Beim Regionalentscheid gewinnt auch ein Düsseldorfer Schüler einen ersten Platz.

Jugend forscht
Mareike von Beschwitz (19) bei ihrem Streichholzversuch.

Mareike von Beschwitz (19) bei ihrem Streichholzversuch.

Tobias Martin und Leon Markwart (v. l., beide 14) haben festgestellt: Lehrer essen gesünder, dafür bewegen sich Schüler mehr.

Ist die Zahl 78 153 204 durch 13 teilbar? Alexander Sokolewski (15) kann es in wenigen Sekunden sagen: Nein.

Bernd Schaller, Bild 1 von 3

Mareike von Beschwitz (19) bei ihrem Streichholzversuch.

Düsseldorf. Mareike von Beschwitz fällt auf die Knie, nimmt die Hände auf den Rücken, beugt sich nach vorne und stupst mit der Nase eine Streichholzschachtel um. „Das können Frauen eindeutig besser als Männer“, sagt die 19-Jährige, als sie wieder auf beiden Beinen steht. Sie hat es mit etwa 300 Probanden wissenschaftlich bewiesen. „Jugend forscht“-Wettbewerbsleiter Rainer Linden hat es am eigenen Leib erfahren: „Ich bin bei zwei Versuchen auf der Nase gelandet.“

Geärgert hat sich der Studiendirektor am Gymnasium Gerresheim beim Regionalentscheid am Donnerstag von „Jugend forscht“ in der Turbinenhalle der Stadtwerke aber nicht darüber: „Das ist doch das, was den Wettbewerb ausmacht: Der neugierige Blick, was hinter einer Alltagssituation stecken könnte.“ Mareike kam auf die Idee, als ihr ihre Eltern Bilder von früheren Partyspielen zeigten. Und warum können Frauen das besser? „Sie haben einen tieferen Körperschwerpunkt als Männer und kippen deshalb nicht um“, sagt die Schülerin.

Die Teilnehmerzahlen bei „Jugend forscht“ brechen ein

An einem anderen der 21 Tische mit Forschungsbeiträgen erklären die 14-jährigen Tobias Martin und Leon Markwart von der Freien Christlichen Gesamtschule aufgeregt, was sie mit einer empirischen Studie herausgefunden haben: „Die Lehrer essen gesünder, aber die Schüler bewegen sich mehr“, sagt Tobias und seine Stimme überschlägt sich. „Das ist ein Problem, weil das Essverhalten bleibt, aber die Schüler sich immer weniger bewegen, wenn sie älter werden.“

Jury-Chef Rainer Linden, der sich mit den Kollegen gerade zur finalen Beratung zurückziehen will, lobt die originellen Ideen, aber: „Wir erleben einen massiven Einbruch.“ In früheren Jahren lag die Teilnehmerzahl konstant über 30. Im vergangenen Jahr immerhin noch bei 29. „Das liegt an der zeitlichen Belastung der Schüler durch Ganztag und Turbo-Abi“, sagt Linden. Für Projekte neben dem Unterricht bleibe da kaum Raum.

Wie man Zeit sparen kann, zeigt Alexander Sokolewski (15) vom Annette-Gymnasium in Benrath. Auch wenn seine Präsentation nur aus Papier und Zahlen besteht – und nicht aus Laptop, Robotern und Reagenzgläsern – beeindruckt er mit seiner Teilbarkeitsregel für die Zahlen 7, 11 und 13. Dass 78 153 204 nicht durch 13 teilbar ist, hat er mit nach wenigen Sekunden raus. In den Mienen der Beobachter mischen sich Erstaunen und Verzweiflung darüber, dass sie gedanklich nicht mit dem kleinen Mathe-Genie mitkommen – dafür gab es einen zweiten Platz in der jategorie Mathematik.

Franziska Eisner, Ann-Christine Levacher, Theresa Nösser (Untersuchung des Pillebachs);
Philipp Gercke, Hannes neunzig, Niklas Plewka (Amphibien-Monitoring Urdenbacher Kämpe);
Louis-Pascal Xhonneux, Maximiliane Minnerop, Bernadette Levacher (Schmetterlinge am Himmelgeister Deich);
Sebastian Masur, Stefan Engels, Simon Altrogge (Veränderung der Urdenbacher Kämpe)

Maximilian Stratmann (Regenwasser-Kraftwerk)

Katja Köhler (Der Skyflyer)

„Die Arbeiten dürfen ruhig theoretisch sein, aber die Schüler müssen sie auch verständlich erklären können“, sagt Linder. Er und die Jury haben sich mit einem Röntgengerät aus Tesafilm, einem Schulhilfsroboter, einem Hefetoximeter, photonenzählenden Kameras und Amphibien-Monitoring beschäftigt.

Doch einen Preis gibt es für den Blick in die Sterne von Benedikt Gröver vom Lore-Lorentz-Berufskolleg. Der 20-Jährige hat mit einem 8-Zoll-Teleskop und einem Spektrometer Lichtwellen des 5000 Lichtjahre entfernten Krebsnebels eingefangen, der so hell leuchtet wie ein Teelicht auf 55 Meter Entfernung. Das schafften Profi-Astronomen bisher nur mit metergroßen Teleskopen. Für Linden und die Jury war das originell und wissenschaftlich fundiert genug: Gröver reist jetzt zum Landeswettbewerb. Wenn er zurück ist, will er Physik studieren – oder so.

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