CC-Chef Hinkel sagt: „Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen.“ WZ-Karikaturist sorgt sich um die Satire.

WZ-Karikaturist Berndt A. Skott sieht die Satire in Gefahr. Archiv
WZ-Karikaturist Berndt A. Skott sieht die Satire in Gefahr. Archiv

WZ-Karikaturist Berndt A. Skott sieht die Satire in Gefahr. Archiv

Dieser Mottowagen im Rosenmontagszug 2010 griff den Streit um die dänischen Karikaturen und die Rolle der Satire auf. Archiv

SL, Bild 1 von 2

WZ-Karikaturist Berndt A. Skott sieht die Satire in Gefahr. Archiv

Düsseldorf. Der brutale Terroranschlag in Paris hat am Donnerstag auch in Düsseldorf große Betroffenheit ausgelöst. Um 12 Uhr mittags hielt das Institut Francais an der Bilker Straße eine Gedenkminute ab für die zwölf ermordeten Opfer des Attentates auf die Zeitschrift „Charlie Hebdo“, ein Kondolenzbuch liegt aus.

Per Brief drückte OB Thomas Geisel dem französischen Generalkonsul Michel Giacobbi seine Anteilnahme aus: „Das Entsetzen über diesen fürchterlichen Anschlag ist auch in Düsseldorf überall zu spüren.“

Betroffen fühlt sich auch das Carnevals Comitee (CC). Gleich am Donnerstagmorgen bespricht sich der Führungszirkel, auch Jacques Tilly, bekannt für seine bissigen Mottowagen im „Zoch“, schaltet sich ein. Danach betont CC-Chef Josef Hinkel, dass der Karneval weiterhin gesellschaftliche oder religiöse Themen kritisch aufgreifen werde: „Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen, sondern müssen einstehen für unsere Werte, dazu gehören Meinungs- und Pressefreiheit“, sagt Hinkel.

Karikaturist Skott meint: Die Schere im Kopf ist längst da

Er betont zugleich, dass auch die schärfsten Mottowagen immer mit einem „schmunzelnden Auge“ gemacht seien. Denn niemand solle persönlich beleidigt werden.

Doch natürlich hat man das Thema Sicherheit stets im Blick. CC-Geschäftsführer Christoph Joussen hat sofort bei der Polizei nachgefragt, wie sie die Lage einschätze, ob es eine Gefährdung gebe. Das habe die Polizei verneint, berichtet Hinkel.

Auch Karikaturist Berndt A. Skott, der regelmäßig bissig-intelligente Karikaturen für die WZ anfertigt, ist schwer mitgenommen von den Morden in Paris: „Das ist kaum zu fassen“, sagt er. Bei der weltweiten Empörung kommt ihm zu kurz, „dass es sich bei den Tätern um Kriminelle handelt“, denn: „Nur wenn das herausgestellt wird, kommen wir von der unsäglichen Debatte um angebliche Glaubenskrieger weg.“ Die Attentäter seien ähnlich „kranke Hirne“ wie Amokläufer an Schulen.

Mit Skepsis und Sorge sieht Skott eine Entwicklung, wonach Satire es bei heiklen Themen in Medien immer schwerer habe, insbesondere in Deutschland. „Die Schere im Kopf ist längst da, auch in vielen Redaktionen.“ Selbst in Nachbarländern wie Österreich sei „mehr Schärfe“ möglich. Satire sei ein wichtiges Kulturgut, das verlorenzugehen drohe. Er selbst habe keine Angst: „Ich wüsste nicht wovor. Opfer eines Anschlages können Sie jederzeit und überall werden.“

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