Das Entree in die Ratinger Straße ist hässlich. Da der Neubau immer noch nicht steht, hat die Agentur Euro RSCG an ihrem altem Standort verlängert.

Düsseldorf. Die Ratinger Straße gehört zu Düsseldorfs ältesten Straßen - und sie hätte wahrlich ein besseres Entree verdient.

Wobei das siebengeschossige Bürohaus auf der südlichen Seite zwar keine Schockstarre beim Betrachter auslöst, aber eben nicht mehr ist als ein belangloser Zweckbau.

Die Krönung im negativen Sinn dagegen stellt das Parkhaus auf der nördlichen Seite dar. Die Fassade vermittelt die Ästhetik eines zerschossenen Bunkers. Kein Wunder, dass viele Düsseldorfer in dem Klotz nur einen Schandfleck sehen, der möglichst schnell verschwinden sollte.

Vor sechs Jahren gab es einen ersten Anlauf, das Parkhaus zu beseitigen. Politik und Verwaltung waren aber entsetzt, denn offenbar sollte es aus dem Regen in die Traufe gehen. 25 statt der erlaubten 19 Meter hoch, sollte dort ein gläserner Büro-Kubus entstehen und vor allem die Taschen des Investors füllen.

Mit dieser Haltung ist in Düsseldorf aber kein Blumentopf mehr zu gewinnen. "Wir wollen einen Entwurf, der sich an die Umgebung anpasst und einen Übergang zur niedrigeren Bebauung an der Ratinger Straße schafft", sagt Planungsdezernent Gregor Bonin. Dabei denkt er auch an das Andreasquartier, das zwischen Mühlen- und Ratinger Straße entsteht. Beide Projekte liegen nicht nur in Steinwurf-, sondern auch in Blickweite.

Der Projektentwickler Kölbl Kruse aus Essen, der das Parkhaus vor drei Jahren gekauft hat, weiß das und ist "in engen Abstimmungen mit der Stadt", wie Geschäftsführer Michael Fink versichert.

Leider ist seinem Optimismus ein Schlag versetzt worden: Der eigentlich für den Neubau vorgesehene Hauptmieter, die Werbeagentur Euro RSCG, hat am heutigen Firmenstandort Kaiserswerther Straße ihren Mietvertrag für sechs Jahre verlängert. Geschäftsführer Andreas Geyr: "Wir konnten hier expandieren und haben eine Option auf weitere 1000 Quadratmeter." Er ist, auch wenn Kölbl Kruse eine anderslautende Pressemitteilung herausgibt, nicht sehr optimistisch, was einen Umzug zur Ratinger Straße angeht.

Tatsächlich haben Kölbl Kruse bei dem 40 Millionen Euro-Projekt große Aufgaben zu lösen. Wenn die Werber mit 200 Personen einziehen, müssen für diese Parkplätze angeboten werden. Das soll in einer Tiefgarage geschehen, die zusätzlich die bestehenden 270 Stellplätze des Parkhauses aufnehmen soll. Von bis zu fünf Tiefebenen ist deswegen die Rede, auch von Unterbauung des Nachbargrundstücks.

Die Gnadenfrist für Heimo Wechtitsch und seine Bluescorner fällt also vielleicht länger aus. In der verrauchten Eckkneipe, die ins Parkhaus integriert ist, gibt’s oft Live-Musik. Die Theke hat eine Patina, als bestünde sie aus gepresstem Nikotin. Wechtitsch hat einen Mietvertrag mit monatlicher Kündigungsmöglichkeit. Er steckt sich eine an: "Ich bin 63. Ich weiß nicht, ob ich noch mal woanders hingehe."

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