel-Flaneur“.

Düsseldorf. Sebastien Brück spircht im Interview über seine Pläne für den Düssel-Flaneur. 

Wer ist der Düssel-Flaneur?

Sebastian Brück:  Ein fiktiver Ich-Erzähler, der mit seinem ebenfalls fiktiven besten Freund namens P. an der Düssel entlangläuft und sich Wortgefechte liefert.

Wie oft wird der Düssel-Flaneur mit Ihnen verwechselt?

Brück:  Am Anfang habe ich die Geschichten anonym im Internet veröffentlicht, da konnte es keine Verwechselungen geben. Je mehr ich mich geoutet habe, desto häufiger werde ich als der Düssel-Flaneur vorgestellt. Inzwischen überlege ich, ob ich es einfach annehme. Es ist halt so.

Bücher Als Co-Autor war Sebastian Brück unter anderem an den Büchern „Pia, von Beruf Rettungshund“, „Der Beauty-Doc“, „Der Balkanizer“ und „Wenn Hunde sprechen könnten – und Menschen richtig zuhören“ beteiligt. Blog Die bisher 42 Folgen der semi-literarischen Wanderung von der Mündung zur Quelle der Düssel und einige andere Texte sind im Internet zu finden unter: www.duessel-flaneur.de

Was haben Sie denn mit dem Ich-Erzähler gemeinsam?

Brück: Mal mehr, mal weniger. Ich genieße die Freiheit der Figur und dass ich alles durch sie sagen kann. Das entspricht mal meiner Meinung, mal ist es aber auch das Gegenteil.

Wie ist es mit dem besten Freund P.? Gibt es dafür ein Vorbild in der Wirklichkeit? Oder steht P. für Projektionsfläche?

Brück: P. ist ein Gemeinschaftscharakter, eine Mischung aus den Menschen und Meinungen, die mich umgeben. Er ist eine multiple Persönlichkeit im besten Sinne. Auch das gibt mir viel Freiheit, die beim Schreiben sehr angenehm ist. Über P. weiß man übrigens mehr als über den Ich-Erzähler.

Was denn?

Brück: Er ist in Neuss groß geworden, Fan von Borussia Mönchengladbach, verheiratet, hat zwei Kinder und einen Wellensittich und arbeitet in der Werbebranche. Deshalb besitzt er neuerdings auch ein Rennrad. Und P. ist wahrscheinlich der ironischere, der sarkastischere von beiden.

P. und der Ich-Erzähler werden künftig regelmäßig bei uns auftauchen. Was verändert sich dadurch?

Brück: Die beiden verlassen den Leitfaden der bisherigen Geschichten, die Düssel. Damit werden die Flaneure völlig frei. Sie können sich treiben lassen. Sie können aber auch einfach irgendwo sitzen und in Gedanken flanieren – so wie sie es in der ersten Folge machen.

Die erscheint am Samstag. Was mögen Sie darüber schon verraten?

Brück: Die beiden sitzen vor der Kunsthalle und dem Salon des Amateurs und reden über einen weltberühmten Düsseldorfer Musiker, den hier aber kaum einer kennt. Der Mann hat mehr als eine Million Platten verkauft. Und das sollte viel mehr gewürdigt werden, findet vor allem P. Ich übrigens auch.

Wird Popkultur auch in den weiteren Folgen ein zentrales Thema sein?

Brück: Ja und nein. Ich beschäftige mich sehr gerne damit, deshalb wird es sicher immer wieder auftauchen. Es kann aber auch sein, dass eine Folge ein anderes Thema hat und die Popkultur trotzdem plötzlich um die Ecke kommt. Ich denke, die erste Folge ist insofern wegweisend, als es in den Kolumnen immer wieder um Entdeckungen gehen wird.

Wie sind die Texte sprachlich angelegt?

Brück: Es werden voraussichtlich sehr dialoglastige Texte sein, die von Ironie und Wortwitz leben. Die Sprache soll möglichst alltagsnah und locker sein, auch wenn ich natürlich Informationen zu den Entdeckungen unterbringen möchte. Ich habe inzwischen einige Lesungen mit meinen Texten gehabt. Da merkt man noch einmal sehr gut, was funktioniert und wie gesprochene Sprache klingen sollte.

Sie haben als Ghostwriter einige Bücher geschrieben. Wie hat sich das auf den Düssel-Flaneur ausgewirkt?

Brück: Dadurch habe ich trainiert, mich in andere Personen hineinzuversetzen und aus anderen Perspektiven zu schreiben. Ich habe dadurch auch den semi-literarischen Bereich kennengelernt – und finde es jetzt sehr schön, das alles frei ausleben zu können.

Sie haben eine Kölner Vergangenheit. Inwieweit wird die in den Kolumnen eine Rolle spielen?

Brück: Das stimmt, ich bin das in Köln geborene Kind eines Düsseldorfer Vaters und einer Münsterländer Mutter. Ich habe dort die ersten drei Jahre meines Lebens verbracht, dann sind wir nach Bilk gezogen. Als junger Erwachsener habe ich noch einmal in Ehrenfeld gewohnt. Ich finde das Spannungsfeld interessant. Beides sind tolle Städte, die jenseits der Klischees viel zu bieten haben. Dieses Feld möchte ich gerne beackern. Das passt gut zu den beiden Figuren, es kann aber durchaus auch mal einen reinen Ich-Text von mir geben.

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