Die Antoniuskirche Oberkassel erhält ein Musikinstrument, das unter dem Dach installiert wird, wo es für die Gläubigen unsichtbar wird.

Die Antoniuskirche Oberkassel erhält ein Musikinstrument, das unter dem Dach installiert wird, wo es für die Gläubigen unsichtbar wird.
Ein Gerüst ist notwendig, um das Fernwerk zu installieren.

Ein Gerüst ist notwendig, um das Fernwerk zu installieren.

Über der Vierungskuppel wird die Computer gesteuerte neue Orgel in der Antoniuskirche Oberkassel installiert. Die Musik erklingt durch das Schallloch in den Gebetsraum.

Oliver Schönemann, Bild 1 von 2

Ein Gerüst ist notwendig, um das Fernwerk zu installieren.

Die Oberkasseler Kirche St. Antonius ist gut ausgestattet und besitzt seit 2016 sogar zwei Orgeln. Was also soll das Gerüst an der Fassade? Dechant Michael Dederichs frohlockt: „Wir bekommen eine dritte Orgel, ein Fernwerk. Sie heißt so, weil die Musik wie aus der Ferne heruntergeholt wird. Man sieht das Instrument nicht, sondern hört es nur. Sie wird über das Dach ins Innere transportiert und über einem Loch installiert.“

Dieses Loch in der Kuppel dient als Schalltrichter. In Zeiten, wo es die Kleesattel-Kirche noch nicht gab, bezeichnete man den Trichter als „Pfingstloch“ oder „Heilig-Geist-Loch“. Durch diese Luke zog man zu Christi Himmelfahrt eine hölzerne Christus-Figur in den Kirchenspeicher hoch. Aber Dederichs winkt ab: Heute seien solche Aktionen verboten. Das Loch über der Vierung diene ausschließlich als Schalltrichter.

Die erste Orgel mit einer digitalen Steuerungstechnik

Die Idee dazu kam vom Organisten Markus Hinz, der partout eine dreiteilige Orgelanlage haben wollte, bestehend aus der Chororgel im Seitenschiff, der Emporenorgel, die das Gebet und den Gesang der Gläubigen befeuert und eben dem Fernwerk, das in der romantischen Tradition steht. „Es schickt gleichsam die Musik aus dem Himmel nach unten“, so Hinz. Alle drei Instrumente können von den beiden Spieltischen auf dem Boden der Kirche bedient werden.

Dederichs ist begeistert: „Dieses Fernwerk ist eine der modernsten Orgeln Europas. Sie stützt sich auf die digitale Steuerungstechnik der Düsseldorfer Firma Sinua. Sie lässt sich also über Computer programmieren. Dadurch sind besondere Effekte möglich.“

Fernwerke sind eine Erfindung des frühen romantischen Orgelbaus. Sie dienen dem Effektspiel. Dadurch können Hall und Echo nachgeahmt werden. Ihr Klang soll „wie der ferne Silberstrom herabrieseln“, so Hinz. Das heißt, es entstehen mystische Klangerlebnisse, wie aus anderen Sphären.

Unter dem Vierungsturm hat das Musikinstrument zukünftig seinen Standort. Dort ist es jedoch im Sommer extrem heiß und im Winter kalt, weshalb die Umgebung je nach Witterung leicht gekühlt oder erhitzt werden muss.

Im normalen Gottesdienst genügen Hauptorgel und Chororgel. Aber die dritte Orgel sei „wunderbar für Konzerte und für eine besondere Orgelliteratur“, so Dederichs.

Finanziert wurde sie durch Eigenanteile der Gemeinde, durch Spenden und die Kirchenmusikstiftung. Berater und Partner in der Stiftung sind u. a. Michael Becker von der Tonhalle und Oliver Königsfeld vom Düsseldorfer Ballett. Ursprünglich war gar daran gedacht, Ballette in der Kirche zu geben. Mit dem Weggang von Martin Schläpfer erscheint dieses Projekt hinfällig.

Am 25. November wird sie um 10.30 Uhr von Weihbischof Dominikus Schwaderlapp geweiht und um 16 Uhr von dem französischen Organisten Olivier Latry erstmals gespielt. Damit ist der letzte Bauabschnitt der Orgelsanierung und Orgelerweiterung abgeschlossen.

santobene.de

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