Konto einer Familie war kurzzeitig nicht gedeckt. Klage vor Gericht.

Düsseldorf. Eigentlich passt die Familie genau in das Kundenprofil des schwedischen Möbelhauses: Der Vater (29), Rechtsreferendar, die Mutter (27), Ökonomin in Elternzeit, das Söhnchen, sechs Monate alt, dessen Kinderzimmereinrichtung längst noch nicht abgeschlossen ist.

Doch an den nächsten Ikeabesuch ist nicht zu denken – die jungen Eltern sind maßlos enttäuscht von dem als familienfreundlich geltenden Konzern. Der Grund: Die Mutter hatte im Januar 2016 eine Ikea-Rechnung mit ihrer EC-Karte bezahlen wollen, ihr Konto war aber nicht gedeckt. Anstatt einige Tage später einen zweiten Abbuchungsversuch vorzunehmen,beauftragte Ikea unverzüglich ein Inkassounternehmen und stellte die Kosten der 27-Jährigen in Rechnung. Aus einer 16,40 Euro hohen Rechnung wurden so 100 Euro. „Mittlerweile ist die Summe durch Gerichtskosten auf rund 400 Euro angewachsen“, sagt der Ehemann, der seine Frau am Dienstag zum Gerichtstermin begleitete. Dort wehrte sich das Paar gegen die Zahlung der Inkasso-Kosten.

„Wir haben einen Fehler gemacht, indem uns nicht aufgefallen ist, dass das Konto nicht gedeckt war“, so der 29-Jährige zu Beginn der Verhandlung. „Meine Frau war zu dem Zeitpunkt schwanger, und ihr ist es einfach durch die Lappen gegangen.“ Erst neun Monate später erreichte seine Frau ein Brief von dem Inkassounternehmen mit einer Forderung in Höhe von 100 Euro. „Erst da merkte ich, dass das Konto damals offensichtlich nicht gedeckt war“, so die 27-Jährige.

Das junge Paar beglich die Rechnung, übernahm die Kosten für die Rücklastschrift und die eingeholte Schufa-Auskunft. Die Inkassokosten will es aber nicht zahlen. „Ich habe sofort mit Ikea Kontakt aufgenommen. Eine Mitarbeiterin versicherte mir, dass das Vorgehen unüblich für Ikea sei und es sich um einen Systemfehler handeln müsse. Normalerweise würde Ikea zwei- bis drei weitere Abbuchungsversuche vornehmen, bevor es ein Inkassounternehmen beauftragt“, so der Vater.

Die Richterin ließ bei allem Verständnis für das Paar durchblicken, dass sie zugunsten von Ikea entscheiden werde. Es sei gängige Praxis, dass Unternehmen bei ausstehenden Forderungen Inkassounternehmen beauftragen. Sie seien nicht verpflichtet, davor weitere Abbuchungsversuche vorzunehmen. „Ich erlaube mir an dieser Stelle kein Urteil darüber, ob das Prozedere kundenfreundlich war“, sagte die Richterin. „Es geht hier aber darum, wie Unternehmen generell mit Forderungsausständen umgehen dürfen.“ Kunden profitierten von den heutzutage einfachen Abbuchungsvorgängen. „Die Kehrseite der Medaille ist dann, dass es kostet, wenn etwas schief geht.“

Am 19. Mai steht fest, wie es weitergeht. Sehr wahrscheinlich wird das Gericht ein Urteil verkünden. Für die Familie steht eines jetzt schon fest: Sie werden die Möbel fürs Kinderzimmer in einem anderen Möbelhaus kaufen.

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