Die rote Nase kam diesmal ganz von selbst. Um die hunderttausend Narren feierten am Sonntag trotzdem beim Karneval auf der Kö.

Düsseldorf. Das erste Mal ist immer etwas Besonderes. Reinhold steht in seinem Musketier-Kostüm etwas abseits, als auf der Königsallee schon Schunkel-Alarm angesagt ist. "Ich bin Kölner und erst im April nach Düsseldorf gezogen. So etwas wie den Straßen-Karneval für Familien gibt es da nicht. Da sind überall viel mehr Betrunkene", schaut er sich fast schüchtern die bunt kostümierten Gruppen an, die vorbei ziehen.

Auch seine Freundin Olga staunt. Sie kommt aus der Ukraine und hat ihren allerersten Kontakt mit dem geballten Winterbrauchtum. "Strange" ist ihr einziger Kommentar. Was heißt, dass sie im Karneval noch ein bisschen fremdelt. Wenige Augenblicke später sind Reinhold und Olga im Meer der Narren verschwunden und üben "Jeck - we can".

Bis zum späteren Nachmittag beweisen um die hunderttausend Narren derweil, dass sie trotz Dauer-Frost und Schneegriesel feiern können. Ein bisschen weniger Trubel als in den vergangenen Jahren ist es schon, dafür gibt bei den Temperaturen die rote Nase gratis. Ganz in seinem Element ist Klaus-Dieter Noelte mit seinen elf Mitstreitern: "Das ist Alpinistenwetter", freut sich der erste Vorsitzende der Düsseldorfer Sektion des Deutschen Alpenvereins.

Rollender Eisenbügel als närrischer Gruß nach Köln

Ganz schnell reagiert haben die Jecken des Vereins Buxedriesser. "Wir wollten eigentlich einen Wagen zur U-Bahn-Baustelle machen und hatten schon die Bauarbeiter-Kostüme", erzählt Peter Schulte-Zurhausen. Am Sonntag rollten sie mit einem Stahlträger aus Pappmaché über die Kö. "Günstig abzugeben - Eisen aus Köln" war das Motto.

Andere hatten Sinn fürs Praktische. Schon seit Jahren sind die Kegel- und Kanalfreunde mit Kostümen der Augsburger Puppenkiste beim Kö-Treiben dabei. Ihre "Wilde 13" ist nicht nur ein Blickfang. "Wir haben da zwei Chemie-Klos für die Damen drin", verrät Karsten Jahn, der die 40 Personen starke Gruppe leitet. Die Narren kennen sich schon seit der Jugendzeit. Jahn: "Wir sind die letzten Überbleibsel der Deutschen Zeltjugend. Außer zum Karneval in Düsseldorf treffen wir uns jedes Jahr einmal in Berlin und zu einem Wochenende am Rhein-Herne-Kanal."

Geschehen verlagerte sich sehr schnell in die Altstadt

Egal, ob wandelnde Milka-Schokoladen als "zarteste Versuchung" oder laufende Senf-Töpfchen: Die Narren an der Kö feierten wie in den vergangenen Jahren friedlich. Nach Angaben der Polizei gab es keine nennenswerten Einsätze. Wegen des schlechten Wetters verlagerte sich das Geschehen aber recht früh in die Altstadt.

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