Nach 60 Jahren an der Karlstraße zieht Musik Kunz in neue Räumlichkeiten an der Unterrather Straße.

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An die Rente denkt Reiner Kunz noch lange nicht: Am 22. Oktober feiert sein Geschäft Wiedereröffnung an der Unterrather Straße.

An die Rente denkt Reiner Kunz noch lange nicht: Am 22. Oktober feiert sein Geschäft Wiedereröffnung an der Unterrather Straße.

Judith Michaelis

An die Rente denkt Reiner Kunz noch lange nicht: Am 22. Oktober feiert sein Geschäft Wiedereröffnung an der Unterrather Straße.

Düsseldorf. 50 Jahre nicht nur im gleichen Job, sogar am gleichen Ort: Reiner Kunz sitzt auf gepackten Koffern, denn sein Geschäft Musik Kunz zieht um. Der Laden ist und bleibt sein Leben. Doch es gibt etwas, das kann Reiner Kunz nicht empfehlen: „Ich bin bei meinem Vater in die Lehre gegangen. Das war damals so üblich“, sagt der Inhaber von Musik Kunz.

Damals, da war Kunz junior 15 Jahre alt, führte sein alter Herr ein strenges Regiment. „Mein Vater hat tagsüber im Laden gestanden, abends ist er in Bars und Tanzcafés als Musiker aufgetreten.“ Sich ein zweites Standbein aufzubauen, war damals auch üblich.

1996 hat Kunz Vater Theo das Geschäft abgekauft. „Ich kann doch nichts anderes“, sagt er und stapelt dabei tief, immerhin beherrscht der 65-Jährige viele der Instrumente, die er verkauft. Das Piano hat er am Liebsten – und manchmal hat er den ganzen Tag, um darauf zu spielen, denn viele Kunden kaufen mittlerweile online, der Laden bleibt oft leer, die Musikschüler kommen erst am Nachmittag.

Zehn Klaviere, 50 Gitarren und zehn Akkordeons ziehen um

Deshalb heißt es seit Sonntag: Umzugskisten packen. Dabei sind die vielen Notenhefte, die Kunz führt, noch das geringste Problem. Rund zehn Klaviere, 50 Gitarren sowie zehn Akkordeons ziehen ebenfalls um. „Und wenn ich in den alten Akten blättere, läuft schon der ein oder andere Film vor meinem inneren Auge ab“, sagt Reiner Kunz. Erinnerungen an seinen Laden hat er viele – gute und auch schlechte.

So ist er vor mehr als drei Jahren überfallen worden. Der Täter: ein ehemaliger Kunde. „Das war ein ganz netter Junge, hat dufte Gitarre gespielt“, erinnert sich Kunz. Doch die Drogensucht trieb ihn in die Kriminalität. Kunz redet nicht gern darüber. Es ist ein weiterer Grund für den Umzug, denn das Umfeld in Bahnhofsnähe schreckt ab – besonders die Eltern der jüngeren Musikschüler.

Dabei ist gerade die Arbeit mit den Jugendlichen Kunzes heimliche Leidenschaft. „Die Musikschule ist mein innerer Antrieb“, sagt er. Und es sind nicht nur junge Menschen, die bei ihm im Geschäft lernen, ein Instrument zu spielen. Vor einigen Jahren kam eine Dame zu ihm, fasziniert von den Pianos. Ein Instrument lernen, mit 62 Jahren?

Das traute sie sich nicht zu – obwohl es ein Kindheitswunsch war, das Klavierspielen zu lernen. Kunz fackelte nicht lange: Schließlich wurde die Dame Schülerin in seiner Musikschule. Heute, mit 65 Jahren, beherrscht sie endlich das Instrument ihrer Träume, übt täglich zwei Stunden und mehr. Bei Kunz junior in die Lehre zu gehen, das scheint eine Empfehlung wert zu sein.

» Am 22. Oktober eröffnet Musik Kunz an der Unterrather Straße 34 die neuen Räumlichkeiten.

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