Nach dem Tod des Künstlers Peter Royen zieht seine Frau um. Trödel-Profis helfen bei der Entrümpelung.

TV–sendung
Esmé und Christine Royen lassen ihre Schätze von den Ruhrpott-Ramschern Rainer Berkenhoff und Manfred Reimann (von li.) fürs ZDF schätzen.

Esmé und Christine Royen lassen ihre Schätze von den Ruhrpott-Ramschern Rainer Berkenhoff und Manfred Reimann (von li.) fürs ZDF schätzen.

Lepke

Esmé und Christine Royen lassen ihre Schätze von den Ruhrpott-Ramschern Rainer Berkenhoff und Manfred Reimann (von li.) fürs ZDF schätzen.

Düsseldorf. Die Ruhrpott-Ramscher sind Profis, wenn es um den Ramsch in den Wohnungen von Hinterbliebenen geht. Sie treten regelmäßig im ZDF auf, wenn sie das alte Zeug einsammeln, um es zum Wohle von Witwen und Witwern zu verhökern. Am Mittwoch  tauchten sie auf der Niederrheinstraße bei Christine Royen (83) auf, die ihr Miethaus nach 33 Ehejahren verlassen muss. Ihr Mann, der Künstler Peter Royen, war im Juli 2012 gestorben. Und sie fühlt sich von all den Dingen zwischen Keller und Dachgeschoss einfach überfordert.

Rainer Berkenhoff wischte die Spinnweben vom alten Schmuck

Nicht so die Ruhrpottramscher. „Wir halten den alten Brei warm“, tönten sie im Ruhrpott-Deutsch. „Wir beschäftigen uns mit den alten Teilen, die vergessen und verstaubt und mit Spinnweben besetzt sind“, sagt Rainer Berkenhoff (53). Seine These: „Das alte Zeug muss erst einmal weggeschmissen werden, bevor die Eigner kapieren, dass es doch ganz schön ist.“ So weit kommt es bei den Royens nicht. Eine Künstlerfamilie weiß, was die Sachen wert sind.

„Eine Bakelit-Nähmaschine aus der DDR! Das ist ein echtes Sammlerstück!“

Rainer Berkenhoff, Antiquitätensammler

Dennoch blickten Christine und Esmé Royen amüsiert auf dieses Duo aus dem Ruhrpott, das Koffer öffnete, gegen Kisten klopfte und Spinnweben wegwischte. Vor allem auf dem Speicher herrschte eitel Freude. Besonders die Dinge aus Bakelit, dem ersten vollsynthetischen Kunststoff des frühen 20. Jahrhunderts, brachten Rainer Berkenhoff schier aus dem Häuschen. „Guck mal, Manfred, ein Reisebügeleisen noch mit altem Stecker. Und eine Bakelit-Nähmaschine aus der DDR!“ Bis in die 80er Jahre seien sie im Osten hergestellt worden. Christine Royen hatte sie von einer Enkelin nach der Wende zum Geburtstag geschenkt bekommen.

Berkenhoff erklärte, was am Bakelit so doll sei: „Dieser erste Kunststoff in den 20er Jahren wurde noch teilweise in den USA gefertigt, in Eierschalengelb. Er ist sehr rar. Die Deutschen stellten ihn in den 30er Jahren im Sauerland her, aber nur in Schwarz.“ Sofort schalteten die Netzwerker einen Händler ein, die die Schätze begutachtete.

Zuletzt war das Duo nicht mehr zu halten: 20 Kulturbeutel voller Schmuck rissen sie aus der Verpackung. Ausschließlich Modeschmuck aus Designer-Läden der 70er Jahre. „Portobello Road“ riefen sie aus und meinten jene legendäre Marktzeile in London, wo die Beatle-Generation ihren Schmuck einkaufte. Christine Royen war 30 Jahre lang mit ihrem Mann über Trödelmärkte in England, Holland und Belgien gefahren. Sie lebten eine Zeit lang davon.

Die Ruhrpott-Ramscher Rainer Berkenhoff und Manfred Reimann aus Datteln sind vernarrt in alte Dinge. Berkenhoff plünderte schon in den 70er Jahren Mülltonnen. Inzwischen hat er ein Radiomuseum, ein eigenes Haus und einen Anbau für zwei Garagen, denn er sammelt Oldtimer. Sein Partner ist Manfred Reimann. Sie haben eine Wohngemeinschaft.

Die Aufnahmen am Mittwoch werden im Januar im ZDF ausgestrahlt. ruhrpottramscher@zdf.de

© WhatsBroadcast

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